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Segeberg Tauben mit Zyankali töten? Stadt lehnt ab
Lokales Segeberg Tauben mit Zyankali töten? Stadt lehnt ab
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20:29 15.09.2016
Rund um die Außengastronomie in der Bad Segeberger Fußgängerzone finden die Stadttauben offenbar immer einen reich gedeckten Tisch. Quelle: Oliver Vogt

Jetzt gibt es eine neue Idee, mit den Problemtauben fertig zu werden. Ohne Gift. Andere Städte sollen damit schon erfolgreich sein. Mit Hilfe eines zugänglichen Taubenschlags, in dem man die Vogeleier gegen Plastikimitate austauscht, könnte man die Geburtenrate der Tauben senken.

 

„Tauben nisten unbehelligt in der Twiete“, klagt Heide Mau. Quelle: Fotos: Wgl

Geschäftsfrau Heide Mau (die LN berichteten) gibt nicht auf in ihrem Kampf gegen die gemeine Stadttaube. Sie schätzt die Anzahl der Tiere in Bad Segeberg inzwischen auf bald 20 000 – trotz der Vergrämungsaktionen einiger Anlieger rund um den Volksbankbrunnen mit Taubenspikes oder Netzen. Seit zehn Jahren kämpft sie gegen die Körnerfresser, die sich vor allem von Essensresten in der Fußgängerzone ernährten und dann „Dächer und Markisen vollkoten“. Mau („Ich verstehe diese Passivität nicht“) sammelt Unterschriften, schreibt Eingaben und versucht zu mobilisieren. Ihrer Familie gehört das Gebäude Kirchstraße 42. „Vor sechs Jahren rutschte unser Dachdecker beim Anbringen der Taubenpiekser am Dach auf fingerdickem Taubendreck aus und stürzte zu Tode.“ Es sei seitdem nichts passiert, die Stadt reagiere nicht auf das Problem. Die Tauben nisten zum Beispiel weiterhin in der Twiete neben einem Mobilfunkanbieter. In dieser Ekel-Nische seien inzwischen auch Ratten gesichtet worden, beklagt sich Mau.

Auch ihr Mitstreiter Holger Rudolph – ihm gehört die Kirchstraße 40 mit einem Lokal – redet Klartext in der Einwohnerfragestunde des Bauausschusses. „Das Tauben-Problem existiert seit Jahren und wird nicht in Angriff genommen.“ Großstädte handelten da rigoros. Dort mache man nicht viel Federlesen mit den Vögeln und vernichte sie einfach. Frühmorgens, so berichtet Rudolph, werde auf dem Lieblingsplatz der Tauben mitten in der Stadt eine Plane ausgelegt, Zyankali-Körner ausgestreut. „Die Tauben kommen, fressen das Gift und werden danach sofort eingesammelt.“ Niemand bekomme etwas davon mit. „Können wir nicht etwas Ähnliches unternehmen, um die Massen an Tauben einzudämmen?“

Doch laut Bad Segebergs Bauamtsleiterin Antje Langethal ist so etwas im Kreis Segeberg nicht zulässig. Sie wolle „nicht wissen, was hier los wäre, wenn auf unserem Marktplatz morgens so eine Vergiftungsaktion stattfinden würde“. Dafür würde es auf keinen Fall eine Genehmigung geben. Es bestehe für die Eigentümer die Möglichkeit, an ihren Häusern die Vögel zu vergrämen. Denkbar sei, so Langethal, dass man mit ehrenamtlicher Hilfe einen Taubenschlag errichtet. Wenn dort die Stadttauben eingezogen sind, könnten in den Nestern die Eier gegen Attrappen ausgetauscht werden. Der Bruterfolg bliebe aus, die Taubenzahl würde reduziert. Langethal zog auch die Berichte über Vernichtungsaktionen in anderen Städten in Zweifel. Das Ordnungsamt habe nachgeforscht, danach habe es auch andernorts seit mindestens zehn Jahren keine aktive Tötung von Tauben mehr gegeben. Für die Vergrämung von Tauben sei die Stadt indes nicht zuständig, das müsse der Hausbesitzer selbst vornehmen.

Der amtierende Ausschussvorsitzende Joachim Wilken-Kebeck schlug vor, eine Einwohnerversammlung für die Innenstadt ins Leben zu rufen. Dort könne man besprechen, ob die einzelnen Hausbesitzer bereit seien, bei der „Aktion Taubenschlag“ mitzuwirken.

So machen es andere Städte mit den Tauben

In Hamburg gilt ein Fütterungsverbot für Tauben. Dort bauten Taubenliebhaber laut einem Artikel der Online-Ausgabe der „Welt“ zusammen mit der muslimischen Gemeinde auf einer Moschee einen Taubenschlag für etwa 200 Vögel. Tauben werden in muslimischen Ländern wertgeschätzt und durchgefüttert. Im Koran hat die Taube eine große Bedeutung. Die Stadt Hamburg beteiligt sich laut „Welt“ an dem Projekt, ein Teil muss über Spenden finanziert werden. Die Tauben können in der Nisthilfe in Ruhe brüten, doch zwischendurch werden ihre Eier gegen Attrappen ausgetauscht. In Augsburg verfährt man ähnlich, hier werden sie angefüttert, damit sie brüten und man später ihre Eier tauschen kann. Im niederrheinischen Moers soll ein Projekt laufen. 20 Hartz-IV-Empfänger reinigen dort die Schläge, sammeln Eier. Wissenschaftler streiten über die Wirksamkeit dieser Maßnahmen.

 Wolfgang Glombik

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