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Segeberg Streik-Aufmarsch vor dem Wege-Zweckverband
Lokales Segeberg Streik-Aufmarsch vor dem Wege-Zweckverband
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20:44 11.01.2018
Heute werden die Segeberger vermutlich auf ihrem Müll sitzenbleiben - mehrere Dutzend Mitarbeiter des WZV streiken. Quelle: Danfoto
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Bad Segeberg

8 Uhr morgens: Vor dem WZV-Betriebshof auf den Bürgersteigen dominiert die orange Arbeitsbekleidung der Müllwerker und die Verdi-Plakate. Holzfeuer zum Wärmen, aufgeregte Diskussionen. Viele streiken hier zum ersten Mal. Und wenn ein Müllfahrzeug trotz des ausgerufenen Warnstreiks den Hof verlässt, johlen alle und schwenken Verdi-Fahnen. Die Trillerpfeifen sind ohrenbetäubend. „Seit sechs Uhr wird gestreikt“, berichtet Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Wübben. Drei Verhandlungsrunden für den Haustarifvertrag habe es in den vergangenen Wochen gegeben, dann kam es zum großen Knall.

Dabei habe es vorher Bewegung bei den Gehältern gegeben. Die ursprüngliche Forderung der Gewerkschaft war für 2017 sechs Prozent gewesen. „Wir sind dann auf vier Prozent zurückgegangen“, so Wübben.

So etwas ist seit 25 Jahren nicht vorgekommen: Streik beim Wege-Zweckverband (WZV). Über 50 Beschäftigte der privaten Tochterfirma WZV-Entsorgung standen gestern auf der Straße. Streitpunkt ist der Haustarifvertrag. Müllberge wie in Italien soll es aber nicht geben.

„Wir sind aus allen Wolken gefallen, als Verdi gefordert hatte, dass die verbesserte Gehaltstabelle nun auch rückwirkend für alle Mitarbeiter gelten soll.Jens Kretschmer Verbandsvorsteher

Da habe man sich angenähert. Die Arbeitgeber haben für 2017 2,6 Prozent und für 2018 2,2 Prozent mehr an Gehalt angeboten. Auch ein Plus für die Auszubildenden. Der große Knackpunkt, der die Verhandlungen zum Scheitern brachte, seien die Entgeltstufen in der Gehaltstabelle der Beschäftigten gewesen. Nach Meinung von Verdi sollten von einer verbesserten Gehaltstabelle, die dreijährige Wartezeit auf eine Gehaltsverbesserung bei den Einstiegsgehältern auf ein Jahr verkürzt für alle gelten – rückwirkend. Als bei den Verhandlungen klar wurde, dass davon nur die 2017 eingestellten 20 Mitarbeiter profitieren würden, sei es zum Eklat gekommen.

Gestern Abend wollte Verdi nicht verraten, ob der WZV auch heute weiter bestreikt wird. Ein von Verdi bei der Geschäftleitung angefordertes neues schriftliches Angebot lag gestern gegen 17.20 Uhr noch nicht vor, sagte Wübben. Empört äußerte er sich darüber, dass von Seiten des WZV als Streikbrecher Leiharbeiter auf den Müllfahrzeugen eingesetzt worden sein sollen. Trotzdem: Der Warnstreik sei aber für die Beschäftigten ein voller Erfolg gewesen.

Bei der WZV-Geschäftsführung ist man überzeugt, dass sich trotz des Streiks keine Müllberge an den Straßen sammeln werden. „Wir sind gut aufgestellt, damit unsere Kunden möglichst keine Nachteile von dem Streik einzelner Mitarbeiter spüren“, betonte Verbandsvorsteher Jens Kretschmer. Auf den Mülltouren würden deshalb auch Mitarbeiter anderer Fachbereiche eingesetzt. Er versprach, dass alle Haushalte, die am Streiktag nicht mehr mit einem Sammelfahrzeug erreicht werden, in den kommenden Tagen, auch sonnabends, angefahren werden. Es dürften auch Müllbeutel neben die Tonnen gestellt werden. Wenn Tonnen nicht gleich geleert werden, sollten sie sichtbar auf das Privatgrundstück zurückgezogen werden, damit sie nicht den Bürgersteig blockieren.

„Wir sind aus allen Wolken gefallen, als Verdi am Montag gefordert hatte, dass die verbesserte Gehaltstabelle nun auch rückwirkend für alle Mitarbeiter gelten soll.“ Das würde neben den schon den angebotenen Gehaltssteigerungen ein zusätzliche Plus von sieben bis zehn Prozent auf dem Gehaltszettel bedeuten. Kretschmer: „Das geht gar nicht.“ Nicht verhandelbar sei, so Prokurist Nis Nissen, eine spezielle Forderung, dass die Mitglieder der Gewerkschaft Verdi einen jährlichen „Nachteilsausgleich“ von 200 Euro im Jahr bekommen sollen. Davon würden nur Gewerkschaftsmitglieder profitieren.

Stattdessen schlägt der WZV vor, dass nicht nur die Verdi-Freunde, sondern alle Beschäftigten der GmbH 100 Euro zusätzliches Urlaubsgeld bekommen. Nissen: „Davon profitieren alle Beschäftigten.“

Wolfgang Glombik

 

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