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Segeberg Tödlicher „Whatsapp“-Unfall: Gericht spricht Fahrer frei
Lokales Segeberg Tödlicher „Whatsapp“-Unfall: Gericht spricht Fahrer frei
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00:44 13.06.2018
Nur noch ein Trümmerhaufen: Die Fahrerin dieses gelben Kleinwagens wurde bei dem Unfall auf der A 7 tödlich verletzt. Quelle: Fotos: Danfoto/sergio Di Fusco
Bad Bramstadt/Neumünster

Im Prozess um einen tödlichen Verkehrsunfall auf der A 7 bei Bad Bramstedt hat das Schöffengericht in Neumünster den vor der Kollision mit seinem Smartphone beschäftigten Fahrer gestern vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine 18-monatige Bewährungsstrafe und 5000 Euro Schmerzensgeld für die Hinterbliebenen des Opfers gefordert.

Freispruch nach einem tödlichen Unfall auf der Autobahn für den Fahrer, der während der Fahrt eine Whatsapp-Nachricht schrieb. Die Kollision sei auch ohne Handynutzung möglich gewesen, urteilte am gestrigen Dienstag das Schöffengericht in Neumünster.

Zwar war das Schöffengericht laut Urteilsbegründung davon überzeugt, dass der 71-jährige Angeklagte im Januar 2017 auf der Fahrt in Richtung Norden bei 120 km/h sein Handy bediente, um eine Whatsapp zu beantworten. Doch sei nicht auszuschließen, dass die tödlich verunglückte Fahrerin (33) eines gelben Polo den schweren Unfall allein verschuldet habe.

Ein Kfz-Sachverständiger hatte dem Spurenbild am Unfallort entnommen, dass ihr Kleinwagen mit nur 52 bis 62 km/h vom Standstreifen auf die rechte Fahrbahn wechselte, während der Angeklagte ihn mit doppelter Geschwindigkeit von der Überholspur kommend erfasste. Beide Fahrzeuge hatten laut Gutachten ihren Geradeauskurs noch nicht wieder erreicht und prallten mit einem Winkel von zwölf Grad aufeinander.

Warum hatte der Angeklagte an jenem Vormittag den gelben Polo am rechten Rand der kaum befahrenen Autobahn nicht wahrgenommen? Für den Oberstaatsanwalt Achim Hackethal, der „mit ziemlicher Sicherheit“ Berufung gegen den Freispruch einlegen will, lag die Begründung klar auf der Hand: „Der Angeklagte hatte seinen Blick beim Überholvorgang nicht dort, wo er hingehörte.“ Auch der damals acht Monate alte Sohn des Opfers hätte bei dem Unfall sterben können, betonte er.

Von einem Urteil erwartete der Staatsanwalt auch ein Signal an die Autofahrer. Deren massenhaftes Fehlverhalten im Umgang mit dem Handy am Steuer treibe die Unfallzahlen in die Höhe und müsse unterbunden werden.

Auch der Vorsitzende sah im in der Handynutzung des Angeklagten „schon ein immenses Binden der Aufmerksamkeit“. Möglicherweise habe es daran gelegen, dass das Hindernis aus Sicht des Fahrers „plötzlich da war.“ Doch die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Polofahrerin ordnungsgemäß mit einer normalen Lenkbewegung vom Standstreifen auf die rechte Fahrspur einfädelte, reiche nicht aus. „Wir können nicht ausschließen, dass der Unfall auch ohne Bedienen des Handys passiert wäre.“

Dem 45-jährigen Fahrer eines zuvor vom Angeklagten überholten Kleinlasters war an der Fahrweise des VW Polos allerdings nichts weiter aufgefallen. „Aus 500 bis 600 Metern“ hatte er beobachtet, wie der Peugeot des Angeklagten mit normalem Abstand rechts einscherte“.

 Sekunden später sah der Zeuge dann nach eigenen Angaben „überall Trümmer herumfliegen und wie die Autos sich drehten“.

 Von Thomas Geyer

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