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Stadt leistet sich einen teuren Kindergarten à la carte

Bad Segeberg Stadt leistet sich einen teuren Kindergarten à la carte

Seit Jahren bezuschusst Bad Segeberg mit Steuergeldern ein luxuriöses Betreuungsmodell mit extrem guten Personalschlüssel, das kaum genutzt wird. Deshlab hat die CDU nun einen Antrag   zur Satzungsänderung gestellt.

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Drei Standorte gehören zur städtischen Kita Christiansfelde mit 300 Kindern. Das Angebot ist ineffizient und längst nicht ausgelastet.

Bad Segeberg. 450 Betreuungsstunden bleiben aktuell in der Kita Christiansfelde ungenutzt. Das entspricht 50 fehlenden Ganztagskindern bei 300 Kindern insgesamt.

„Wir können nicht an jedem Standort alle Betreuungszeiten anbieten.“ Petra Kröger, CDU

Jeden Tag bei vollem Personaleinsatz. Und das offenbar seit Jahren. Der Zuschussbedarf für die Kita betrug 2014 fast 1,6 Millionen Euro, geplant gewesen seien 1,3 Millionen, so Kämmerin Christiane Ostwald. Bei der Betriebskostenabrechnung 2014 war die eklatante Lücke erstmals aufgefallen: 90000 ungenutzte Betreuungsstunden. Eine erste Gegenmaßnahme zur Kostensenkung ist nun die Anhebung der Kitagebühren, die je nach Betreuungsart um fünf bis acht Prozent steigen sollen — wir berichteten. Im Sozialausschuss wurde die neue Gebührensatzung, die zum August in Kraft treten soll, einstimmig empfohlen. Das wird sicher nicht die letzte Maßnahme bleiben.

Die flexiblen, zusätzlich buchbaren Betreuungsstunden sind für Stadtvertreterin Petra Kröger (CDU) eine der Hauptursachen des Problems der chronischen Unterdeckung der Kita. So können Eltern etwa sechs Stunden Regelbetreuung buchen plus eine siebte Stunde. Die nächste Regelgruppe im Gebührenmodell hat aber acht Stunden Betreuungszeit. „Wenn da die Hälfte der Kinder nur sieben Stunden nutzt, fehlen die Einnahmen für die achte Stunde. Das darf in Zukunft nicht mehr möglich sein“, sagte sie und stellte einen Antrag auf Satzungsänderung.

Dieser wurde aus Zeitknappheit bis August zurückgestellt, soll aber in der Arbeitsgruppe Haushaltskonsolidierung zusammen mit der Kita weiter besprochen werden. Wollen die Eltern diese Flexibilität behalten, müssten die tatsächlichen Kosten gezahlt werden, betont Kröger. Sie ist vom Fach und beim Kirchenkreis zuständig für die Kalkulation der Kitagebühren.

Insgesamt 80 Kinder nutzen derzeit Zusatzstunden, sagt Stephan Hartung, Leiter des noch neuen Amt IV für Kitaangelegenheiten. Davon 50 aus der Vormittagsbetreuung, die nachmittags offenbar sehr individuelle Betreuungszeiten buchen können — welche an anderer Stelle aber auch viel Leerlauf verursachen. Insbesondere in den Randzeiten „Die Struktur ist sehr familienfreundlich“, so Hartung.

Flexible Betreuung zwischen 6 und 18 Uhr, ganzjährige Öffnungszeiten. „Dieser Service kostet Geld. Es ist eine grundpolitische Frage, ob man sich das leisten will.“ Das Problem sei, so Kröger, dass die Kita Christiansfelde aus drei Betriebsstätten bestehe und in allen alle Öffnungszeiten angeboten würden. „Ich glaube wir können alle Betreuungszeiten abdecken, aber nicht an jedem Standort.“

Bei dieser Größenordnung der Unterdeckung müsste es bei Optimierungen des Kitaangebots personelle Konsequenzen geben. „Das wird man prüfen“, sagt Hartung.

Stutzig macht auch, dass diese eklatante Fehlplanung erst jetzt aufgefallen ist. In der Stadtverwaltung sei man von 100000 bezahlten Betreuungsstunden mehr ausgegangen, so Kämmerin Ostwald.

Und einer „Kostendeckung von 33 Prozent“. Dabei seien es nur 20 gewesen, wie ihre Betriebskostenabrechnung für 2014 zeigte. Offenbar ist es die erste Abrechnung, die es aus den vergangenen Jahren für die Kita Christiansfelde überhaupt gibt. „Ich habe zumindest noch keine andere gesehen“, sagt Ostwald. „Wir hatten immer nur Planzahlen.“ Erst 2012 wurde die Kita in den städtischen Haushalt übernommen. Davor sei sie mit dem Pflegeheim Eichenhof in einem Eigenbetrieb angesiedelt gewesen. Von diesem gebe es nicht mal einen Jahresabschluss von 2011, sagt Ostwald. Dass dort jemals eine Betriebskostenabrechnung gemacht wurde — „Ich wüsste es nicht.“

Von Nadine Materne

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