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Segeberg Sprachförderung: Zwei-Klassen-Gesellschaft
Lokales Segeberg Sprachförderung: Zwei-Klassen-Gesellschaft
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21:18 22.08.2016

„Warum müssen mein Mann und ich fünf Jahre lang auf eine Entscheidung warten?“ Sadaf Haschemi (28) aus Afghanistan nutzte die Gelegenheit und sprach den CDU-Landesvorsitzenden und Ministerpräsidentschafts-Kandidaten Ingbert Liebing direkt auf ihre Situation an: Die Afghanin und ihr Mann waren zwar relativ rasch als Asylbewerber abgelehnt worden, warten jetzt aber bereits seit nahezu fünf Jahren auf ihr Gerichtsverfahren.

Sadaf Haschemi aus Afghanistan wartet seit fünf Jahren auf ihr Verfahren – im Gespräch mit Ingbert Liebing (CDU).

„Und das, obwohl die Familie mit zwei kleinen Kindern mustergültig integriert ist“, erklärte Migrations-Sozialberaterin Gisela Dell beim Besuch des CDU-Landesfürsten. Liebing gab den Diakonie-Beschäftigten und auch Sadaf Haschemi Recht, dass Verfahren nicht derart lange dauern dürften. Deshalb habe seine Fraktion ja auch erreicht, dass mehr Verwaltungsrichter eingestellt würden.

Liebing war nach Bad Segeberg gekommen, weil er sich auf seiner Sommertour – die ihn in manche Berufe und Einrichtungen führt – vor Ort ein Bild machen wollte, wie es um die Integration von Flüchtlingen bestellt ist.

Von der Motivation her gut, antwortete ihm Diplompädagogin Kirstin Schwarz-Klatt, Leiterin der Migrations-Sozialarbeit in Stormarn-Nord/Mitte und Segeberg. Doch sehe sie zum Beispiel bei der Sprachförderung eine Zwei-Klassengesellschaft: Jene Flüchtlinge aus den Herkunftsländern Syrien, Irak oder Irak, seit neuestem auch Somalia, die sofort Förderung bekämen und solche aus Ländern, wo es keine sofortige Anerkennung gebe, und die dann entsprechend warten müssten oder von der Arbeitsagentur gar keine Fördermaßnahmen zugesprochen bekämen wie Afghanen oder Armenier.

Auch Sadaf Haschemi ist unzufrieden mit ihrer Situation: „Ich dolmetsche ehrenamtlich, habe aber ein schlechtes Gewissen, weil mein Deutsch nicht reicht. Ich wurde nicht gefördert, habe mir alles selbst beigebracht.“

Liebing beharrte darauf, dass es schon aus Kapazitätsgründen drei Gruppen gebe müsse: Jene Flüchtlinge, die gesichert hierbleiben könnten, wie etwa Syrer, die sofort gefördert würden, diejenigen, die kaum eine Chance auf Anerkennung hätten und die Gruppen dazwischen, bei denen gründlich geprüft werden müsse, ob sie anerkannt werden. Danach müsse man auch die Berechtigung zum Sprachunterricht staffeln – einen Orientierungskursus aber, wie man sich in Deutschland zu verhalten habe, müsse jedem angeboten werden. Kirstin Schwarz-Klatt ergänzte, dass inzwischen selbst Syrer wieder in ihr Heimatland zurückkehren würden, weil sie sich wegen der langen Verfahrensdauer in Deutschland Sorgen um ihre Verwandten in den Kriegsgebieten machen.

Michael Steenbuck, Geschäftsführer des Diakonischen Werkes, bat Ingbert Liebing, sich in Berlin dafür einzusetzen, dass die Kürzung der Mittel für den Jugendmigrationsdienst von 50 auf im nächsten Jahr nur noch 42 Millionen Euro zurückgenommen werden. Das sei genau das Geld, das man für den Sprachunterricht brauche. Eine Kürzung um acht Millionen Euro würde bundesweit die Streichung von 70 Vollzeitstellen zur Folge haben.

Lothar Hermann Kullack

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