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Stadtvertretung stimmt für Rodung der Bäume am Waldweg

Bad Segeberg Stadtvertretung stimmt für Rodung der Bäume am Waldweg

SPD und CDU konnten sich gegen den Widerstand von BBS, Grünen und Unabhängigen durchsetzen — Grundsatzdiskussion über Erhalt von Naherholungsflächen.

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Geschlossen stimmten SPD und CDU für die Waldumwandlung auf dem städtischen Grundstück am Waldweg.

Quelle: Fotos: Glombik

Bad Segeberg. 16 Ja- zu zehn Nein-Stimmen, bei einer Enthaltung, für die Waldumwandlung. Die „Große Koalition“ aus SPD und CDU hielt am Dienstag im Bürgersaal. Wenn es nach der Mehrheit der Bad Segeberger Stadtvertreter geht, sollen die etwa 20 alten Buchen auf dem städtischen Grund am Waldweg gefällt werden. Doch bevor die Kettensägen loslegen dürfen, bleibt noch das von der Kreisnaturschutzbehörde eingeforderte Gutachten hinsichtlich der Fledermaus-Flugroute abzuwarten.

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SPD und CDU konnten sich gegen den Widerstand von BBS, Grünen und Unabhängigen durchsetzen — Grundsatzdiskussion über Erhalt von Naherholungsflächen.

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Nur wenn die teilweise über 100 Jahre alten Bäume fallen, kann der Nachbar, der Ex-Landesvorsitzende der Grünen und jetzige Sprecher des Kreisvorstandes Peter Stoltenberg, wegen der Waldabstandsvorschriften einen größeren Neubau errichten. Paradox, dass es bei der Debatte, die an Diskussionen von vor 35 Jahren erinnerte, im Grunde um das Bauanliegen ausgerechnet eines prominenten Grünen ging. „Geld kann man nicht essen“, „die Natur ist für den Menschen“ — fast fühlte man sich an die Gründungszeit der grünen Bewegung erinnert. Wolfgang Tödt (BBS) stellte eingangs klar, dass das Wort „Waldumwandlung“ nichts anderes bedeute, als dass dort die Bäume gerodet werden müssen.

Auch Joachim Wilken-Kebeck (SPD) stellte fest, dass es in der Stadt bei den Bürgern wegen des Waldumwandlung „viel Aufruhr“ gebe. Aber: Ein Häuschen, das etwas größer gebaut werden solle — „dafür habe ich Verständnis“. Die Fläche sei vor 30 Jahren „vergessen worden“ zu bebauen. „Deshalb glauben wir als SPD-Fraktion, dass das Grundstück zugunsten des Nachbarn entwaldet werden darf.“ Die städtische Fläche könnte verkauft und bebaut werden. Der eigentliche Ihlwald liege „in seiner ganzen Pracht“ hinter dem Grundstück. Fledermäuse würden durch eine Entwaldung der kleinen Fläche sicher nicht beeinträchtigt.

Torsten Bohlmann (BBS) warnte hingegen davor, ein Stück Naherholungsgebiet zu zerstören. Wenn wir 20 000 Einwohner haben, brauchen wir für diese auch Naherholungsgebiete, „deshalb sind wir mit jeder Art von Verkleinerung“ des Waldes nicht einverstanden. Er befürchte „einen Dominoeffekt“, dass stückchenweise Wald geopfert werde. Der Nachbar könne auf der Grundfläche seines bestehenden Hauses bauen, „damit haben wir kein Problem, nur dürfen dafür keine Bäume gerodet werden“. Wenn die Stadt ihre Fläche verkaufe, diene das womöglich nur der Bodenspekulation.

Erst nachdem die Lübecker Nachrichten über das Thema berichtet hatte, das eigentlich nur hinter verschlossenen Türen behandelt werden sollte, bekam die Öffentlichkeit Wind davon. Für Bohlmann ist gerade wichtig, dass solche Themen wie Naherholungsgebiete öffentlich beraten werden, das gehe alle etwas an. Für Thomas Krüger (Unabhängige) geht es nicht nur um 20 Bäume, sondern um Grundsätzliches. Der Druck auf die Politiker, mehr Bauflächen auszuweisen, werde immer größer. „Aber was interessiert mich die Villa eines einzelnen Menschen, der dazu noch ein Grüner ist?“ Er fühle sich der Natur und den Bürgern verpflichtet. Annelie Eick (Grüne), die wie ihre Fraktionskollegen gegen die Waldumwandlung stimmte, verwies auf die drei europäisch geschützten FFH-Gebiete. Sie sei dagegen, dort stückchenweise Wald zu entfernen, damit gehe auch „ein Stückchen Leben“ verloren.

Jörg Röhling (SPD) verstand den Nachbarn: „Ich selbst wäre richtig angepisst, wenn ich dort wegen des Waldes nicht bauen dürfte.“ Für Norbert Reher (CDU) ist das Ganze ohne Not zu einer Grundsatzdiskussion geworden. Auch die Bäume auf dem städtischen Grundstück könne man als nachwachsenden Rohstoff verstehen. Reher: „Hier wird etwas hochstilisiert.“

Stadt sagt neutrales Gutachten zu

Einwohner Joachim Funk fragte den Bürgermeister während der Einwohnerfragestunde: „Können Sie mir zusichern, dass das Fledermausgutachten für die geplante Waldumwandlung am Waldweg nicht von einem Mitarbeiter der Stadt erstellt wird?“ „Wir haben gar keinen Gutachter in der Verwaltung“, sagte Dieter Schönfeld.

Und Bürgervorsteherin Ingrid Altner versicherte, dass man einen Externen beauftragen werde. Die Befürchtung des Fragers ist nicht ganz unbegründet. Schließlich gibt es im stadteigenen Noctalis mit dem Diplom-Biologen Florian Gloza-Rausch einen anerkannten Fledermausexperten. Er war auch in der Bauausschusssitzung dabei, als die Naturschutzbehörde der Stadt nahelegte, an diesem sensiblen Bereich der Fledermausroute zwischen Travetal und Kalkberghöhlen ein Gutachten einzuholen. Schönfeld hatte deutlich gemacht, dass er sich ein bebaubares Grundstück am Waldweg wünsche.

Von Wolfgang Glombik

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