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Segeberg Handys unterschlagen: Speditionsfahrer war nichts nachzuweisen
Lokales Segeberg Handys unterschlagen: Speditionsfahrer war nichts nachzuweisen
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19:00 06.10.2018
Das Amtsgericht Neumünster verurteilte den 46-Jährigen zu 80 Arbeitsstunden. Ansonsten wurde das Verfahren eingestellt. Quelle: FOTO: LN-ARCHIV
Neumünster

Nur wenn Speditionsfahrer Piotr P. (46, Name geändert) Dienst hatte, verschwanden auf dem Weg vom Paketzentrum Neumünster zu den von ihm belieferten Stützpunkten überwiegend im Kreis Segeberg serienweise Postsendungen mit hochwertigen Mobiltelefonen. Monatelang beobachteten postinterne Ermittler den Verdächtigen – mit magerem Ergebnis: Am Freitag stellte das Amtsgericht Neumünster das Strafverfahren gegen P. ein – gegen 80 Stunden gemeinnützige Arbeit.

Im Zweifel für den Angeklagten: Nach den Worten des Strafrichters war dem gekündigten Paketfahrer die ihm vorgeworfene Unterschlagung von mindesten 85 Paketen im Gesamtwert von rund 50 000 Euro „im Einzelfall nicht nachzuweisen“. Mit einer Ausnahme: Anfang Februar 2016 hatte die Polizei in der Wohnung des Familienvaters drei vermisste Smartphones sichergestellt.

Im Prozess behauptete der Angeklagte, diese Geräte auf der Ladefläche seines Lkw gefunden zu haben. Unverpackt, ohne Absender und ohne Adressat seien sie aus den Roll-Containern gekullert, die er zu Stützpunkten der Post in Trappenkamp, Bad Bramstedt, Bordesholm, Schönkirchen und Schönberg zu transportieren hatte. Alle anderen Vorwürfe aus dem Tatzeitraum Mai 2014 bis Januar 2016 wies der polnische Staatsbürger während der Verhandlung zurück.

Betroffen waren vor allem Smartphone-Käufer im Kreis Segeberg. 20 Minuten benötigte die Staatsanwältin für die Verlesung der einzelnen Sendungen, nannte neben den Handy-Typen und -Preisen die Namen von Geschädigten unter anderem in Itzstedt, Oering Sülfeld, Bargfeld-Stegen, Nahe, Trappenkamp, Rickling und Bad Bramstedt. Vereinzelt war auch von Käufern in den Kreisen Plön und Rendsburg-Eckernförde die Rede.

Viel Zeit nahm sich der Richter für die Aufklärung der Arbeitsabläufe rund um die Sendungen. Dazu hatte er drei postinterne Ermittler als Zeugen geladen. Nach ihrer Aussage war der Angeklagte als Mitarbeiter einer Spedition im Auftrag der Post tätig. Sämtliche Sendungen, die er im Paketzentrum Neumünster übernahm, seien dort automatisch gescannt und je nach Stützpunkt vorsortiert worden. Der nächste Scan-Vorgang erfolge dann erst wieder durch den Zusteller.

Entscheidend in dem Indizienprozess war die Frage, ob auch andere Personen Zugriff auf die Pakete hatten, deren Aufmachung allzu deutlich auf den kostbaren Inhalt schließen ließ. Dies konnten die Zeugen „nicht hundertprozentig ausschließen“. Die Postler betonten jedoch, der Paketschwund habe sich nur auf den Zuständigkeitsbereich des Angeklagten und seine Dienstzeiten konzentriert: Während seines Urlaubs und nach seiner Entlassung sei es zu keinen weiteren Unregelmäßigkeiten gekommen.

Laut kriminaltechnischer Auswertung seines Handys führte Piotr P. im Tatzeitraum sieben Chats mit Personen, die von ihm ein Smartphone kaufen wollten. Der Angeklagte erklärte die Häufung mit „abgelaufenen Handys“ aus seinem Familienkreis. Nach seiner Darstellung herrschte im Paketzentrum das pure Chaos. Mehrere DHL-Mitarbeiter hätten ihm Handys angeboten, auch seien ihm „palettenweise Fernsehgeräte“ und Drogen offeriert worden.

Zuletzt hatte das Amtsgericht Neumünster im Juli 2016 über verschwundene Sendungen aus dem Paketzentrum verhandelt: Ein DHL-Kurierfahrer (37) und zwei Hehler hatten das Weihnachtsgeschäft für den Diebstahl und Weiterverkauf von rund 160 Flachbildfernsehern im Wert von 80 000 genutzt, lautete der Vorwurf. Nach einem Deal mit dem Schöffengericht und der Staatsanwaltschaft erkaufte sich das Trio damals milde Bewährungsstrafen als Gegenleistung für ein Geständnis.

Thomas Geyer

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