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Statt Soja: Landwirte setzen auf heimische Ackerbohnen

Pronstorf Statt Soja: Landwirte setzen auf heimische Ackerbohnen

Vier Landwirte aus den Kreisen Segeberg und Ostholstein haben sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Um ihre Schweine wie bisher mit ausreichend Proteinen zu versorgen, wollen sie auf Import-Soja verzichten. Stattdessen setzen sie auf Ackerbohnen, die sie vor ihren Haustüren in Pronstorf und Cashagen angebaut haben.

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Gustav Lange-Schwartz, Thilo Klamroth, Jens Hammerich und Bernd Boekhoff (von links) bei einer Stippvisite auf den Bohnenfeldern.

Pronstorf. 10 000 Schweine werden im Laufe des Jahres in den Ställen der Pronstorfer Landwirte Bernd Boekhoff und Jens Hammerich und ihres Partners Gustav Lange-Schwartz aus dem ostholsteinischen Cashagen gemästet. Um solche Massen satt zu bekommen, müssen die drei Landwirte, die durch Thilo Klamroth aus Neukoppel unterstützt werden, große Mengen an Futter herbeischaffen. „Soja, Mineralstoffe und Molke müssen wir dazukaufen, alles andere wie Getreide und Bohnen bauen wir selbst an“, erzählt Boekhoff.

LN-Bild

Quartett baut die Pflanze als Futtermittel an, um auf Importe zu verzichten.

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Dass Soja von weither importiert werden muss, ist ihm und seinen Kollegen schon lange ein Dorn im Auge. „Aber wir können ja nicht immer nur stöhnen und blockieren, sondern wir müssen eine Botschaft ’rüberbringen, denn wir tun alles, um gesunde Böden und Tiere zu haben“, sagt Jens Hammerich, der damit auch das geänderte Verbraucherverhalten im Blick hat. Der Verbraucher wolle nicht nur wissen, woher das Fleisch komme, sondern auch die Herkunft des Futters würde eine Rolle spielen.

Auch wenn es für sie einfacher und billiger wäre, Soja zu importieren, setzen sie als Futtermittel auf Ackerbohnen. „Ein Ziel haben wir uns auch gesetzt: Mit rund 1000 Tonnen Bohnen wollen wir 800 Tonnen Soja ersetzen. In Sattelzügen gerechnet sind das ungefähr 40 Ladungen hier angebauter Bohnen statt 30 Ladungen Soja, die erst noch hergebracht werden müssten“, erläutert der Landwirt, der mit seinem Kollegen erstmals vor acht Jahren einen Versuch in diese Richtung unternahm.

„Wir haben es so gemacht, wie wir es von unseren Eltern gelernt haben. Der Erfolg aber war mäßig“, bedauert Gustav Lange-Schwartz. Vor drei Jahren unternahmen die Landwirte einen neuen Versuch. Im ersten Jahr bauten sie 40 Hektar Bohnen an, im zweiten 70 Hektar, in diesem Jahr sind es 145 Hektar. Auch wenn ihnen in diesem Jahr der Regen Sorgen bereitet, der die Reife der Bohnen verzögert, konnte der Ertrag in den ersten beiden Jahren bereits von drei bis vier Tonnen pro Hektar auf fünf bis sechs erhöht werden.

Über die Ackerbohnen freuen sich nicht nur die Schweine. „Die Imker sind ebenfalls begeistert, denn nach dem Raps blühen die Bohnen“, erzählt Thilo Klamroth, der mit seinen Partnern auf mehr Vielfalt setzt, von der letztendlich alle etwas haben. Neben Bienen, Hummeln und anderen Insekten profitieren auch die Böden von den Ackerbohnen. Sie lockern die Erde auf und erweitern damit die Fruchtfolge positiv.

Kooperation über die Kreisgrenze

Dass der Ackerbau hierzulande an seine Grenzen kommt, ist unbestritten. Auf der Suche nach Kostenersparnissen und neuen Wegen im Anbau von Getreide und Futtermitteln haben sich die vier Landwirte zusammengeschlossen. Sie teilen nicht nur ihren Sachverstand und den kostspieligen Maschinenpark, sondern auch den Ertrag ihrer Arbeit.

1000 Hektar messen die Ackerflächen der Pronstorfer Landwirte Thilo Klamroth aus dem Ortsteil Neukoppel, Jens Hammerich (Eilsdorf) und Bernd Boekhoff (Butterstieg). Vierter im Bunde ist Gustav Lange-Schwartz, der seinen Hof zwar in Sichtweite, aber doch hinter der Kreisgrenze im ostholsteinischen Cashagen hat. Die beiden Schweinemäster Jens Hammerich und Gustav Lange-Schwartz arbeiten bereits seit 1994 zusammen. Bernd Boekhoff, der ebenfalls Schweine mästet, gesellte sich im Jahr 2000 dazu, Thilo Klamroth, der sich ausschließlich auf Ackerbau spezialisiert hat, machte im Jahr 2006 aus dem Trio ein Quartett, das durch die Zusammenarbeit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen kann.

Statt dass jeder von ihnen sein eigenes Süppchen kocht, nutzen die Landwirte Synergieeffekte. Teure Geräte werden gemeinsam angeschafft, sie bringen gleich den vierfachen Sachverstand ein, sie probieren aus, sind offen für alles Neue und suchen gemeinsam nach Lösungen, wenn es irgendwo hakt. Niemand von ihnen schaut neidisch auf den Kollegen, wenn dessen Ernteertrag höher als der eigene ausgefallen ist. Stattdessen wandern die Einnahmen aus dem gemeinsamen Ackerbau in einen Topf, der hinterher durch vier geteilt wird. „Es gibt nicht mein oder dein Acker, sondern nur noch unser Acker“, sagt Jens Hammerich. Ähnlich halten sie es bei den Schweinen. Es gibt Ställe, die jeder für sich betreibt, anderen Ställe werden gemeinsam versorgt. Entsprechend dem Arbeitsanteil werden auch hierbei die Erträge verteilt.

Immer dienstags treffen sie sich reihum zur Besprechung. Dabei diskutieren sie über Trends in der Landwirtschaft, weltpolitische Zusammenhänge und das geänderte Verbraucherverhalten. Auch kaufmännische und steuerliche Feinheiten werden in dieser Runde besprochen. Außerdem suchen sie immer nach Dingen, die sie verbessern können, um als Landwirt bestehen und dem Verbraucherwillen gerecht werden zu können. Gesunde Böden und hochwertige Nahrungsmittel stehen dabei im Vordergrund.

Vielseitige Bohne

Ackerbohnen haben viel Namen. Als Saubohnen sind sie en gutes Futter für Nutztiere. Als Dicke Bohnen gehören sie aber auch zur Hausmannskost. Ackerbohnen gehören zu den Hülsenfrüchten oder Leguminosen. Ihre Wurzeln können mit Knöllchenbakterien (siehe Foto oben) eine Zusammenarbeit eingehen, bei der die Bakterien den Luftstickstoff binden und als Aminosäuren an die Pflanzenwurzeln abgeben, die den Boden auflockern. pd

 pd Petra Dreu

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