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Tödliche Messerstiche: Zehn Jahre Haft für den Täter

Norderstedt/Kiel Tödliche Messerstiche: Zehn Jahre Haft für den Täter

Gericht hat keine Zweifel an der Schuld des 57-Jährigen — Seinen Aussagen zum Tatablauf glaubten die Kieler Richter nicht: Er habe in Tötungsabsicht gehandelt.

Kiel/Norderstedt. Zu zehn Jahren Haft hat das Landgericht Kiel gestern Jack A. verurteilt. Der 57-Jährige hatte seine Lebensgefährtin Anny Q. (Namen geändert) bei einem Streit am 30. Juli 2015 mit 13 Messerstichen getötet. „An der Tat bestand nie Zweifel“, so Jörg Brommann, der Vorsitzende Richter der 8. Strafkammer. A. war, nachdem Nachbarn Hilferufe aus der Wohnung gehört und die Polizei gerufen hatten, allein mit der Toten gewesen. In der Verhandlung räumte er einen Streit ein, dass er Anny das Messer aus der Hand habe nehmen wollen, er die Kontrolle verloren habe, aber die Tat nicht erinnere.

„Die Aussagen des Angeklagten sind mit Vorsicht zu genießen“, sagte Brommann in seiner Urteilsbegründung. Dass das 55-jährige Opfer im Wohnzimmer Melone geschnitten habe und sich A. dann beim Gang ins Bad von ihr bedroht gefühlt haben soll, hielt das Gericht für den Versuch, die Schuld zu mildern. Gegen die Version sprachen nicht nur die Reste der Melone im Müll in der Küche, so der Vorsitzende. Vielmehr glaube er den Aussagen der Polizeibeamten, denen A. direkt nach der Tat von einem Streit berichtet habe, weil Anny ihn nicht mehr heiraten wollte. A. habe sie geschlagen und Anny Q. ein Messer aus der Küche geholt, berichtete einer der Beamten.

A. war auf die Hochzeit angewiesen: Der Ghanaer hielt sich illegal im Land auf. Mit Anny Q., einer tief religiösen Frau und Laienpredigerin in einer afrikanischen Kirchengemeinde in Norderstedt, war A. seit 2010 liiert. Die beiden planten eine sogenannte Stellvertreterhochzeit in Portugal, um seinen Aufenthalt zu legalisieren — auch noch zum Schluss, als es große Probleme in der Beziehung gegeben hatte, davon war das Gericht überzeugt. Aber: „Am Tattag wollte sie es nicht mehr.“

Vorangegangen war ein Streit im Januar. Anny Q. hatte gegenüber Freunden angegeben, A. habe sie beleidigt, weil sie keine Kinder bekommen könne. A. sollte ausziehen, tat das aber nicht. Bis sie das Schloss ihrer Wohnung in Norderstedt austauschte. Nur nach Vermittlung durch die Kirchenobersten ließ sie den Angeklagten wieder in die Wohnung, jedoch ohne eigenen Schlüssel. Am Abend des 30. Juli eskalierte die Situation — sie wollte verreisen, er sollte aber nicht in der Wohnung bleiben dürfen.

Anny Q. „blieb bei ihrer harten Haltung“, so Brommann, der überzeugt davon ist, dass A. ihr mit der Faust ins Gesicht schlug — der Befund der Rechtsmedizin unterstützt diese Annahme. Es könne sein, dass Q. ihm verärgert erklärt habe, dass sie ihn nicht mehr heiraten wolle, ihn zum Verlassen der Wohnung aufgefordert habe. „Um dem Nachdruck zu verleihen, bewaffnete sie sich mit einem Messer.“

Klar ist: A. nahm Q. das Messer ab und stach mehrfach auf ihren Oberkörper ein. Der tödliche Stich ging ins Herz. Die Blutspuren im Flur — aber nicht im Wohnzimmer — sprechen dafür, dass Anny Q.

rücklings auf dem Boden gelegen haben muss. A.s Aussagen dazu blieben lückenhaft. Brommann jedoch ist überzeugt davon, dass der Angeklagte nicht alles erzählt habe, der Kampf müsse umfassender gewesen sein. So zeigten Fotos vom Tatort unter anderem eine zerbrochene Bürste, blutbeschmiert. Der Griff, so Brommann, lag im Flur bei der Leiche. Den Bürstenkopf fanden die Ermittler im Schlafzimmer.

An der Tötungsabsicht besteht für das Gericht kein Zweifel. Für eine Affekttat gab es bis auf die Anzahl der Stiche keinen Hinweis. Aber gerade die Schnitte im Gesicht des Opfers, so Brommann, seien später zugefügt worden und hätten eher den Charakter von Verstümmelung. Und die Zeugen beschrieben A. nach der Tat als ruhig, aber keineswegs abwesend.

Totschlag wird mit fünf bis 15 Jahren Haft bestraft. Da A. nicht vorbestraft ist, geständig war und als „haftempfindlich“ gilt — seine Familie lebt in Ghana, er spricht kaum Deutsch — verhängte das Gericht zehn Jahre Gefängnis. Die Verteidigung hatte acht Jahre gefordert, der Staatsanwalt zwölf.

Von Nadine Materne

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