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Segeberg Steckte das Erbe in der Matratze?
Lokales Segeberg Steckte das Erbe in der Matratze?
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22:49 23.06.2017
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Bad Segeberg

Ein verschwundenes Erbe, eine alte Matratze und der abendliche Anruf eines Mannes. Das sind die Zutaten für eine mysteriöse Geschichte, die sich in einem Ort bei Bad Segeberg zugetragen haben soll – und auch schon die Polizei beschäftigt hat. Die 63-jährige Susanne P. (Name von der Redaktion geändert) fühlt sich dabei um jede Menge Geld gebracht und ist jetzt auf Spurensuche. Aber der Reihe nach.

Die Geschichte beginnt mit dem Tod der Mutter von Susanne P.. Letztere regelt nach eigenen Angaben den Papierkram, löst den Haushalt der Mutter auf und verkauft einige Dinge – unter anderem auch eine wenig benutzte Matratze für ein französisches Bett. „Die hat immer im Weg gestanden, wurde von einer Ecke in die andere geschleppt“, erinnert sich P.. Ein älteres Ehepaar kaufte das Polster für 70 Euro. So weit, so gut.

Laut P. habe ihre Mutter in ihrem Leben einiges an Geld gespart und dies in einem Schließfach einer Hamburger Bank aufbewahrt. Wie viel genau habe die alte Dame aber nie erzählt. „Sie hat gesagt, das Geld sei später mal für unser Haus, für ein neues Dach und es würde sogar noch einiges für den behinderten Enkel übrig bleiben“, sagt Susanne P.. Ein neues Dach würde etwa 20000 Euro kosten, das Ersparte könnte sich aber auf gut 60000 Euro belaufen haben. Doch dann der Schock: Nach dem Tod der Mutter stellt sich heraus, dass das Schließfach leer ist. Die Hinterbliebenen durchsuchen die Wohnung nochmals – finden aber nichts. „Die einzige logische Schlussfolgerung war, dass meine Mutter das Geld in ihrer Matratze aufgehoben haben muss“, sagt Susanne P..

Telefonnummer oder Adresse von den Käufern hat sie allerdings nicht. P.: „Die Frau hat mich gefragt, ob meine Mutter im Bett gestorben sei. Doch das war sie nicht.“ An das Auto, einen älteren VW-Bus, blau mit weißen Kotflügeln, kann sie sich noch erinnern, ebenso an den kaputten Auspuff. „Ich merke mir häufig Autokennzeichen, doch dieses Mal nicht, ich kann mich nur an ,OH’ erinnern“, sagt sie.

Die Segebergerin versucht, den Vorfall zu vergessen, mit dem Verlust des Geldes umzugehen. Doch es gelingt ihr nicht. „Wenn, hätte, wäre. . .wir sind dringend auf das Geld angewiesen, unser Dach ist undicht“, sagt P.. Es gehe ihr schlecht, sie zwinge sich zum Essen und Weitermachen. Susanne P. will dann aber doch nicht aufgeben, inseriert im März in einem Wochenblatt und sucht mit einer Kleinanzeige das Ehepaar, das bei ihr eine fast neuwertige Matratze gekauft hat. Und tatsächlich: Abends klingelt ihr Handy, eine Männerstimme ist an der anderen Seite. P. fragt, ob sie diejenigen seien, die die Matratze vor einiger Zeit gekauft hätten, was er bejaht. Daraufhin stellt P. die Frage, ob Geld in der Matratze gewesen sei. Die spontane Antwort reißt ihr die Füße unterm Boden weg:

„Geld? Es ist so viel, dass wir uns ein wunderschönes Leben über viele, viele Jahre machen können. Einen wunderschönen Abend wünsche ich“, soll der Mann gesagt haben. Das höhnische Lachen klinge ihr noch in den Ohren, sagt P. Sie inseriert weiter, hofft auf eine weitere Reaktion, doch nichts passiert. Sie wendet sich an die Polizei, dort erfährt sie, dass es sich bei der Tat um Unterschlagung handeln würde. Jedoch kann die Polizei nur weiterhelfen, wenn Name oder Telefonnummer bekannt seien. Doch beides hat P. nicht.

„Mein Mann sagt, ich soll die Geschichte abschließen. Doch ich kann das noch nicht. Wie kann man das Geld fremder Leute ausgeben, das macht man nicht. Bei jedem Schein müssten sie doch ein schlechtes Gewissen haben. Es ist das Geld für das Dach, das wurde uns genommen. Und die Alterssicherung für unseren Sohn“, sagt Susanne P. und schüttelt verzweifelt den Kopf. Einen kleinen Funken Hoffnung hat sie noch, deshalb wendet sie sich an die LN. Vielleicht kann ihr ein Leser weiterhelfen und kennt das Paar, das die Matratze gekauft hat. Wer Informationen hat, kann sich an die LN unter 045 51/96 5511 richten.

Ist das eine neue Masche, sich auf Haushaltsauflösungen zu spezialisieren und dann nach Geldverstecken zu schauen? „Das ist mir nicht bekannt“, sagt Christian Hesse von der Polizei in Bad Segeberg.

Er rät allerdings dazu, auch bei kleinen Verkäufen unbedingt die Kontaktdaten auszutauschen.

 Silvie Domann

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