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Segeberg Strahlendes Schlaglicht auf den Statthalter
Lokales Segeberg Strahlendes Schlaglicht auf den Statthalter
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18:22 20.02.2016
Die Rantzaustraße beginnt „An der Trave“ und ist 685 Meter lang.
Fast, aber nur fast, wäre sein 500. Geburtstag mit den Thesen des Dr. Martinus Luther zusammengefallen: Die Reformation feiert nächstes Jahr ihr 500.

„Eher weicht die Sonne von ihrer Bahn als Rantzau vom Pfade des Rechts.“

angeblich Kaiser Karl V.

Jubiläum, der berühmteste Amtmann von Segeberg, Heinrich Rantzau, bringt es 2016 „nur“ auf 490 Jahre. Doch Museumsleiter Nils Hinrichsen und der Journalist und Musiker Detlef Dreessen haben für den 11./12. März schon einmal eine etwas aufwendigere Geburtstagsfeier organisiert — vielleicht, um in zehn Jahren den 500. von Statthalter Heinrich Rantzau ganz groß feiern zu können.

Am Freitag, 11. März, berichtet Professor Dr. Detlev Kraack von der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte ab 15 Uhr im Gemeindesaal neben der Marienkirche aus Rantzaus Leben. Wie schaffte der Amtmann es, als Stellvertreter des dänischen Königs in Holstein zum einen eine europäische Friedensordnung zu entwerfen und zum anderen gemeinsam mit den Regenten des Landes die Dithmarscher Bauernrepublik brutal aufzulösen? Das ist nur eine der Fragen, deren Beantwortung Licht in Rantzaus Leben bringen sollen.

Am Obelisken startet

der Rundgang

Ab 16 Uhr gibt es Madrigale und Lautenmusik aus der Rantzau-Zeit zu hören, vorgetragen von der Gruppe „SMP — Segeberger Madrigal Projekt“. Danach, gegen 16.30 Uhr, folgt eine Spurensuche in der Marienkirche: Pastor Matthias Voß erläutert anhand eines zeitgenössischen Bruegel-Gemäldes das damalige Weltbild. An Rantzau-Relikten ist in der Kirche unter anderem ein hölzernes Epitaph zu sehen, das Rantzau seinem Großvater Gerhard Walstorp widmete.

Am Sonnabend, 12. März, beginnt um 15 Uhr ein Stadtrundgang auf den Spuren Rantzaus: Obelisk und Kapelle sind in der Hamburger Straße noch enthalten, wobei vom alten Obelisken nur noch ein „Stummel“

steht. Vom Stadtpalais, das Rantzau sich am Kleinen See errichten ließ, ist nur noch das Grundstück zu bewundern, das ab 16 Uhr besichtigt wird. Doch selbst das Alt Segeberger Bürgerhaus, das älteste Haus der Stadt, gehörte für kurze Zeit Rantzau — hier erläutert Museumsleiter Hinrichsen am Modell die Segeberger Baugeschichte im 16. Jahrhundert. Dazu gibt es in der Sparkasse Südholstein in der Oldesloer Straße bis zum 25. März eine Bilderausstellung von Kindern der Heinrich-Rantzau-Schule. Schulleiterin Anja Look war sofort von dieser Idee angetan: „Rantzau ist bei uns in der dritten Klasse Pflichtthema.“

Wer war dieser Heinrich Rantzau, der einerseits zum unentbehrlichen Ratgeber der dänischen Könige Christian III. und Friedrich II, aufstieg, der aber vom jungen König Christian IV. davongejagt wurde, weil er sich der Aufteilung des Reiches unter den Königssöhnen widersetzte. Zum einen entwarf der früh und ausgiebig gebildete Rantzau Friedenspläne für ganz Europa und hielt in den Herzogtümern Schleswig und Holstein das dänische Reich zusammen, zum anderen verschaffte ihm die Heirat mit der vermögenden Christine von Halle auch materiell die Grundlagen, es zu persönlichem Reichtum zu bringen. Auf dem Kieler Umschlag wirkte er als Kreditgeber. Groß-Schuldner waren unter anderem sein eigener König Friedrich II. (für Feldzüge) sowie die Städte Danzig und Antwerpen. Dazu kaufte er zahlreiche Güter, zum Lebensende sollten ihm 20 große landwirtschaftliche Anwesen gehört haben. Als in Italien und Spanien die Felder verdorrten, waren Rantzaus Schiffe, voll beladen mit Getreide, schneller vor Ort als die der großmächtigen Hanse.

