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Teurer Gefängnis-Ausbau in Glasmoor

Norderstedt Teurer Gefängnis-Ausbau in Glasmoor

Die Erweiterung der JVA in Norderstedt wird mit 33,2 Millionen Euro doppelt so viel kosten wie 2012 kalkuliert.

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Das denkmalgeschützte Turmhaus der JVA Glasmoor wurde bereits saniert. 1928 hat es der Hamburger Oberbaudirektor Fritz Schumacher errichten lassen. Der geplante Neubau soll jetzt 33 statt 17 Millionen Euro kosten.

Quelle: Fotos: Fuchs

Norderstedt. Vor sechs Jahren sollte die Justizvollzugsanstalt (JVA) Glasmoor in Norderstedt, die die Hansestadt Hamburg seit fast genau 100 Jahren als Haftanstalt nutzt, aus Kostengründen noch komplett geschlossen werden. Das ist inzwischen längst vom Tisch. Nun soll das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das der damalige Oberbaudirektor und Stadtplaner des Hamburger Stadtparks und der Mönckebergstraße, Fritz Schumacher, 1928 errichten ließ, komplett saniert und mit einem dritten Häftlingshaus erweitert werden.

Doch die dafür veranschlagten Kosten explodieren, wie eine Anfrage eines Hamburger Bürgerschaftsabgeordneten aufgedeckt hat. Statt 17 Millionen Euro werde der geplante Anbau der 25 Hektar umfassenden Haftanstalt mitten im Glasmoor wohl mindestens 33,2 Millionen Euro kosten, ließ der Hamburger Senat jetzt mitteilen.

Damit könnte auch die Stadt Norderstedt bald ein bauliches Andenken an die Elbphilharmonie bekommen, für die sich zum Vergleich die Kosten allerdings mehr als verzehnfacht haben.

Bei der JVA Glasmoor war es jetzt der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Richard Seelmaecker aus Fuhlsbüttel, dem die Justizbehörde in zwei Anfragen konkret eingestehen musste, dass die ursprüngliche Kostenplanung aus dem Jahr 2012 nicht mehr zu halten sei. Der Justizsenator Till Steffen habe Ende 2015 in einer Rede „en passant“ vage angedeutet, dass die veranschlagten 17 Millionen Euro wohl nicht ausreichen würden. Seelmaecker hakte nach und erfuhr, dass sich nun die Baukosten nahezu verdoppeln würden.

Die Denkmalschutzauflagen, Architektenhonorare, die aktualisierte Raumplanung, neue Trinkwasserbestimmungen, die Außenanlagen sowie technische Gebäudeausrüstung machten die zusätzlichen Ausgaben notwendig, die seinerzeit viel zu niedrig kalkuliert worden seien, heißt es in dem Antwortschreiben des Senats an den CDU-Politiker. „Die Anfang 2012 vorgelegte Realisierungsstudie war unvollständig und fehlerhaft“, heißt es darin wörtlich.

Geplant ist, die JVA-Kapazität um 40 auf 250 Haftplätze auszubauen. Zurzeit sind 190 Männer und 19 Frauen ausschließlich im offenen Strafvollzug in der JVA Glasmoor untergebracht, sagt deren Leiterin Angela Biermann. Das Dach des zweiten Hafthauses und das markante 22 Meter hohe Turmhaus seien bereits in den vergangenen zwei Jahren saniert worden.

Wann nun mit dem Neubau des dritten Hafthauses begonnen werden soll, das sich in Höhe und Bauart in das denkmalgeschützte Ensemble einpassen soll, wie die Justizbehörde verlangt, ist zurzeit insbesondere wegen der Kostenexplosion offen. „Konkrete Zeitplanungen zum Baubeginn können erst nach Abschluss der konzeptionellen Überlegungen einer Neustrukturierung des Justizvollzuges und der damit verbundenen Festlegung des Umfangs des neu zu errichtenden Hafthauses III in der JVA Glasmoor erfolgen“, heißt es in der Antwort des Senats.

So haben sich die beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein weitgehend darauf verständigt, dass künftig straffällig gewordene Jugendliche im nördlichen Bundesland, verurteilte Frauen in Hamburg untergebracht werden sollen. Im Dezember 2015 waren nach Angaben der Justizbehörde 57 Jugendliche in Hamburg inhaftiert, während 50 Frauen in der JVA Lübeck in Haft waren, wovon sich sieben im offenen Vollzug befanden.

Abgewiesene Asylbewerber, die hier in Abschiebehaft saßen, sind in der JVA Glasmoor seit mehr als zehn Jahren nicht mehr untergebracht, sagt Leiterin Angela Biermann. Dafür befindet sich in der Anlage noch das einzige Gefängnismuseum, das vor rund zehn Jahren der ehemalige Justizvollzugsbeamte Peter Michael Zimmermann dort aus Tausenden von Gegenständen im Dachgeschoss der Anstalt liebevoll aufgebaut hat.

Gelände für den Torfabbau gekauft
Die Strafanstalt Glasmoor entstand 1917 aus der Not heraus. Der Hamburger Senat kaufte eine 25 Hektar große Fläche auf schleswig-holsteinischem Gelände, das heute zu Norderstedt gehört, um der Knappheit des Brennstoffes durch Torfabbau zu begegnen.



1928 wurden die ersten Gefangenen in der neuen Justizvollzugsanstalt (JVA) aufgenommen, die bis 1965 auch Torf stechen mussten. Die JVA hatte auch eine eigene Landwirtschaft mit 1100 Schweinen und 30 Milchkühen. Die bis zu 226 Gefangenen, die in Vierbett-Zimmern in den nach Plänen von Fritz Schumacher errichteten Gebäuden untergebracht sind, hatten alle möglichen Straftaten auf dem Kerbholz, von Diebstahl über Körperverletzung und Betrug bis hin zu Schwarzfahren und Drogendelikten.



Von 1994 bis 2003 warteten hier auch bis zu 82 Ausländer in Containern auf ihre Abschiebung in ihre Heimatländer. bf

Burkhard Fuchs

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