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Tagtäglich für den Job auf Achse

Bad Segeberg Tagtäglich für den Job auf Achse

Weitaus mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer im Kreis pendeln inzwischen zu ihrem Arbeitsplatz. Nach Daten der Arbeitsagentur arbeiten von den 101 000 Arbeitnehmern im Kreis 79500 Männer und Frauen nicht an ihrem Wohnort.

Quelle: Hiltrop

Bad Segeberg. Pendler – die sind doch zu bedauern, ein bis zwei Stunden Arbeitsweg täglich, schrecklich. So die Vorstellung von Menschen mit kurzem Arbeitsweg. Pendler aber bilden sogar die Mehrzahl der Arbeitnehmer im Kreis. Nach Daten der Arbeitsagentur arbeiten von den 101 000 Arbeitnehmern im Kreis (gezählt sind nur Sozialversicherungspflichtige) 79500 Männer und Frauen nicht an ihrem Wohnort. 54000 verlassen gar den Kreis für den Job.

LN-Bild

Weitaus mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer im Kreis pendeln inzwischen zu ihrem Arbeitsplatz.

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Ein bundesweiter Trend: Im Jahr 2015 pendelten 60 Prozent aller Beschäftigten zum Arbeitsplatz. Durchschnittlich legten sie dabei 16,8 Kilometer zum Arbeitsplatz zurück. 15 Jahre zuvor lag die Pendlerquote in Deutschland noch bei 53 Prozent. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) hat die Zahlen nach Kreisen ausgewertet. Danach stieg die Anzahl der sogenannten „Auspendler“ aus Segeberg um 18 Prozent im Vergleich zum Jahr 2000 auf inzwischen 54700. Dieser Trend sei alarmierend, befand Ralf Olschewski, Bezirkschef der IG Bauen-Agrar- Umwelt bei der Veröffentlichung im Frühjahr. Die hohe Zahl von Pendlern sei eine Folge verfehlter Wohnungsbaupolitik, die in Ballungsgebieten zu wenig Arbeitsplätze schaffe und in Gebieten, wo es genug Arbeit gibt, nur teuren Wohnraum vorhalte.

Bis hier eine Umkehr stattfindet (wenn es denn gelingen sollte), gilt es, den Pendlern den Arbeitsweg zu erleichtern. Es gibt immerhin zwei Richtungen im Verkehrsstrom – aber nicht im ausgewogenen Verhältnis: Fast jeder fünfte Hamburger Arbeitnehmer kommt aus Schleswig-Holstein. Dagegen macht der Anteil der Pendler aus Hamburg lediglich sechs Prozent der im nördlichen Bundesland Beschäftigten aus. Die Folge – und um das zu überprüfen, braucht man morgens nur den Verkehrsfunk zu hören: A 7, A 1, Bundesstraße 4, die B 432, die A 24 und auch die Schleswig-Holstein-Straße sind rund um Hamburg ständig verstopft – immer mehr färbt der Dauerstau auf die Hamburg-Randkreise ab, von Pinneberg bis in den Kreis Segeberg hinein, speziell nach Norderstedt.

Es helfen nur Bahn und Bus, der Öffentliche Nahverkehr, ÖPNV genannt. Beruhigend für Pendler, die gern über den Oldesloer Bahnhof nach Hamburg fahren: Bis 2024 soll die S-Bahnlinie 4 direkt bis Bad Oldesloe führen. Ab Bargteheide könnte das vorhandenen Bahngleis genutzt werden, sagen die Planer. Eine S-Bahn im 60-Minuten-Takt wäre für Segeberger eine enorme Verbesserung gegenüber der Kombination Nordbahn/Deutsche Bahn, bei der häufig durch Verspätungen der Anschluss verpasst wird, wenn die Züge nicht gar ganz ausfallen – von überfüllten Waggons gar nicht zu reden.

Geht es nach dem Neu-Landtagsabgeordneten Ole-Christopher Plambeck (CDU), dann wird auch die AKN-Strecke zur S 21 ausgebaut, anfangs bis Kaltenkirchen, später noch weiter. Neben passenden Zeit-Takten sei auch ein überschaubarer Nordtarif mit fairen Tarifzonen für Hamburg, Schleswig-Holstein und das nördliche Niedersachsen notwendig, fordert Plambeck.

Hilfe für Pendler bieten auch der neue Wohn- und Mobilitätskostenrechner www.metropolregion.hamburg.de/mobilitaet, die Pendlerbörse www.segeberg.pendlerportal.de oder das Radfahr-Portal www.stadtradeln.de

45000 Kilometer pro Jahr

Manfred Czub ist einer von 54700 Menschen, die täglich den Kreis für den Job verlassen. Der 62-Jährige arbeitet seit 20 Jahren am Hamburger Flughafen und wohnt seit zwölf Jahren in Rickling, davor in Bad Segeberg. „Mit dem Zug bräuchte ich zwei Stunden“, sagt Czub. Keine echte Alternative zum Auto, auch wenn der Verkehr dichter geworden sei. Eine bis 1,5 Stunden brauche er pro Strecke.

Zeit, die er für dienstliche Telefonate nutze. Wenn er dann zu Hause in Rickling sei, habe er Feierabend. Trotz 45000 Kilometern im Jahr: An einen Umzug Richtung Hamburg habe er lediglich einmal gedacht, beim Vergleich der Grundstückspreise aber verworfen: Ein ähnliches Haus etwa in Tangstedt wäre 150000 Euro teurer, betont Czub. „Außerdem müsste dann meine Frau pendeln.“

Eine Stunde warten

Trockenbauer Torben Engellenner (37) tritt jeden Morgen um exakt 6.37 Uhr seine Fahrt zur Arbeit an. Dann geht es in einer knappen halben Stunde mit der Nordbahn von Neumünster nach Bad Segeberg. Damit ist der Nahverkehr mindestens genau so schnell wie eine Tour mit dem Auto, wenn nicht sogar schneller. Auf jeden Fall ist es stressfreier. „Ich habe gar keinen Führerschein und habe ihn bis heute auch nicht vermisst. Für meine Bedürfnisse ist der ÖPNV ausreichend.“ Lediglich, dass er nach Feierabend um 16 Uhr eine Stunde warten muss, da er den Zug um 16.03 Uhr einfach nicht bekommt, stört ihn manchmal: „Aber eigentlich kann ich damit gut leben“, sagt der Handwerker. hil

Hörbücher helfen

Eine Stunde Autofahrt gegen zehn Minuten mit dem Fahrrad: Karsten Wilkening (54) hat sich vor drei Jahren dafür entschieden: Über zehn Jahre hatte er bei der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein gearbeitet – jetzt arbeitet er knapp 70 Kilometer entfernt in Geesthacht bei LaDR, Laborverbund Dr. Kramer & Kollegen. Täglich zwei Stunden Lebenszeit auf der Straße zu verbringen, war keine leichte Entscheidung. Mit seiner Frau Antje habe er Chance und Risiko abgewogen. Und sich letztlich für die Herausforderung entschieden. Um die Zeit sinnvoll zu gestalten, hört Wilkening Hörbücher. „Ich war noch nie so belesen wie jetzt", sagt er und schmunzelt. Mit der Bahn sei man an die Abfahrtszeiten gebunden, deswegen fiel die Wahl auf das Auto. sd

 Nam Lothar Hermann Kullack

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