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Segeberg Trampen 2.0: Mitfahrnetz Segeberg ist online
Lokales Segeberg Trampen 2.0: Mitfahrnetz Segeberg ist online
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22:20 15.01.2018
Mitfahrbänke und Hinweisschilder sollen Treffpunkte markieren, damit Fahrern die Beteiligung leicht gemacht wird, erklärt Arne Hansen (r.).
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Bad Segeberg

Bisher stehen natürlich nur Testfahrten im System, erklärte Frank Dalock bei der Präsentation des Mitfahrnetzes im Kreishaus. Dalock ist Geschäftsführer von Marktplatz GmbH. Die Lüneburger Online-Agentur hat die Ausschreibung des Kreises gewonnen, das Segeberger Mitfahrnetz zu entwickeln. Als Standort gibt Dalock Bornhöved auf dem Laptop an, Zielort: Bad Segeberg. Datum auswählen oder offen lassen, suchen. Das System zeigt eine Autofahrt an, die ein Herr Schmitt eingestellt hat von Ruhwinkel nach Bad Segeberg. Dabei fährt er auch durch Bornhöved. „Nun kann ich Herrn Schmitt eine Nachricht schreiben, dass ich mitfahren möchte.“

Den virtuellen Startknopf für das neue Mitfahrnetz Segeberg hat Landrat Jan Peter Schröder am Montag in Bad Segeberg gedrückt. Und schaltete damit eine Internetseite frei, auf der jeder Autofahrten einstellen und suchen kann, um Fahrgemeinschaften zu bilden: www.mitfahrnetz-se.de.

Es ist im Grunde wie trampen. Doch statt den Daumen rauszuhalten, sucht der Reisende nun auf einer Internetseite nach einer Mitfahrgelegenheit.

Mitfahrnetzwerke sind nicht neu. Ein prominenter Vertreter ist etwa Bla Bla Car. Das Segeberger Mitfahrnetz ist jedoch für den Nahverkehr gedacht und das erste dieser Art in Schleswig-Holstein. Es soll gerade im ländlichen Raum Lücken im öffentlichen Nahverkehr abdecken. „Den ländlichen Raum mit dem ÖPNV stündlich abzudecken, ist finanziell nicht zu organisieren“, sagt Arne Hansen. Beim Projekt Segeberg 2030 war er Leiter der Arbeitsgruppe Mobilität, in der die Idee gereift ist, den bestehenden Verkehr für ein Mitnahmenetz zu nutzen. „Meistens sind im Auto mehrere Plätze leer“, verdeutlicht auch Landrat Schröder. Eine im Grunde alte Idee, die Dank technischer Möglichkeiten nun umgesetzt werden kann. Nach langer Planung ist die Plattform jetzt fertig. Sie muss aber noch mit Leben gefüllt werden.

Hat ein Nutzer einmal ein Profil angelegt, ist eine anstehende Fahrt mit wenigen Klicks inseriert: Strecke angeben, Zeit auswählen, veröffentlichen. Ist jemand an einer Mitfahrt interessiert, wird der Inserent per E-Mail benachrichtigt und weitere Absprachen können getroffen werden, etwa zum Treffpunkt. Das browsergestützte Netzwerk läuft auf allen Geräten: PC, Tablet, Smartphone, betont Dalock.

Mit einer großes Marketing-Kampagne soll das Mitfahrnetz Segeberg nun bekannt gemacht werden. Damit und mit der Bereitwilligkeit der Segeberger, einen anderen Menschen einen Platz im Auto anzubieten, steht und fällt das Projekt. „Es funktioniert, wenn sich möglichst viele Beteiligen“, sagt Gordon Gröfke von der Marketing-Agentur Marktrausch. Um das Mitfahrnetz nun zu bewerben, sollen in Dörfern etwa Treffpunkte mit den knallroten Schildern markiert werden, die auf das Mitfahrnetz hinweisen. Zum Beispiel Bushaltestellen – auch in Klein Gladebrügge sollen die Haltepunkte markiert werden, um es den Autofahrern zu erleichtern. „Damit sie nicht noch ewig nach ihrem Mitfahrer suchen müssen“, sagt Bürgermeister Arne Hansen. Auch markante Mitfahrbänke können von den Gemeinden geordert werden.

Immerhin sind bereits 40 Gemeinden im Kreis Partner des Mitfahrnetzes.

Aber auch insbesondere um Betriebe wollen sich die Marketingspezialisten bemühen. Etwa um den Supermarkt, der einen Haltepunkt vor seiner Tür platziert und im Gegenzug damit im Internet mit seiner Unterstützung der Nachbarschaftshilfe wirbt, erklärt Gröfke den Ansatz. Besonders große Unternehmen mit vielen Mitarbeitern helfen dabei, das Angebot bekannt zu machen – und an potenzielle Fahrtenanbieter zu gelangen. Bonussysteme und virtuelle Orden im Profil, etwa für die Menge angebotener Fahrten, soll weitere Anreize schaffen. Ob das reicht? Zwei Jahre lang steht nun die Finanzierung für das Mitfahrnetz und dessen Vermarktung, dann muss Bilanz gezogen werden. Knapp 250000 Euro kostet das Projekt. Über die drei Aktivregionen konnten 145000 Euro aus EU-Fördertöpfen generiert werden.

Fahrtenvermittlung

Eine Hotline zur Vermittlung von Fahrten wurde eingerichtet unter:

04551/951555

Wer unsicher ist im Umgang mit dem Internet und sich deshalb nicht zutraut, das Angebot zu nutzen, hat die Möglichkeit, per Telefon Fahrten anzubieten oder sich eine Mitfahrgelegenheit vermitteln zu lassen. Die Abrechnung des Anrufes erfolgt nach dem Ortstarif.

Im Internet ist das Mitfahrnetz zu erreichen über die Online-Adresse www.mitfahrnetz-segeberg.de. Das Angebot ist kostenlos und soll eine Ergänzung zum ÖPNV darstellen. Die Daten des HVV sind mit eingespeist und bei jeder Streckensuche werden – wenn vorhanden – Bus- oder Zugverbindung angezeigt.

 Nadine Materne

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