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Segeberg Trappenkamps Bufdi baut eine kulturelle Brücke
Lokales Segeberg Trappenkamps Bufdi baut eine kulturelle Brücke
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15:10 30.03.2016
Seit diesem Monat ist Mostafa Alshwali Bufdi in Trappenkamp. Der Syrer unterstützt nachmittags die Trainer vom TVT beim Sport mit Flüchtlingen und die Leiterin des Jugendzentrums Svenja Lutkat. Quelle: Fotos: Materne

Am Eingang zur Sporthalle steht Tennis-Spartenleiter Friedhelm Hammes mit einem Sack voller Hallenschuhe für Kinder. Gesponsert vom Landessportverband aus dem Programm „Sport für alle“. Seit November bietet der TV Trappenkamp unter anderem Tennis für Flüchtlingskinder an. Jeden Dienstagnachmittag — nur an der stetigen Beteiligung hapert es noch etwas, sagt Hammes. Bei der Vermittlung von mehr Verbindlichkeit, aber vor allem als Hilfe bei der Verständigung soll künftig ein neuer Bufdi (Bundesfreiwilligendienst) unterstützen: Mostafa Alshwali aus Syrien.

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Der Syrer Mostafa Alshwali ist beim TVT und im Jugendzentrum tätig — Er ist einer von nur drei Bundesfreiwilligen mit Flüchtlingsbezug in Schleswig-Holsteiner Sportvereinen.

„Ich will helfen, ich mag Sport und ich freue mich, wenn die Kinder Spaß haben.“Mostafa Alshwali, syrischer Flüchtling

und Bundesfreiwilligendienstler

„Als kulturelle Brücke“, wie TVT-Vorsitzender Hans-Henning von Reichenbach es nennt. Das Tennistraining der Kleinen ist aber nur eines von vielen Einsatzgebieten.

Der 30-Jährige lebt seit 14 Monaten in Deutschland und ist inzwischen anerkannter Flüchtling. „Das ist eine Voraussetzung, um den Bundesfreiwilligendienst machen zu dürfen“, sagt von Reichenbach.

Fünf Bufdi-Stellen mit Flüchtlingsbezug hat die Landessportjugend bewilligt bekommen für die soziale Arbeit in Sportvereinen. Eine davon hat der TVT bekommen, es ist die dritte im Land, berichtet von Reichenbach. Beim Barsbütteler SV arbeitet bereits ein 23-jähriger Afghane und beim TSV Nord Harrislee ein 42-jähriger Syrer.

Seit März ist Mostafa Alshwali im Einsatz beim TVT und im Jugendzentrum, die beiden Einrichtungen teilen sich die Teilzeitstelle. 20,5 Stunden. Der Syrer freut sich über seine Aufgabe. In seinem Heimatland sei er Anwalt gewesen. Ein Beruf, den er in Deutschland nicht ausüben können wird, doch Mostafa will sich nützlich machen. „Ich mag Sport. Und ich freue mich, wenn die Kinder Spaß haben“, sagt der zweifache Vater und erzählt davon, gerne eine Mannschaft aufbauen zu wollen. Vielleicht Fußball, eine Leidenschaft von Alshwali. An diesem Tag hilft er den neuen Kindern zunächst, die passenden Hallenschuhe zu finden.

Der Terminkalender des Syrers ist gut gefüllt: Montags hilft er beim Kinderturnen mit und beim Fußball mit den Kleinen, dienstags mit der A-Jugend. Mittwochabend betreut Mostafa eine Erwachsenenspielgruppe im Juz. „Somit bedient er im Jugendzentrum auch eine andere Zielgruppe“, sagt Juz-Leiterin Svenja Lutkat. Wie es der Zufall will, sind zudem die Flüchtlingskinder in der Gemeinde eher jünger, nur wenige seien im Teenageralter, so Lutkat. Eine Mischung mit den Größeren, um die sie sich kümmere, sei schwierig. Deshalb werden sie von Mostafa betreut. Donnerstags unterstützt er das Tennistraining, freitags steht Zumba und die Kinderspielgruppe auf dem Programm — wie auch am Wochenende. Dazu kommen Projekte in Tanz und Theater. Nicht ausschließlich für Flüchtlinge, betonen Lutkat und von Reichenbach. Viele Angebote sind offen für alle.

Als Mostafa gefragt wurde, ob er den Bufdi-Job machen wolle, hat er gleich zugesagt. Um zu helfen, um noch mehr Deutsch zu lernen, erzählt er. Vormittags besucht Alshwali einen Sprachkursus, nachmittags ist er Bundesfreiwilliger. Alshwali ist dankbar, Frieden in Deutschland gefunden zu haben für sich, seine Frau und die beiden Kinder, die inzwischen bei ihm in Trappenkamp leben. Die Familie kommt aus der Nähe von Damaskus. In Syrien hätte er in die Armee gemusst und in den Krieg ziehen müssen. Deshalb sei er geflohen — mit einem Schlepperboot über das Mittelmeer nach Italien und schließlich nach Trappenkamp. Ihm sei wichtig, dass seine Kinder eine Zukunft haben, dass sie zur Schule gehen können, ohne Krieg. Er ist froh über sein neues Zuhause, sagt er, auch wenn ihm nicht verborgen geblieben ist, dass es Menschen gibt, die Angst vor Flüchtlingen haben oder sie gar ablehnen. Doch Mostafa ist positiv: „Die Flüchtlinge müssen dankbar sein. Wir müssen zeigen, dass wir lernen wollen und arbeiten.“ Dann würden die Leute merken, dass sie „keine Angst vor uns zu haben brauchen“. Auch das will er als Bufdi vermitteln. Doch erst mal müssen die Tennissachen vernünftig weggeräumt werden. Alle gemeinsam.

Von Nadine Materne

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