Ein für Rantzau wichtiges Geschäft fiel in seine Segeberger Zeit: Der Gipsabbau am Kalkberg, der — wie Segeberger wissen — eigentlich „Gipsberg“ heißen müsst, mehrte ebenfalls seinen Reichtum.

Außer der Kapelle in der Hamburger Straße und dem Obelisken erinnert heute — neben den Namen von Rantzau-Schule und Rantzaustraße — allein noch der alte Gewölbekeller am Wittmack-Haus, Lübecker Straße 7, an den Namensgeber. Im Hof dieses Gründerzeitgebäudes stand seinerzeit das Stadthaus des Heinrich Rantzau. Dieses Haus existierte noch bis zum 17. Jahrhundert, heute ist allein der über 400 Jahre alte Gewölbekeller erhalten.

Die Rantzau-Kapelle in der Hamburger Straße hat der Segeberger Amtmann so nie kennengelernt: Sie steht an Stelle einer Pyramide, die Rantzau 1588 als Ehrenmal hatte errichten lassen. Damals war hier der Ort zu Ende, und die übermächtige, 15 Meter hohe Pyramide aus Segeberger Gips sollte einerseits an den 1588 verstorbenen König Friedrich II als auch an den Erbauer Rantzau selbst gemahnen. Weil Gips als Außenbaustoff nun einmal nicht sonderlich haltbar ist, verfiel die Pyramide rasch. Die heutige Kapelle entstand Ende des 16. Jahrhunderts und trägt zur Erinnerung auf dem Dach eine Pyramide aus Zinkblech.

Nicht ganz so hoch wie die Ur-Pyramide war mit zwölf Metern der Obelisk, den Rantzau 1560 wenige Meter weiter, gleichfalls zum Gedenken an Friedrich II., nach römischem Vorbild aus Sandstein errichten ließ. Heute ist nicht viel mehr als der Sockel erhalten, der aber noch die hymnischen Inschriften trägt, die Rantzau einst entwerfen ließ. „Pro Deo et Friderico“ — „Für Gott und Friedrich“

ist noch deutlich zu entziffern.

Einige wesentliche Stationen im Leben des Heinrich Rantzau

11. März 1526 Heinrich Rantzau wird als ältester Sohn des königlich-dänischen Feldherren Johann Rantzau und dessen Frau Anna Walstorp geboren.

1538 Bereits als Zwölfjähriger ist Rantzau an der Universität Wittenberg in Latein, Rechtswissenschaft und Rhetorik eingeschrieben.

1548 Rantzau zieht im Gefolge von Herzog Adolf von Schleswig-Holstein an den Hof Kaiser Karls V.

1554 Rantzau heiratet Christine von Halle, die vier Tonnen Gold in die Ehe bringt — die Basis für die Geschäfte Rantzaus. Das Paar bekommt über die Jahre zwölf Kinder, von denen sieben überleben.

1955 Rantzau wird Amtmann von Segeberg, bereits im Vorjahr hatte Christian III., König von Dänemark, ihn zum königlichen Rat ernannt. Im Jahr 1956 wird der Amtmann zudem Statthalter des Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein.

1559 Herzog Adolf unterwirft die Bauernrepublik Dithmarschen, unterstützt von Heinrich Rantzau, dessen Vater Johann und den weiteren Regenten Schleswig-Holsteins. 1570 erscheint Rantzaus Schilderung dieses Feldzugs unter dem Pseudonym Christianus Cilicus Cimber.

1580 König Friedrich II. verleiht Rantzau den Elefanten-Orden, den höchsten dänischen Orden.

1598 Der junge König Christian IV. enthebt Rantzau aller Ämter. Der Statthalter stirbt in der Neujahrsnacht 1599.

Lothar Hermann Kullack
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