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Segeberg Toiletten-Revolution aus Rickling
Lokales Segeberg Toiletten-Revolution aus Rickling
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20:44 14.02.2018
„Das Ding des Jahres“ heißt die neue Pro7-Show, in der Otto aufgetreten ist. Juroren sind unter anderem Lena Gercke und Joko Winterscheidt.
Rickling

Es gibt Dinge, über die spricht man nicht öffentlich. Etwa über alles, was mit Verdauung zu tun hat zum Beispiel. Und schon gar nicht über das, was am Ende dabei herauskommt. Doch Wojciech Otto, 50-Jähriger Lkw-Fahrer mit polnischen Wurzeln aus Rickling, hat sich auf den Weg gemacht, das Klopapier zu revolutionieren. Und dafür ist es nun einmal unvermeidlich, die Stille um besagtes Örtchen zu durchbrechen.

Die Idee zum besseren Klopapier ließ Lkw-Fahrer Wojciech Otto nicht mehr los. 2015 begann er zu tüfteln. Der Prototyp seiner patentierten, mehrlagigen „Hygienevorrichtung“ brachten ihm die Erfinder-Goldmedaille und einen TV-Auftritt ein – nur ein Investor fehlt noch.

15 Kilogramm Klopapier

verbraucht

jeder Deutsche

statistisch im Jahr.

2,5

Milliarden Rollen

kommen so bundesweit zusammen.

Ein Video zum Thema

finden Sie unter:

LN-online.de/Segeberg

Europas Toilettengänger lassen sich im Bezug auf die Hygiene beim großen Geschäft in zwei Kategorien einteilen: die Knüller und die Falter. Der Unterschied ist selbsterklärend. Was beide eint, ist der meist viel zu hoch angesetzte Blattverbrauch, damit die Finger auch ja sauber bleiben. Das ist bei Erwachsenen so und bei Kindern. Der Nachwuchs geht dabei allerdings offener mit dem Thema um.

Und als Ottos Tochter im Kleinkindalter einmal fragte, wie viel Papier man nehmen müsse, damit die Hände nicht schmutzig werden, kam ihm ein Geistesblitz. Er erinnerte sich an ein eigenes dringendes Bedürfnis, als er mit seinem Truck unterwegs und lediglich ein Kaffeefilter zur Hand war. . .

Wojciech Otto ist ein Tüftler mit Leib und Seele. Das Haus, in dem er mit seiner Familie lebt, hat er selbst konstruiert und gebaut. Im Bastelraum stehen bunt bemalte Holzfiguren – Deko. Der Kita im Dorf hat er Steckenpferde gebaut. Die Tütenform geisterte gleich durch seinen Kopf. Seine visuelle Vorstellungskraft ist enorm, aber der Computer sei nicht seins, sagt er von sich selbst, auch wenn der ihm bei der Recherche für seine Erfindung oft geholfen habe. Am Anfang standen die Fragen: Gibt es so etwas schon? Was bietet die Branche an? Er informierte sich und probierte aus, halbierte Küchenrollen, faltete, versuchte es mit Zusammenheften und mit Klebeband. Er baute sich sogar aus dem Zahnrad eines Druckerzubehörs spezielles Werkzeug, um Vliesstoff zu verbinden, besorgte sich ein handliches Gerät für die Perforation – jedes Blatt einzeln und in stundenlanger Friemelarbeit.

„Jeder Fehler macht eine neue Idee, so wird etwas immer perfekter“, sagt der Erfinder, schmunzelt, nimmt einen Teelöffel Nussnougat-Creme, verteilt sie auf der Faust und nimmt einen der Prototypen.

„Es ist ganz einfach: Mit der ganzen Hand rein, die Spitze eindrücken und wegwischen – Hand bleibt sauber.“

Die Familie und enge Freunde waren 2016 die erste Testgruppe. „Die Frauen waren alle begeistert“, erinnert sich Ehefrau Bianca Otto. Der Moment, einen Fachanwalt zu konsultieren und ein Patent für seine mehrlagige „Hygienevorrichtung“ anzumelden, war gekommen. Im vierstelligen Bereich hat die Familie dafür investiert. „Wir sind ganz normale Leute, das ist schon eine Herausforderung, aber ich wollte auch wissen, ob es als ,Kleiner Mann’ gelingen kann.“ Es kann. Mit seinen handgemachten Musterkollektion als „To Go“, Rollen und Verpackungs-Factice ging es Anfang 2017 auf die Erfindermesse nach Genf. „Die Tütchen kamen sehr gut an“, erinnert sich Wojciech Otto, der für sie die Goldmedaille einheimste. Eine Italienerin habe damals nach dem Muster gegriffen und rief „Good for camping“.

Sie wäre fast mit seinem Prototypen in der Masse verschwunden. Auch Vertreter von Hotels zeigten sich sehr interessiert, denn dort ist der Verbrauch an Toilettenpapier zumeist sehr hoch, da angebrochene Rollen bei Zimmerwechsel immer entsorgt werden. „Meine Idee ist also sogar ökologisch.“ Und sie sei auch als Alltagshelfer vielseitig – etwa beim Eisessen oder um etwas hineinzulegen.

Otto: „Multifunktional, wie das Schweizer Messer unter den Klopapieren.“

Großen Zuspruch gab es für die Erfindung auch in der neuen Pro7-Show „Das Ding des Jahres“ am vergangenen Wochenende. Was Wojciech Otto jetzt noch fehlt, ist ein Investor oder eine Firma, um seine „Hygenievorrichtung“ zu produzieren.

Heike Hiltrop

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