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Segeberg Streik geht weiter: Beim WZV brennt die Luft
Lokales Segeberg Streik geht weiter: Beim WZV brennt die Luft
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22:16 12.01.2018
Da wärmt man sich gerne am Schweden-Feuer: Bei kaltem Schmuddelwetter harrten die Streikenden vor dem WZV-Hof in Bad Segeberg aus. Hin und wieder fuhr ein Streifenwagen vorbei und stellte als freundlichen Gruß zum Verdi-Fahnenschwenken das Blaulicht an. Quelle: Fotos: Glombik
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Bad Segeberg

Auch gestern wurde gestreikt. Vormittags gab es ein klärendes Gespräch von Verdi mit der Geschäftsführung der WZV Entsorgung GmbH, um Missverständnisse auszuräumen. Gespräch ja, aber ausdrücklich keine Haustarifverhandlungen, hieß es. Draußen harrten die Mitarbeiter im kalten Schmuddelwetter am Schweden-Feuer aus. Nein, die Kälte würde ihnen nichts ausmachen. Die müssten sie ja auch sonst täglich bei ihrer Arbeit aushalten, sagten sie. Gestern seien mindestens 16 von 20 Touren ausgefallen, erklärte Wübben. Von der WZV-Geschäftsleitung war hingegen zuhöre, dass mehr als die Hälfte der Touren stattfinden konnten.

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Da wärmt man sich gerne am Schweden-Feuer: Bei kaltem Schmuddelwetter harrten die Streikenden vor dem WZV-Hof in Bad Segeberg aus. Hin und wieder fuhr ein Streifenwagen vorbei und stellte als freundlichen Gruß zum Verdi-Fahnenschwenken das Blaulicht an.

Ein Grund für die Verschärfung der Situation könnte sein, dass sich der Gewerkschaftssekretär Wübben mit den Leiharbeitsfirmen in Verbindung setzte, um auf die rechtliche Situation hinzuweisen.

Danach dürfe kein Einsatz von Leiharbeitern in bestreikten Betrieben stattfinden. „Die haben erst gedacht, dass seien zwei verschiedene WZV-Betriebe.“ Doch nun seien zwölf bis 15 Leiharbeiter zurückgezogen worden. Wübben: „Wir bereiten uns auf weitere Streiktage vor und werden dann auch die Kollegen des Öffentlichen Dienstes beim Wege-Zweckverband zur Unterstützung aufrufen.“ Er hoffe, dass bis Mitte nächster Woche das geforderte neue schriftliche Angebot der Arbeitgeber vorliege. Strittig ist, wie gestern berichtet, eine neue Gehaltstabelle. Diese sollte allen Beschäftigten der WZV-Entsorgung zugute kommen und nicht nur einem kleinen Teil der Belegschaft. Wübben sieht hier aber „noch Kompromisslinien“, auf die man sich einigen könnte.

Beim WZV trifft sich eine Arbeitgeber-Tarifkommission am kommenden Montag, um das weitere Vorgehen zu beraten. Hier versucht man indes, den Schaden für die Kunden zu begrenzen. Meike Kretschmer, WZV-Koordinatorin, kündigte an, dass am morgigen Sonnabend streikbedingt ausgefallene Touren – anders als vorher angekündigt – nun doch nicht nachgefahren werden. „Wir gehen davon aus, dass die meisten Kunden ihre Tonnen gar nicht mehr an der Straße abgestellt haben.“ Die Kunden werden gebeten, zum nächsten regelmäßigen Tour-Termin (steht im Abfallkalender) die Tonne an den Straßenrand zu stellen. Normale Säcke und Kartons können dann daneben abgelegt werden.

Vor allem die Abholung von Bioabfällen und Altpapier sei in den Kommunen teilweise ausgefallen. Meike Kretschmer: „Wir versuchen alles, um möglichst viel Abfall abzuholen.“ Vordringlich werden Restabfalltonnen geleert. Höchste Priorität haben die Abfallbehälter von Krankenhäusern und Pflegeheimen. Meike Kretschmer ist wichtig, dass jetzt möglichst die normalen Touren abgefahren werden, weil die Teams auf den Wagen bei ihren gewohnten Routen die besten Ortskenntnisse haben.

Die Weihnachtsbäume an den Sammelplätzen bleiben vorerst liegen. Wer seinen Baum loswerden möchte, könne ihn auch an den Recyclinghöfen des WZV abgeben. Meike Kretschmer ruft die Kunden dazu auf, in Notfällen die Servicenummer des WZV anzurufen. Sie sei optimistisch, dass bald weiterverhandelt werde.

WZV-Betriebsrat verliert vor Gericht

Wie wenig sich Betriebsrat und Geschäftsleitung über den Weg trauen, wurde vor dem Arbeitsgericht Neumünster deutlich. Der damalige Betriebsrat hatte erhebliche Zweifel daran, dass dem WZV-Berater PWC für die Analyse zur Gründung einer weiteren WZV-Tochter mit dem Arbeitstitel NewCo das richtige Zahlenmaterial zur Verfügung gestellt worden ist. Dieses wollte er überprüfen lassen und bekam dafür zumindest mündlich grünes Licht.

Auf der Verbandsversammlung am 6. Dezember 2016 in Oering hatten Mitarbeiter sich noch bei der Geschäftsleitung für das Zugeständnis bedankt und die Verbandsbürgermeister gebeten, mit einem Beschluss zur Gründung der NewCo zu warten, bis der Gutachter seine Arbeit abgeschlossen habe. Die Verbandsbürgermeister warteten nicht und im Nachhinein wollte der Geschäftsführer von der Kostenübernahme nichts mehr wissen.

Verbandsvorsteher Jens Kretschmer betonte nach der Verhandlung, dass er eine Beratung der Mitarbeitervertretung für wichtig und sinnvoll halte. Ungeachtet dessen, dass der WZV wegen eigener horrender Beraterkosten immer wieder kritisiert wird, waren ihm im Nachhinein die 50 000 Honorarkosten für einen Gutachter zu üppig. Laut WZV-Prokurist Nis Nissen müsse man, bevor man einen Berater engagiere, eine Kostenvereinbarung treffen und diese von der Geschäftsführung genehmigen lassen, was nicht geschehen sei.

„Das ist richtig“, sagt der Betriebsratsanwalt Norbert Diercks, dessen Kosten ebenfalls zur Disposition standen. „1000 Euro wollte der WZV nur zahlen, wenn sich der Betriebsrat von mir und dem Gutachter trennt“, berichtet der Arbeitsrechtler. Das allein spricht für den Verdi-Gewerkschaftssekretär Andreas Wübben Bände: „Was ist das für ein Verhältnis, wenn man sich auf eine mündliche Zusage nicht mehr verlassen kann?“

Pd/wgl Von Wolfgang Glombik

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