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Segeberg Streit um Jakobskreuzkraut: Stiftung Naturschutz im Visier
Lokales Segeberg Streit um Jakobskreuzkraut: Stiftung Naturschutz im Visier
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21:32 16.09.2016
Gegen das gelbe, giftige Kraut: Bauernverband, Imker, Landwirte und Politik trafen sich gestern auf einer Weide bei Hasenkrug. Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

Das Landwirtschafts- und Umweltministerium verharmlose die Situation um das hochgiftige Jakobskreuzkraut (JKK). Die Stiftung Naturschutz sitze das Problem aus, reagiere nicht – und sie, die Landwirte, Imker und letztlich die Verbraucher müssten es ausbaden. Das ist die Quintessenz aus den Vorwürfen, die Landwirt Torsten Blunck aus Hardebek erhebt. Während die Stiftung das heimische Gewächs moderat in Schach halten will, schlägt er Alarm. Dabei erhält er jetzt Rückendeckung von Bauern, Bienenhaltern und der Interessengemeinschaft JKK, die alle eine konsequentere Bekämpfung fordern.

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Bio-Sondermüll, das ist für Landwirt Torsten Blunck Jakobskreuzkraut, das auf seinen Flächen sprießt.

Gestern traf man sich zum Lokaltermin auf einer Blunckschen Weide, auf der das Kraut sprießt – aus Bluncks Sicht kommt es von benachbarten Stiftungsflächen, die mit JKK übersät sind. „Im vergangenen Jahr habe ich bei mir in über 100 Stunden Pflanzen ausgestochen. Das ist Bio-Sondermüll. Dieses Jahr habe ich angefangen und irgendwann aufgegeben. Es war einfach zu viel.“ An eine unbesorgte Heuernte sei nicht zu denken. Und erst auf sein Drängen hin wurde ein Schutzstreifen von 30 auf 50 Meter Breite gemäht.

Vertreter vom Bauernverband, aus der Politik und der Interessengemeinschaft JKK sehen sich um. Nicht dabei: jemand vom Ministerium oder der Stiftung Naturschutz. Man sei nicht eingeladen gewesen, widerspricht Aiko Huckauf vom JKK-Kompetenzzentrum der Stiftung auf LN-Nachfrage Bluncks Vorwurf. Blunck handele zudem auch „nicht immer fair“, kritisiert Huckauf und betont, dass die Samen des Krautes nicht „zum Fliegen gemacht sind“ und er hoffe, die Situation durch die zusätzliche Verdichtung des Knicks zwischen den Flächen befrieden zu können.

Für Blunck, der seinen Rechtsanwalt eingeschaltet hat, reicht das nicht: „Ich will ja nicht, dass die das totspritzen, aber zwei, drei Mal im Jahr mähen, damit es gar nicht erst zur Blüte kommt, kann auch für Naturschützer nicht zu viel verlangt sein“, wettert er. „Aber die lassen sogar zu, dass Rinder auf dem abgemähten JKK weiden“, zürnt er und präsentiert entsprechende Fotos. Ministerium und Stiftung würden die Gefahr für die Gesundheit unterschätzen, waren sich alle einig.

Mit einem Glas Bioland-Honig aus eigener Ernte ist Rainer Korten von der „IG JKK“ aus Zarnekau (Ostholstein) zum Termin gekommen. Belastet mit 576 Mikrogramm Pyrrolizidinalkaloide pro Kilogramm – jenem Toxin, das JKK so giftig macht, sagt der Imker. „Der vom Landwirtschaftsministerium empfohlene Orientierungswert liegt bei 140.“ Dabei gehe man davon aus, dass im Schnitt drei Gramm pro Tag gegessen wird. „Unrealistisch – und sie sagen, man soll belasteten Honig mit unbelastetem mischen, damit der Wert sinkt. Das kann doch nicht deren Ernst sein. Meinen Honig werfe ich weg.“ Die Zahl der belasteten Honigernten würden drastisch steigen, wenn nichts unternommen werde, ist sich Korten sicher: „Wir Imker werden damit alleine gelassen.“

Auch Karen Franzen vom Landesbauernverband ist sich sicher, dass sich die Stiftung damit nur ’rausreden wolle, wenn sie sage, dass sie ihre Pächter darauf hinweise, wie sie mit JKK umgehen sollten. Franzen: „Da wird kein Druck aufgebaut. Es gibt viele Gespräche, aber es passiert nichts.“

Dieses Gift ist das Problem

Pyrrolizidinalkaloide (PA) stecken in allen Teilen der Jakobskreuzkraut-Pflanze. Beim Verstoffwechseln reagieren diese Stoffe toxisch, schädigen die Leber und werden zudem nicht abgebaut. Es habe noch keinen einzigen JKK-Todesfall gegeben, sagen diejenigen, die die Sorge vor JKK für übertrieben halten. Bisher gebe es jedoch kein standardisiertes Untersuchungsverfahren zur Bestimmung von PA in Fleisch, Milch, Leber oder Blut, kontern die Kritiker.

 Heike Hiltrop

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