Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Straßenlicht: Sparen contra Sicherheit
Lokales Segeberg Straßenlicht: Sparen contra Sicherheit
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:53 10.11.2017
In Klein Gladebrügge währte die Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung nur wenige Monate. Viele Einwohner fühlten sich durch die Dunkelheit unsicher. Quelle: Foto: Petra Dreu
Bad Segeberg

Wer ist als Kind schon gern in den dunklen Keller gegangen? Auch wenn dort nie ein Monster unter der Kellertreppe gesessen hat, die Angst war trotzdem da. Doch selbst im Erwachsenenalter meidet der Mensch gerne dunkle Ecken, die er nicht einsehen kann, schließlich weiß man nie, wer dahinter hocken könnte. Und im Dunkeln agieren auch Einbrecher am liebsten, dort wo niemand in der Nähe ist, der sie stören könnte. Wenn in Ortslagen die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet ist, dürfte ihnen das besser gefallen, als im Schein der Lampe gesehen zu werden. „Es gibt zwar immer wieder Fälle, wo Einbrecher am helllichten Tag agieren. Die Regel aber ist das nicht, Einbrecher suchen eher den Schutz des Verborgenen“, sagt Bernd Kanert, Sachgebietsleiter für Prävention in der Polizeidirektion Bad Segeberg.

Nahezu alle Städte und Gemeinden wollen sparen – unter anderem an den Ausgaben für die Straßenbeleuchtung. Nachts wird sie abgeschaltet, wovon nicht alle Einwohner begeistert sind. Denn eines ist unumstritten: Das Sicherheitsgefühl nimmt mit der Dunkelheit ab.

„Einbrecher agieren nur zu gerne im Verborgenen. Licht, das sie verraten könnte, meiden sie. Bernd Kanert Polizeibeamter

Statistische Zahlen gebe es dazu zwar nicht, so Kanert, aber es sei unbestritten, dass ein unbewohnt aussehendes Haus eher Einbrecher anlocke als ein Haus, das hell erleuchtet ist und bewohnt aussieht. „Eine vernünftig ausgeleuchtete Ortschaft spielt dabei natürlich auch eine wichtige Rolle“, betont Kanert, der aber auch verstehen kann, dass die Gemeinden darauf bedacht sind, Energiekosten zu sparen und deshalb die Straßenbeleuchtung in der Nacht abstellen.

Energiekosten einsparen wollte 2013 auch die Gemeinde Klein Gladebrügge. Mit großer Mehrheit stimmte die Gemeindevertretung für eine Testphase. Vom 1. Oktober bis 31. Dezember 2013 wurde die Straßenbeleuchtung zwischen 0.30 Uhr und 4.30 Uhr abgeschaltet. Beschwerden gab es zunächst keine. Auch dann nicht, als die Testphase stillschweigend weitergeführt wurde. Umso überraschter waren schließlich die Gemeindevertreter, als ihnen eine Unterschriftenliste unter die Nase gehalten wurde. 123 Einwohner hatten unterschrieben. Sie alle wollten, dass ihre Gemeinde auch nachts ausgeleuchtet ist. „Wenn man spät nach Hause kommt, ist es einfach unangenehm, wenn alles stockduster ist“, sagt Anke Stegelmann, die seinerzeit die Unterschriften gesammelt hatte. Die Gemeinde knipste das Licht wieder an. Viele hätten sich in der Dunkelheit nicht mehr sicher gefühlt, was Polizist Kanert nachvollziehen kann. „Es ist nur ein Gefühl. Aber das ist wichtig für die Lebensqualität. Wer schon einmal Einbruchsopfer gewesen ist, der wird viel dünnhäutiger.“

Auch der Bargteheider Psychologe Dr. Klaus Witt hat Verständnis für die Einwohner von Klein Gladebrügge: „Das Sicherheitsempfinden ist bei jedem Menschen anders. Es hängt auch von der Gewohnheit ab.

Dennoch ist es eine Urangst von uns Menschen, nicht sehen zu können, was vor uns liegt oder passieren könnte.“

„Wir stellen unsere Straßenbeleuchtung nachts ab. Von 23 Uhr bis sechs Uhr morgens ist bei uns sowieso keiner unterwegs“, sagt hingegen Karin David, Bürgermeisterin der Gemeinde Dreggers, die nicht nur Schlusslicht im Kreis ist, was die Einwohnerzahl anbelangt, sondern wahrscheinlich auch bei der Anzahl der Straßenlaternen. „Wir haben nur fünf Laternen. Beschwert hat sich noch niemand. Die meisten haben sowieso Licht auf ihrem Grundstück und Bewegungsmelder“, weiß die Bürgermeisterin.

Ähnlich sieht es Götz Leonhardt, Bürgermeister der Gemeinde Strukdorf: „Wir stellen unsere Straßenbeleuchtung bereits seit vielen Jahren von 23 Uhr abends bis morgens fünf Uhr aus. Das geht gar nicht anders. Wir sind eine kleine Gemeinde und müssen sparen, wo wir nur können“, sagt Götz Leonhardt. Die Strukdorfer hätten sich darauf eingestellt. Wer nachts unterwegs sei, der habe in der Regel eine Taschenlampe dabei.

 Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige