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Segeberg Trappenkamper Know-how für Europa
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21:10 28.06.2013
Sea & Sun-Geschäftsführer Heinz Schelwat führt Europaparlamentarierin Ulrike Rodust (SPD) durch das Gewächshaus mit den ersten neuen Bioreaktoren. Sie wurden zusammen mit der Firma Hako entwickelt. In ihnen sollen sich Mikroalgen möglichst schnell vermehren.
Trappenkamp

Eigentlich ist die Firma Sea & Sun Technology für ihre Messtechnik im Wasser bekannt. Sonden, die physikalische und chemische Parameter in Süß- und Salzgewässern messen, auch in Tausenden Metern Tiefe, werden in Trappenkamp gebaut. Dazu Kameras. Die Technik wird in die ganze Welt verkauft. Doch vor zwei Jahren sind Geschäftsführer Heinz Schelwat und sein Team unter die Algenzüchter gegangen. Das Ziel ist die Herstellung von Nahrungsergänzungsmitteln im großen Stil. 2,5 Millionen Euro will das Unternehmen im nächsten Jahr investieren. Für Ulrike Rodust, Abgeordnete des Europäischen Parlaments, hat das Algen-Projekt noch ganz anderes Potenzial. Sie glaubt, es könnte eine Alternative für die zum Scheitern verurteilte Kleinfischerindustrie in Südeuropa werden.

Wie eine mit Wasser gefüllte durchsichtige Trennwand sehen die neuen Bioreaktoren aus. Es blubbert in den Kammern. 40 Stück dieser Geräte, die Sea and Sun mit der Firma Hako entwickelt hat, sollen in einem ersten Schritt in dem firmeneigenen Gewächshaus aufgestellt werden — zur Züchtung von Mikroalgen. Haematococcus heißt der begehrte Einzeller, um den es geht. Unter bestimmten Bedingungen produziert er das Carotinoid Astaxanthin. Bei Fischen führt der Farbstoff nach der Nahrungsaufnahme zur rötlichen Färbung des Fleisches. Als Nahrungsergänzungsmittel für den Menschen werde ihm eine allgemeine Immunstärkung nachgesagt, so Schelwat.

Begehrt auf dem

Weltmarkt

Der 53-Jährige will bis Ende des Jahres „einige 100 Kilo“ Astaxanthin extrahieren und eine eigene Pille entwickeln. Das Mittel sei äußerst begehrt auf dem Weltmarkt. Das Kilo Astaxanthin sei 100 000 Euro wert. „Und es wächst nach“, ist Schelwat euphorisch. Mit einer Geschwindigkeit von 100 Prozent in 20 Stunden. Bis 2015 soll die Jahresproduktion bei bis zu 15 Tonnen Algen liegen.

Dazu müssten aber noch gut 2000 weitere Bioreaktoren auf dem Gelände aufgestellt werden.

Die zweite Alge, auf die es Schelwat und Projektmanager Dr. Karsten Pankratz abgesehen haben, heißt Nannochloropsis, eine Alge, die zu 50 bis 60 Prozent aus Omega 3-Fettsäure besteht. Daraus will Schelwat die erste pflanzliche Omega-3-Ölkapsel entwickeln. Schon in der nächsten Woche sollen zwei große so genannte Raceway Ponds mit 50 000 Litern Fassungsvermögen, in Betrieb gehen, darin sollen Nannochloropsis gezüchtet werden. Erwartet wird eine Ernte von fünf Gramm pro Liter.

Der Markt für Mikroalgen bietet laut Pankratz enormes Potenzial. Der Rohstoff sei knapp. 2010 seien gerade einmal 8000 Tonnen Mikroalgen gezüchtet worden. Weltweit. „99 Prozent davon entfallen auf die Algen Chlorella und Spirulina“, erläutert Pankratz. Sie würden in Reformhäusern als Nahrungsergänzungsmittel verkauft. Noch viel Luft nach oben also. In zwei Jahren hofft Schelwat, die Algenzuchttechnik im Gewächshaus soweit entwickelt zu haben, dass er auch die verkaufen kann.

Europaparlamentarierin Ulrike Rodust ist begeistert von den Plänen bei Sea & Sun. In Brüssel zuständig für Fischerei und Landwirtschaft, sieht sie enormes Potenzial in der Arbeit. Ganz besonders interessant ist für sie ein auch vom Land Schleswig-Holstein gefördertes Projekt, bei dem Algenkulturen durch Exkremente von Fischen gedüngt werden. Spiegelkarpfen Paul und seine Freunde werden laut Schelwat nach dem Sommer wieder in den Bornhöveder See gegeben. Rodust denkt aber schon an die Möglichkeiten für Kooperationen zwischen Fischzucht und Landwirtschaft. In Südeuropa gebe es Regionen, die lebten zu 80 Prozent von der Fischerei. „Es können nicht alle überleben“, so Rodust. Eine Alternative könnten Aquakulturen sein, mit gleichzeitiger Nutzung des Fischkots als Dünger für verschiedenste Pflanzen.

Spezialist für Messtechnik

1998 wurde die Sea & Sun Technology GmbH in Trappenkamp gegründet. Das Unternehmen, das mit drei Mitarbeitern startete, ist auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb hochtechnologischer Unterwassermesstechnik spezialisiert. Die Sonden messen laut Firmenchef verschiedenste physikalische und chemische Parameter — PH-Wert, Salzgehalt und damit einhergehende Leitfähigkeit des Wassers, Sauerstoffgehalt, Temperatur und weitere, je nach Bedarf der Kunden auf der ganzen Welt. Der Bau dieser Messtechnik bildet nach wie vor das Kerngeschäft.

Photovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke bilden das zweite Standbein der Firma, bei der laut Geschäftsführer Heinz Schelwat heute 45 Mitarbeiter beschäftigt sind. Dazu gehören Physiker, Software-Spezialisten, Ingenieure und neuerdings Biologen. Denn die Produktion von Mikroalgen und die Steuerung industrieller Prozesse sind weitere Unternehmensbereiche.

Nadine Materne

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