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Statt der Lehre nun Wehrdienst in einer fremden Armee?

Wahlstedt Statt der Lehre nun Wehrdienst in einer fremden Armee?

Die Ausländerbehörde in Bad Segeberg versagt Slavik Faroyan (17) aus Wahlstedt einen Reisepass für Ausländer – Er soll sich an die armenische Botschaft wenden.

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„Warum soll ich meinen Sohn nach Armenien schicken – jetzt, wo er eine Lehrstelle hat?“, fragt Mutter Heriknas, hier mit Sohn Slavik.

Quelle: ark

Wahlstedt. In seinem vierten Lebensmonat kam Slavik Faroyan (17) mit seinen Eltern nach Deutschland. Er machte gerade seine Mittlere Reife, hat eine Lehrstelle in Aussicht. Doch wenn es schiefläuft, wird nichts aus dem Lehrberuf: Slavik könnte gezwungen sein, seinen zweijährigen Militärdienst in Armenien ableisten zu müssen. Der Grund: Die Ausländerbehörde der Kreisverwaltung verweigert ihm einen „Reiseausweis für Ausländer“. Der Jeside, der laut eigenem Bekunden kein Wort Armenisch spricht, sagt: „Wenn ich in der armenischen Botschaft nach einem Pass frage, ziehen sie mich zum Militärdienst ein.“

„Zu meinem Geburtsland habe ich keinerlei Bezüge, da Deutschland mein Heimatland ist.“ Slavik Faroyan (17)

Bereits vor fünf Jahren, damals lebten sie in Leezen, hatten die Faroyans Ärger mit der Ausländerbehörde: Die sechsköpfige Familie, die 1999 nach Deutschland kam, sollte 2011 abgeschoben werden. Doch ganz Leezen setzte sich dafür ein, dass die Faroyans bleiben durften: Vereine und Privatleute, Schule und Kirchengemeinde – alle setzten sich dafür ein, dass Mutter Heriknas, Vater Temur sowie Slawik und seine bereits in Deutschland geborenen Geschwister Schamo, Chanem und Anna bleiben konnten. Die beiden Jungen spielten im Leezener SC Fußball, und auch die Schwestern und Eltern waren fest in Leezen integriert. Am Ende des Protestes wurde die Abschiebung zurück genommen, einen Status als Asylbewerber aber hat die jetzt in Wahlstedt lebende Familie nicht. Die Faroyans seien armenische Staatsangehörige mit einem Aufenthaltsrecht in der Bundesrepublik: „Das Aufenthaltsrecht leitet sich nicht aus einer positiven Asylentscheidung ab. Die Mitglieder dieser Familie müssen, wie alle anderen ausländischen Staatsangehörige, im Besitz gültiger Papiere sein“, erklärte auf LN-Anfrage Gernot Schramm, Pressesprecher des Kreises. Einen Pass brauchen die Faroyans, in diesem Fall der 17jährige Slavik, also – von der Segeberger Kreisverwaltung aber gibt es keinen.

Dabei ist der Behörde durchaus bewusst, dass die Nachfrage nach einem armenischen Pass für Slawik – der zu Hause entweder deutsch oder kurdisch, nie aber armenisch spricht – mit einer unfreiwilligen Dienstzeit in der Armee eines Landes enden könnte, das immer wieder in kriegerische Konflikte verwickelt ist, wie gerade im Frühjahr mit Aserbaidschan um die Enklave Berg-Karabach, als über 300 Menschen starben, darunter 50 armenische Soldaten. Im Schreiben der Segeberger Ausländerbehörde an die Eltern von Slavik Faroyan heißt es dagegen: „Als zumutbar gilt es insbesondere, seine Wehrpflicht zu erfüllen, sofern dieses nicht unzumutbar ist. Ich sehe den Tatbestand der Unzumutbarkeit als nicht erfüllt an“, schreibt der Sachbearbeiter. Auch dass Slavik nach der Schulzeit eine Lehrstelle bei Fuhlendorf & Nagel in Leezen in Aussicht hat, sei kein Argument: „Die Ausbildung wurde noch nicht begonnen. Es ist somit zumutbar, den Wehrdienst nach Abschluss der Schule und vor Beginn einer Ausbildung abzuleisten“, schreibt die Ausländerbehörde.

Dass die Faroyans zur ethno-religiösen Gruppe der Jesiden gehören, außer deutsch kurdisch sprechen und mit Armenien nichts am Hut haben, scheint die Verwaltung nicht zu beeindrucken. „Herr Faroyan kann nicht anders behandelt werden als andere ausländische Staatsangehörige in einer ähnlichen Situation. Auch steht es einer kommunalen Ausländerbehörde nicht zu, die Situation in Armenien zu beurteilen“, sagt Kreis-Sprecher Schramm. Noch sei das Verfahren in der Anhörung – nach einem endgültigen Ablehnungsbescheid stünde Slavik Faroyan der Rechtsweg offen.

Lothar Hermann Kullack

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