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THW im Einsatz: Proben für den Ernstfall

GroßNiendorf/Hamburg THW im Einsatz: Proben für den Ernstfall

Abrissgebäude sind rar, darum rückte das THW Hamburg-Altona zur Übung ins Segebergische aus.

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THW Ortsverband Hamburg-Altona beim Training: Um einen zusätzlichen Rettungsweg zu haben, wurde von den Einsatzkräften ein großes Loch in eine Wand der alten Bauernkate geschlagen.

Quelle: Fotos: Heike Hiltrop

GroßNiendorf. Die Tage der alten Backsteinkate zwischen Äckern und Bundesstraße 432 kurz hinter Groß Niendorf sind gezählt. Noch stützt ein stabiles Eisengerüst die Längsseite des maroden Gemäuers, doch bald wird es nur noch ein Haufen Steine, Stroh, Blech und Balken sein. Dann haben die Helfer des Technischen Hilfswerks, Ortsverband Hamburg-Altona, die alte Kate niedergestreckt. Gasexplosion in einem Einfamilienhaus: Vermisste Personen, Einsturzgefahr des Gebäudes, das ist das Szenario der großen Jahresübung für die Fachgruppen Infrastruktur und Räumung.

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THW Ortsverband Hamburg-Altona beim Training: Um einen zusätzlichen Rettungsweg zu haben, wurde von den Einsatzkräften ein großes Loch in eine Wand der alten Bauernkate geschlagen.

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Ein Mauerdurchbruch musste als Rettungsweg geschlagen, eine Seilbahn unter das Dach montiert werden. Nebelmaschinen erschweren die Arbeit des Bergungstrupps und der anderen Einsatzkräfte — alles gewollt, um im Realeinsatz auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Dass die Männer und Frauen mit Feldküche, Radlader, Tieflader und allerhand anderem schweren Gerät die Grenzen der Hansestadt Richtung Schleswig-Holstein überschritten haben, um im Segebergischen ein Haus platt zu machen, ist einfach erklärt: „Die Gelegenheit, in einem leerstehenden Haus trainieren zu können, bietet sich nicht sehr oft. Abrissgebäude sind heiß begehrt. Es gibt sie auch in Hamburg, aber entweder wissen die Leute nicht, wie gern wir sie nutzen würden, oder sie lassen uns nicht rein“, sagt Stephan Roock. Er ist Ortsbeauftragter des THW-Ortsverbandes Altona. Einem von sieben in Hamburg und mit 89 Aktiven gut aufgestellt. 33 Männer und drei Frauen aus ihren Reihen haben in der Nacht zu Sonnabend ihre Mannschaftszelte aufgeschlagen.

Sie haben schon im Freihafen zwischen Wasser und Containern fiktive Schadenslagen abgearbeitet, dafür sogar Hängebrücken gebaut. Kürzlich waren sie unter den 400 Teilnehmern einer Katastrophenschutzübung, bei der das erdachte Unglück ein Kleinflugzeug-Absturz über der Harburger Bahnhofsinsel auf einen gut besuchten Wochenmarkt war. Aber es gibt auch die Ernstfälle, zu denen sie ausrücken. „Wir kommen auf etwa fünf im Jahr“, so Roock . Außerdem sei in seinem Team auch jemand, der im Auslandseinsatz in Jordanien zu einer Spezialgruppe gehört, die im Auftrag der UNO Flüchtlingscamps aufbaut und betreut. Im Fachjargon: Feldlagerbau und Betrieb.

Jetzt also Training in einer alten Bauernkate. Eine ganze Polonaise von Helfern zieht, wie an der Perlenschnur aufgereiht, einmal durchs vernebelte Untergeschoss um zu erleben, wie es sich anfühlt, bei schlechter Sicht zwischen Gerümpelstapeln klarzukommen, nicht die Orientierung zu verlieren und sich selbst nicht in Gefahr zu bringen. Schließlich wollen sie gut vorbereitet sein auf den Fall, der, so hoffen sie, nie eintritt.

Erster Großeinsatz bei Hamburger Sturmflut 1962
Claus Schröder legt seinen Helm beiseite und organisiert sich Gulasch aus der Feldküche. Bis vor zwei Jahren ist der 77-Jährige noch die schweren Lkw gefahren, heute lenkt der Kraftfahrer einen Kleinbus. „Ich habe aus eigenen Stücken meinen Lkw-Führerschein nicht verlängern lassen“, sagt er ohne Bitterkeit, denn seine Hilfe ist dennoch gebraucht und geschätzt.

Seit Sommer 1952 ist Claus Schröder beim Technischen Hilfswerk Hamburg. Und damit dürfte er zu den dienstältesten THW-Ehrenamtlern im Norden gehören. „Ich bin da bei der Gründung so reingerutscht, weil ich das für eine gute Sache hielt“, stapelt der weißhaarige freundliche Herr tief. „Als Kriegskind habe ich den Bombenhagel in Hamburg miterlebt. Ich habe mitbekommen, wie dringend Hilfe gebraucht wurde. Vielleicht war das der Grund.“ Die große Sturmflut von 1962 sei sein erster Großeinsatz gewesen. „Ich weiß nur noch, wie wir bis zum Bauch im Wasser standen, um das Hab und Gut der Bewohner einer Kleingartenkolonie zu retten. Wir haben einfach gemacht. Das Bewusstsein, was da passierte, kam erst viel später“, sagt Schröder, der in Pinneberg lebt, aber ohne seine Altonaer Truppe nicht sein mag. „Die Gemeinschaft ist es. Man fragt mich Alten noch nach Rat, aber genauso nehme ich Neues von den Jungen an, das macht die einmalige Zusammengehörigkeit aus.“ hil

Heike Hiltrop

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