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Verstöße gegen das Tierwohl: Landwirt muss 14.000 Euro zahlen

Bad Segeberg Verstöße gegen das Tierwohl: Landwirt muss 14.000 Euro zahlen

Mit einer hohen Geldstrafe für den Angeklagten ist am Dienstag der Mammut-Prozess gegen den 57-jährigen Landwirt Horst P. zu Ende gegangen. Nach Auffassung des Schöffengerichtes hatte der Bauer in 17 belegten Fällen seinen Tieren unnötiges Leid zugefügt. 

Landwirt Horst P. (3.v.l.) und sein Verteidiger-Trio: Verena Rottmann, Dr. Thomas Abeltshauser und Dr. Benedikt Mick (v.l.). 

Quelle: Vogt

Bad Segeberg. Angeklagt in dem 30 Verhandlungstage dauernden Prozess waren ursprünglich 38 Verstöße gegen das Tierschutzgesetz, die das Kreisveterinäramt im Jahr 2011 auf dem Hof fotografisch dokumentiert hatte: Kühe und Bullen mit überlangen Klauen oder entzündeten Gelenken, Rinder, die abgemagert waren oder so stark lahmten, dass sie sich kaum mehr auf den Beinen halten konnten. Aber auch vernachlässigte, teils verhungerte Schweine und Katzen stellte die Behörde auf dem Hof fest.

Übrig geblieben waren am Ende nur 17 Straftaten bei den Rindern. „Das heißt nicht, dass die anderen Tiere uns egal sind oder es keine Verstöße gegeben hat“, erklärte die Vorsitzende Richterin Sabine Roggendorf in ihrer Urteilsbegründung. Es habe sich in den übrigen Fällen aber nicht ohne Zweifel nachweisen lassen, dass die Tiere „erheblich und über längere Zeit“ gelitten hätten, was Bedingung für eine Verurteilung gewesen wäre.

Angeklagter sieht sich als Opfer von Tierschützern

P., vertreten von gleich drei Verteidigern, hatte die Vorwürfe gegen sich stets bestritten. Er sieht sich weiter als Opfer einer einzelnen Tierärztin des Kreisveterinäramtes und einer tierschutzaffinen Staatsanwaltschaft. Tatsächlich ist der für den Fall zuständige Staatsanwalt Detmar Kofent zugleich Vorstandsmitglied in der Tierschutzorganisation Provieh. Und auch eine Staatsanwältin, gegen die inzwischen nach vermeintlich unberechtigten Tierbeschlagnahmungen wegen Rechtsbeugung ermittelt wird (die LN berichteten), war anfänglich mit dem Fall P. befasst. „Um ein großes Ganzes geht es in dem Verfahren aber nicht. Auch nicht um eine bestimmte Staatsanwältin. Es geht ausschließlich um Sie“, stellte Richterin Roggendorf an den Angeklagten gewandt klar.

Nach Überzeugung des Gerichtes habe er sehr wohl gewusst, dass in seinen Ställen mitnichten alles in Ordnung war. Roggendorf ließ auch die Einwände von P.s Verteidigung nicht gelten, wonach die Zustände auf dessen Hof praktisch die normale Konsequenz der Massentierhaltung gewesen seien. In der Region gebe es schließlich vieler solcher Betriebe, von denen die Justiz aber nie etwas höre, merkte Roggendorf an. „Offensichtlich gelingt es den meisten also, trotz Massentierhaltung den Tierschutzstandards gerecht zu werden.“ Einige der auf dem Hof von P. fotografierten Tiere hätten jedoch ein solches Bild des Jammers abgegeben, dass bei ihnen nicht von einer kurzfristigen Erkrankung oder Begleitumständen der Haltung, sondern einer langen Leidensphase durch Vernachlässigung auszugehen sei.

Veterinärin vom Amt wurde zum Feindbild

Zwar hatte ein Tierarzt den Hof von P. turnusmäßig besucht. Wie aus seinen Rechnungen an den Landwirt allerdings hervorgeht, waren im fraglichen Zeitraum lediglich Blutproben entnommen und Impfungen durchgeführt worden. Behandlungen einzelner Tiere, die bei einigen Rindern dringend notwendig gewesen wären, wurden indes nicht dokumentiert.

Die Frage, ob und inwieweit der zuständige Tierarzt das Verhalten von Horst P. möglicherweise gedeckt hat, blieb am Ende der Verhandlung unbeantwortet. Roggendorf zufolge hätten beide die Tierärztin des Kreisveterinäramtes aus nicht ganz nachvollziehbaren Motiven als „gemeinsames Feindbild“ ausgemacht. Nach Ansicht des Gerichts gebe es aber weder an der Arbeitsweise der Veterinärin noch ihrer Behörde viel zu bemängeln. Sie sei im Gegenteil sehr besonnen vorgegangen. Allein der Umstand, dass die Behörde mit ihrer Anzeige bei der Staatsanwaltschaft noch eineinhalb Jahre gewartet hatte, spreche dafür, dass man sich der existenzbedrohenden Konsequenzen für den Landwirt sehr bewusst gewesen sei. Weder seien deshalb Willkür noch ein „persönlicher Feldzug“ gegen P. erkennbar.

Horst P. sieht das weiterhin anders, blieb auch nach der Urteilsverkündigung bei seiner Auffassung, „dass kein Tierhalter im Kreis Segeberg mehr in Frieden leben kann, so lange diese Tierärztin noch im Amt ist“, sagte er den LN.

Warum die Zustände auf dem Hof aber letztlich waren, wie es das Gericht gestern festgestellt hat, bleibt offen. Möglicherweise war P. der vom ihm allein geführte Betrieb, der zeitweise 300 Rinder, 150 Sauen und 120 Hektar Ackerland umfasste, schlicht über den Kopf gewachsen. Auch Geld könnte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft eine Rolle gespielt haben.

Dafür muss der 57-Jährige jetzt eine Geldstrafe von 250 Tagessätzen zu 70 Euro bezahlen – 17 500 Euro. Wegen der langen Verfahrensdauer erkannte das Gericht aber 50 Tagessätze (3500 Euro) bereits als vollstreckt an. Das vom Amtsgericht 2014 gegen P. verhängte Tierhaltungsverbot wurde aufgehoben. Ob er je wieder Tiere halten darf, ist zwar noch Gegenstand eines Verfahrens vor dem Verwaltungsgericht. „Sollten Sie sich aber wieder dazu entschließen, wird man bei ihnen sicher ganz genau hinsehen“, mahnte Roggendorf. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Von Oliver Vogt

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