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Segeberg Tote Teresa: Fünf Jahre Haft gefordert
Lokales Segeberg Tote Teresa: Fünf Jahre Haft gefordert
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21:07 02.10.2017
Kiel/Sülfeld

Die aus Eritrea nach Deutschland geflüchtete Mutter habe sich des Totschlags durch Unterlassen schuldig gemacht, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Winterfeldt vor dem Kieler Landgericht. Die 23-Jährige habe ihrem Kind unmittelbar nach der Geburt jede Hilfe verweigert, „in einer Phase, in der ein Leben nicht schutzloser sein kann“. Das sei trotz mildernder Umstände für die schwer traumatisierte und depressive Frau besonders verwerflich und strafverschärfend.

Die 23-Jährige war auf ihrer Flucht in Libyen gefangengenommen und mehrfach von mehreren Männern vergewaltigt und dadurch schwanger geworden. Sie habe deswegen auch keine Beziehung zu dem Kind aufbauen können, sagte Winterfeldt. Das erkläre aber nicht, warum sie ihr Baby sterben ließ und nicht etwa nach der Geburt zur Adoption freigegeben habe.

Anders als von ihr vor Gericht behauptet, habe die Angeklagte die Geburt sehr wohl bemerkt und das Kind einfach liegenlassen, sagte Winterfeldt. Es war gesund, voll entwickelt und lebensfähig, habe aber keine Chance gehabt. Das kleine Mädchen starb nach Aussage eines Rechtsmediziners spätestens 30 Minuten nach der Geburt.

Verteidigerin Nicole Buchert-Cochanski plädierte dagegen auf Freispruch. In diesem Fall gebe es keine Schuldigen, sondern nur Opfer, sagte sie. Sie gehe davon aus, dass die Mutter zur Tatzeit steuerungs- und damit schuldunfähig gewesen sei. Die 23-Jährige habe den Tod des Kindes nicht billigend in Kauf genommen.

Das Kind kam laut Anklage zwischen dem 10. und 13. Oktober 2015 zur Welt – gesund und voll lebensfähig. Der Leichnam des kleinen Mädchens, dem die Kirchengemeinde Sülfeld vor der Bestattung den Namen Teresa gegeben hat, war in jenem Oktober in Einkaufstüten verpackt an der Bundesstraße 432 gefunden worden. Über ein Jahr lang sei die Mordkommission jedem noch so kleinen Hinweis nachgegangen, um die Mutter zu ermitteln. Die 23-Jährige, die in einem Flüchtlingsheim lebte, wurde schließlich durch eine Speichelprobe überführt. Das Urteil soll am morgigen Mittwoch verkündet werden.

LN

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