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Segeberg Suchtstation für Heranwachsende gegründet
Lokales Segeberg Suchtstation für Heranwachsende gegründet
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13:33 24.07.2017
Der Landesverein für Innere Mission hat eine neue suchtpsychiatrische Behandlungseinheit für Heranwachsende gegründet. Auf dem Foto v.l.: Dr. Andrea Werner, Anne-Leena Domke, Andreas Steinmann und Dr. Jean Hermanns. Quelle: Vogt
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Rickling

Dass die Versuchungen in eine gefährliche Suchtspirale führen kölnnen, spiegeln die Zahlen des Psychiatrischen Krankenhauses in Rickling wider: Von 2013 bis 2015 haben sich die Suchtbehandlungen bei 18- bis 23-Jährigen verdoppelt, ebenso die Hilferufe, die von Angehörigen oder Betreuungseinrichtungen an die Mediziner herangetragen werden. Auf diesen Umstand hat der Landesverein für Innere Mission reagiert: Die neu aufgebaute Therapiestation „Sucht U 21“ ist besonders auf die Bedürfnisse Heranwachsender abgestimmt.

Gegenwärtig stehen dort zehn Therapieplätze zur Verfügung. Von welcher Sucht die Patienten betroffen sind, spiele für die Aufnahme zunächst keine Rolle. „Bei uns werden sowohl Menschen mit stofflichen als auch stoffungebundenen Süchten behandelt“, erklärt Anne-Leena Domke, Therapieleiterin der Station. Entscheidend für die Aufnahme sei das Alter, genauer gesagt der Reifegrad, fügt Dr. Andrea Werner, oberärztliche Leiterin der Station hinzu. Nach einem Aufnahmegespräch werde entschieden, ob ein Patient für die „Sucht U 21“ in Frage kommt oder möglicherweise in der Erwachsenentherapie besser aufgehoben wäre. Seit Gründung der Station im April dieses Jahres wurden dort 35 junge Menschen behandelt. Im Mittel waren sie 18 Jahre alt, 14 waren minderjährig.

Als Aufnahmekriterium obenan steht die Freiwilligkeit. Gegen den eigenen Willen werde niemand auf der Station behandelt. Für junge Patienten, die auf richterlichen Beschluss hin zwangseingewiesen würden, sei die Kinder- und Jugendpsychiatrie zuständig.

Auf der „Sucht U 21“ ticken die Uhren aber anders. Die klassische Krankenhaus-Hierarchie von Ärzten, Therapeuten und Pflegern gebe es dort so nicht, erklärt Weber. Jeder der acht Mitarbeiter habe zwar seine Aufgabe. Sie verstünden sich aber als ein „Präsenzteam“. Die Atmosphäre sei familiär, geprägt von respektvollem und wertschätzendem Miteinander. Den Jugendlichen und jungen Erwachsenen werde wo immer möglich Eigenverantwortung zugestanden, zugleich würden sie aber eng begleitet und unterstützt. Ziel sei, eine Motivation für eine Verhaltensänderung in Bezug auf den Konsum des Suchtmittels zu bewirken, wieder Freude am Leben zu bekommen, Ideen für die eigene Zukunft zu entwickeln oder auch den Weg für weitergehende Therapiemaßnahmen zu ebnen.

„In Schleswig-Holstein handelt es sich um ein bisher einmaliges Angebot“, sagt Dr. Jean Hermanns, Leitender Therapeut der suchtpsychiatrischen Abteilung. Eine Besonderheit sei der relativ leichte Zugang zu der Maßnahme. Jugendliche, die einen problematischen Konsum bei sich feststellen, können sich selbst mit dem Klinikum in Verbindung setzen und ein persönliches Gespräch über eine Aufnahme vereinbaren. Derzeit liegt die Wartefrist bei gut zwei Wochen. Bei Minderjährigen müssen die Erziehungsberechtigten der Aufnahme jedoch zustimmen.

Von Oliver Vogt

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