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Segeberg Stehender Beifall für „Nabucco“
Lokales Segeberg Stehender Beifall für „Nabucco“
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20:57 10.08.2016
Die schlesische Staatsoper Bytom spielte Giuseppe Verdis „Nabucco“ und lockte damit knapp 1000 Besucher auf die Rennkoppel. Quelle: Fotos: Domann
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Bad Segeberg

Die Menschenschlange ist riesig, die sich von der Eutiner Straße bis zum Eingang der Rennkoppel zieht. Opernliebhaber und solche, die es werden wollen, warten geduldig und lassen die Taschenkontrolle über sich ergehen. Decken, Kissen und viel Regenzubehör haben die meisten Gäste dabei. Eine ältere, elegante Dame fällt auf, sie hat sich für korrektes Opern-Outfit entschieden: kurzer Rock, hochhackige Schuhe und Pelzmantel. Bei den herbstlichen Temperaturen und dem Nieselregen, der hin und wieder einsetzt, eine mutige Entscheidung.

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Bei herbstlichen Temperaturen und Nieselregen verfolgten rund 1000 Besucher das Opern-Open-Air auf der Rennkoppel.

Eine Oper gehörte bisher noch nicht zum kulturellen Angebot von Bad Segeberg. Mit der Aufführung von „Nabucco“ auf dem Landesturnierplatz, dem bekanntesten Werk des italienischen Komponisten Giuseppe Verdi, hat sich das am Dienstagabend geändert. Ermöglicht haben das der Kieler Produzent Michael Kmoch und die schlesische Staatsoper Bytom.

„Mit meiner Open-Air-Tournee will ich möglichst viele erreichen“, erklärt Produzent Kmoch. Vor allem die Menschen, die noch nie in einer Oper waren, weil sie keinen Bezug zur Klassik hätten. Oder auch solche, die den Musikstil eigentlich nicht leiden können, weil es dabei vermeintlich sehr steif zugehe. Doch auch die Liebhaber der Oper sollen sich angesprochen fühlen. Eine Open-Air-Aufführung sei schließlich etwas Besonderes. Das Konzept ist in Bad Segeberg aufgegangen. Knapp 1000 Besucher zog es auf die Rennkoppel.

Relativ aufwendig ist die Bühne gestaltet, durch das große Steintor treten König und Hohepriester, geflügelte Löwen säumen den Weg. Farbenprächtig und auffallend sind die Kostüme, damit sie auch noch in der letzten Reihe wahrgenommen werden. So erkennen nur die Zuschauer der ersten Reihe, dass die Leibwache Nabuccos – als gestalterisches Element des Kostüms – geriffelte Plastikschläuche um die Schultern trägt.

Verdis emotionale Musik und deren Darstellung durch Sänger, Chor und Orchester unter der Leitung von Tadeusz Serafin nimmt die Zuhörer selbst gefangen, sie erleben die Geschichte der Hebräer, die in Babylon gefangen sind. Als Zugabe singt der Gefangenenchor zweimal „Va, pensiero, sull’ali dorate – Flieg, Gedanke, auf goldenen Schwingen“. Und nun fallen die Operngänger auf, sie singen das Lied der gefangenen Hebräer mit, rufen begeistert „Bravo“ und zollen den Sängern aus Bytom stehend Beifall.

 Silvie Domann

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