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Segeberg Tankstellen-Raub: Angeklagter beharrt auf seiner Unschuld
Lokales Segeberg Tankstellen-Raub: Angeklagter beharrt auf seiner Unschuld
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22:24 23.08.2016
Am frühen Morgen des 5. Februar 2014 wurde die Star-Tankstelle an der B 206 in Bad Segeberg überfallen. * Quelle: Dreu

Die Nacht des 5. Februar 2014 wird Lorenz S. (Namen geändert) nicht vergessen. Der heute 24-Jährige arbeitete bei der Star-Tankstelle in Bad Segeberg.

Der Nachtschalter funktionierte nicht. Plötzlich stand ein maskierter Mann vor ihm. „Ich kam gerade aus dem Büro und hatte gleich die Waffe im Gesicht“, sagte Lorenz S. gestern vor dem Schöffengericht in Bad Segeberg.

In der Gegenwart des Angeklagten Kevin L. fühlt sich S. unwohl. War er es? Der Täter trug eine Sturmhaube, so der Zeuge. Der Täter forderte S. auf, den Kasseninhalt in eine Plastiktüte zu stecken. „Auch das Kleingeld.“ 900 Euro. Der Mann sei nervös gewesen, habe gezittert. „Ich sollte schneller machen“, erinnert sich S.. Dann flüchtete der Räuber mit der Beute über die Bundesstraße und verschwand zwischen den Supermärkten.

In den ersten Tagen „ging es mir richtig schlecht“, sagt S. Er habe nicht allein arbeiten oder in der Wohnung sein wollen, nahm psychologische Betreuung in Anspruch. Bei jedem Kunden habe er sich gefragt, ob dies der Täter sein könnte. Bis es „Klick“ machte, als eines Tages der Angeklagte Kevin L. vor ihm gestanden und S. „anpöbelte“, dass dieser wegen ihm Ärger mit der Polizei habe. Kevin L.

ist der Halbbruder eines damaligen Kollegen von S. – man kannte sich vom Sehen. Darauf habe er sich L. genau angesehen. Die Statur, insbesondere der Gang brachten Erinnerungen hervor. „Das könnte passen“, sagte er. Am Tag darauf ging er zur Polizei.

Auch mit L.s Halbbruder, seinem Kollegen Kim O., sprach S. über seine Beobachtung. Vor Gericht machte O. gestern von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch, erlaubte aber die Nutzung seiner Polizeiaussage. Die zuständige Ermittlungsbeamtin schilderte, dass O. auf Fotos die Ähnlichkeit der Augenpartie des Täters mit seinem Halbbruder aufgefallen war. Letztlich habe er sich aber nicht vorstellen können, dass L. mit einem Raub den Job seines Bruders gefährden würde. Zwischenzeitlich war auch O. ins Visier der Ermittler geraten – als möglicher Tippgeber für den optimalen Zeitpunkt für einen Überfall. Außerdem hatte O. selbst eine Verdächtigung geäußert, die sich dann aber als falsch herausstellte.

Auch ein Kumpel von L., bei dem er am Abend vor dem Raub gewesen war, wollte diesen auf Bildern der Überwachungskamera in der Tankstelle wiedererkannt haben: „Ich war etwas enttäuscht.“

Dazu kommt L.s umfassendes Geständnis bei der Polizei, welches später widerrufen wurde. Der zuständige Polizeibeamte beschrieb L. als sehr kooperativ, fast erleichtert, aber auch emotional. Geweint haben soll L., er habe von Schulden gesprochen, verweigerte aber weitere Details dazu. Auch sei L. bewusst gewesen sei, dass er dafür ins Gefängnis kommen würde – kurz vor seinem Geburtstag. L.

zeigte den Beamten nicht nur den Fluchtweg, sondern erzählte auch, wo er die auffälligen schwarz-weißen Handschuhe gekauft habe – eine Anfrage beim betreffenden Konzern bestätigt diese Aussage.

Gestern beteuerte L. erneut seine Unschuld, bot auf mehrfache Nachfrage aber keine Erklärung für sein Geständnis an. Was waren das zum Beispiel für Schulden, wollte Richterin Sabine Roggendorf wissen. Der 27-Jährige ist der Justiz bestens bekannt, er verkehrt in kriminellen Kreisen. Auch Verteidiger Volker Sprick verwirrt das damalige Geständnis. Es gebe drei Möglichkeiten: „Entweder es wurde Druck auf Sie ausgeübt. Sie wurden zum Überfall erpresst oder es war jemand anderes, und Sie nehmen die Schuld auf sich.“ Eine Antwort blieb L. schuldig – auch nach dem Hinweis der Richterin zum nahenden Prozessende. Bis Freitag zur Fortsetzung soll L. nun in sich gehen.

Weitere Anklagen

Neben dem Raub auf die Tankstelle, wird dem 27-jährigen Angeklagten vorgeworfen, auf einer Geburtagsfeier in Schwissel vor einem Jahr vier Gäste verletzt zu haben – einer der Geschädigten trug eine Nasenfraktur davon. Auch seiner Ex-Freundin soll Kevin L. Gewalt angetan haben, dazu kommt ein gemeinschaftlicher Raubvorwurf gegen vier Jugendliche aus dem Juni 2014. L. ist zudem mehrfach vorbestraft, ihm drohen mehrere Jahre Haft.

 Nadine Materne

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