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Segeberg Trappenkamp: Wird Schule umbenannt?
Lokales Segeberg Trappenkamp: Wird Schule umbenannt?
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21:21 14.07.2016
Pädagoge, Politiker, SS-Mann: Gerhard Gerlich (1911-1962).

Die Tage für den Namen der Dr.-Gerlich-Schule in Trappenkamp scheinen nun doch gezählt. Nach Bekanntwerden, dass Namensgeber Gerhard Gerlich vor seiner Polit-Karriere in der Landes-CDU Mitglied der SS war, wollte die Schule den Namen loswerden. In einem ersten Gutachten war vor allem analysiert worden, dass Gerlich seine SS-Mitgliedschaft in seinem Entnazifizierungsverfahren verschwiegen hatte. So konnte der Pädagoge überhaupt Karriere machen. Über ein halbes Jahr nach dieser Veröffentlichung will Bürgermeister Harald Krille (SPD) eine Sondersitzung des Gemeinderats einberufen, um über eine mögliche Umbenennung zu diskutieren. Er plädiert für einen „klaren Schnitt“: „Ich würde den Wunsch der Schule unterstützen.“

„Ich werde den Wunsch der Schule unterstützen.“Harald Krille

Ende 2015 als das Gutachten veröffentlicht und die Schulkonferenz ihr Votum für eine Namensänderung kund getan hatte, tat sich Krille noch schwer mit dieser Aussage.

Auch die Gemeindevertretung verschob eine Entscheidung, gab stattdessen ein zweites Gutachten in Auftrag, das Gerlichs Wirken als Politiker beurteilen sollte. Immerhin habe sich Gerlich sehr für den Ort eingesetzt – „maßgeblich für die Eigenständigkeit der Gemeinde“, sagt Krille.

Dr. Ulrich Erdmann hatte bereits das erste Gutachten verfasst und eine neue Auseinandersetzung mit Gerlichs Lebensleistung und den Voraussetzungen dafür empfohlen. Auf den 149 Seiten seines zweiten Gutachtens über Gerlichs Wirken zwischen 1947 und seinem Tod 1962 zeichnet er das Bild eines machtbedachten Politikers. Detailliert werden parteiinterne Scharmützel beschrieben. Als katholischer Sudetendeutscher mauserte sich Gerlich zur Führungsfigur der Vertriebenen in der CDU. Er war seit 1950 im Landtag, gehörte ab 1951 zu den stellvertretenden CDU-Landeschefs.

Auf Gesuch des Trappenkamper Sudeten Walter Holey nutzte Gerlich ab 1955 seine Kontakte, um die Unabhängigkeit Trappenkamps zu forcieren, die im April 1956 Realität wurde, begleitet mit Landesmitteln zur Finanzierung von Schule, Turnhalle und Kita. Was davon im Einzelnen Gerlich zuzuschreiben ist, sei schwer nachzuvollziehen laut Gutachten.

In der Diskussion um den Umgang mit aus der NS-Zeit Vorbelasteten setzte sich Gerlich laut Erdmann unter anderem für die Integration von ausgeschlossenen Verwaltungspersonal ein. 1958 unterstützte Gerlich den heftig kritisierten Abgeordneten Heinz Reinefarth, einen ehemaligen SS-General: Auch einen Mann, der unter dem Nationalsozialismus eine hohe Stelle eingenommen habe, dürfe man nicht bis an sein Lebensende disqualifizieren, zitiert Erdmann Gerlich.

Bürgermeister Krille will nun „nach vorne schauen“, der Schule keine Steine in den Weg legen. Ob auch die Gemeindevertretung dem Wunsch der Schule folgt, wisse er nicht. Im August soll die Sondersitzung dazu stattfinden.

Nadine Materne

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