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Segeberg Stillstand für Bau am Berg: Bohrung stört Fledermaus-Schlaf
Lokales Segeberg Stillstand für Bau am Berg: Bohrung stört Fledermaus-Schlaf
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22:53 13.01.2016
Das Grundstück direkt an der Felskante zum Kalkbergstadion war früher stark bewachsen. Die Bäume sind längst weg, jetzt soll auf dem Grundstück vor dem Hang ein Haus für fünf Wohnungen entstehen. Quelle: Fotos: Glombik

Bauherren aufgepasst! Wer am Bad Segeberger Kalkberg für sein Projekt schon eine Baugenehmigung mit Brief und Siegel in Händen hält, sollte sich nicht zu früh freuen. An der Oberbergstraße hatte der Bagger Mitte Dezember schon angefangen, für ein Mehrfamilienhaus zu graben, da gab es — wie berichtet — einen Baustopp. Der Stadt war plötzlich aufgefallen, dass das Bauvorhaben mit fünf Wohnungen Ausläufer der stadteigenen Kalkberghöhlen gefährden könnte. Jetzt herrscht immer noch Stillstand — möglicherweise bis zum Sommer.

Der nun beauftragte Geologe Reinhard Völker rät zu einer Tiefenbohrung, berichtet Architekt Achim Kölbel auf LN-Nachfrage. Der Grundstückseigentümer sei bereit, für die Bohrung eine vierstellige Summe hinzublättern. Doch die Bohrung dürfe nicht jetzt erfolgen. Der Winterschlaf der Fledermäuse könnte gestört werden. Bis dahin ruhe der Baubetrieb, so Architekt Kölbel. Die Stadt habe „Nachbarschaft-Einspruch“ eingelegt. Kölbel: „Manchmal wundert man sich. Hätte man das alles im Vorwege der Baugenehmigung abgeklärt, wäre das kein Problem gewesen.“ Jetzt seien Termine mit Firmen festgelegt. Es sei natürlich auch in seinem Interesse, dass den Kalkberghöhlen nichts passiere. „Wir werden das sicherstellen.“

Der Bauherr musste erklären, mit dem Bau nicht fortzufahren, sonst hätte vermutlich der Kreis verfügt, den Bau einzustellen. Kölbel selbst hat schon früh den Höhlenplan studiert, um festzustellen, dass die Höhlen etwa 30 Meter vom Baugrundstück entfernt liegen. Zu unsicher, heißt es von der Stadt. Jetzt soll per 15-Meter-Bohrung geprüft werden, ob das geplante Haus nicht etwa doch auf der Kalkberg-Scholle stehen würde. Es gebe, so Kölbel, eine 95-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass dem nicht so sei, dass es folglich unbedenklich sei, dort zu bauen.

Fünf Prozent Restrisiko. Kölbel: „Niemand weiß, wie weit der Fels dort reicht.“ Die bisherigen, normalen Bohrungen reichten sechs Meter tief. Nichts Auffälliges, sagte der Bodengutachter. Doch jetzt einmalig 15 Meter tief zu bohren, gehe auch nicht ohne Weiteres. Das müsse bei der Kreis-Naturschutzbehörde beantragt werden. Und da gibt es ja noch die schlafenden Fledermäuse, die mit fünfprozentiger Wahrscheinlichkeit gestört werden könnten. Um nicht bis zum Frühsommer auf deren Erwachen warten zu müssen, zieht Kölbel nun auch die Möglichkeit in Betracht, dass ein Höhlenforscher unten im Untergrund rechtzeitig warnen könnte, wenn der Bohrer dem Fels zu nahe kommen sollte.

Hätte man das nicht alles schon vor Erteilung einer Baugenehmigung klären können? Der Leiter der Kreisbauaufsicht, Volker Rimka, weist hier jede Kritik zurück. Der Bauherr hätte sich vorher an einen Geologen wenden können, der sich mit Höhlen auskennt. Der Standsicherheitsnachweis gehöre nach der Liberalisierung des Baurechtes nicht mehr ins Baugenehmigungsverfahren, sondern liege in der Verantwortung des Bauherren. Sprich: Wenn das Haus in die Höhlen stürzt, ist das nicht das Problem des Kreises. Angesichts der vielfältigen Probleme im Umfeld des Kalkbergs „könnte es im Interesse der Stadt“ sinnvoll sein, den veralteten Bebauungsplan zu aktualisieren.

Hat die Stadt geschlafen, als ihr der Plan vorlag? „Das Thema hatte bei uns vorher keiner auf dem Schirm“, beteuert Bürgermeister Dieter Schönfeld. Erst Dr. Anne Ipsen vom Fledermauszentrum Noctalis hatte darauf aufmerksam gemacht, dass das gefährlich werden könnte für die Höhlen. Und ihr sei das Bauvorhaben erst bekannt geworden, als den Nachbarn eine vorübergehende Straßensperrung für Baufahrzeuge angekündigt worden war. So sei das eben, so Schönfeld. „Bauen in Bad Segeberg ist nicht einfach.“

Wolfgang Glombik

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