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Segeberg Städtepartnerschaften droht das Aus
Lokales Segeberg Städtepartnerschaften droht das Aus
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21:12 14.06.2016
Riihimäki (Finnland): Hier funktioniert der freundschaftliche Austausch: Die längste Partnerschaft verbindet Bad Segeberg seit 1954. Quelle: riihimaki.fi

Seit 1954 Riihimäki/Finnland, 1984 Kiryat Motzkin/Israel, 1990 Teterow/Mecklenburg- Vorpommern, 1991 Vöru/Estland und seit 1995 Zlocieniec/Polen: Bad Segeberg schmückt sich stolz mit den Ortstafeln seiner Partnerstädte vor dem Rathaus. Doch wie lange noch?

„Wir können doch nicht die Schilder abschrauben“, warnt Bad Segeberg Bürgervorsteherin und „Außenministerin“ Ingrid Altner (CDU). Sie ist besorgt, ja empört, über den drohenden Ausstieg der Kreisstadt bei den Städtepartnerschaften.

Denn nichts anderes würde es bedeuten, wenn jetzt – wie jüngst im Ausschuss für Soziales, Schule und Kultur mit Mehrheit (sechs Ja-, drei Nein-Stimmen) empfohlen – die Arbeit für die Partnerschaften nicht mehr in einem städtischen Beirat, sondern jeweils in Vereinen organisiert wird. Nicht mehr die Mandatsträger würden dann die Arbeit tragen, sondern die Bürger, die sich im Verein engagieren können.

Nach zwei Jahren wäre dann klar, ob sich die „Normalbürger“ einbringen. Wenn nicht, „wäre dann allerdings auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Fortdauer dieser Städtepartnerschaften zu stellen“, heißt es in der von Segebergs Bürgermeister Dieter Schönfeld (SPD) unterschriebenen Vorlage. Klare Kante also.

Bad Segebergs Stadtverwaltung möchte, dass künftig Vereine die Kontakte organisieren.

„Es wäre ein diplomatischer Affront.“ Ingrid Altner (CDU)

Thomas Vorbeck (CDU) kann sich nicht vorstellen, dass man für jede der Städtepartnerschaften, die teilweise ganz eingeschlafen sind, jetzt noch genügend Leute findet, die hierfür einen Verein gründen. Vorbeck: „Das wird niemals etwas!“ In einer Indianer-Stadt wie Bad Segeberg kann man da vielleicht eine Weisheit der Dakota-Indianer beisteuern: „Wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest, steig ab!“

Unklar ist auch noch, ob die städtischen Fördermittel für die Städtepartnerschaften weiterhin fließen werden. Ingrid Altner stellte im Ausschuss klar, dass die Stadt sich hier „auf keinen Fall ausschließen darf“. Zumindest für die aktuell lebendige Partnerschaft mit Riihimäki (siehe untenstehender Artikel) gibt es Pläne, einen Verein zu gründen. Doch selbst hier findet sich kein Vorstand.

Für Jens Lichte (SPD) ist klar, dass das Interesse „in der breiten Bevölkerung nicht da ist“. Getragen werde das alles nur von wenigen Bürgern, meist Mandatsträgern, die noch persönliche Kontakte im Ausland haben. Jetzt könne man grundsätzlich überlegen, „wo wir mit den Städtepartnerschaften hin wollen“. Zur jüngsten Busfahrt nach Teterow seien nur alte Menschen mitgekommen. Lichte:

„Die Partnerschaft lebt nicht.“ Gisela Knütter aus dem Beirat behauptete, dass die Verwaltung seit Jahren bestrebt sei, die Städtepartnerschaften zu beenden. Der Beschluss, hierfür Vereine zu gründen, sei gleichbedeutend mit dem Ende. „Es gibt immer Durststrecken, nur wenn die Stadt dran bleibt, können Partnerschaften wieder lebendig werden.“

Auch wenn jetzt die Verbindung zu Kiryat Motzkin in Israel nicht mit Leben erfüllt sei, wäre es „ein diplomatischer Affront“, diese Partnerschaft zu beenden, warnt Altner. Sie würde hingegen alles auf „stand by“ lassen. „Wir sind damit offen und bleiben offen.“

 Wolfgang Glombik

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