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Segeberg Trauer im öffentlichen Raum: Kreuze für Henner sollen weg
Lokales Segeberg Trauer im öffentlichen Raum: Kreuze für Henner sollen weg
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11:33 07.06.2016
Dominique Dardaillon (19) würde sich freuen, wenn die Trauerstätte für ihren toten Freund Henner an der Schule bestehen bleiben dürfte. Quelle: nam

Zwei Holzkreuze stehen im Eingangsbereich der Burgfeldschule in Bad Segeberg, am Rand des Parkplatzes. Umringt von Kerzen und Blumen. „Henner“ steht auf einem geschrieben, ein Foto des 25-Jährigen steckt am zweiten. Henner ist tot. In der Nacht zum 1. Mai wurde er auf dem Schulgelände bei einer Auseinandersetzung zweier Gruppen mit einem Messer schwer verletzt und starb. Henners Freunde kommen regelmäßig hierher, um zu trauern, doch nun sollen sie die Kreuze wegräumen – und reagieren mit Unverständnis.

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Hinterbliebene des 25-Jährigen reagieren mit Unverständnis auf die Aufforderung der Schule am Burgfeld – Stadtverwaltung verweist auf Möglichkeit privater Trauerstätten.

„Die Urne von Henner wird nach Südfrankreich überführt, zum Grab seiner Mutter“, sagt Henners Jugendfreund Marcel Hinz. „Wir haben sonst keinen Platz zum Trauern.“ In einem Schreiben der Schule wird Henners Vater Gerhard Hügle gebeten, die Gedenkstätte „im Laufe des Junis“ abzubauen. Man könne sie nicht dauerhaft behalten, schreibt Schulleiter Bernd Falkenhagen.

Hinz macht die Stadtverwaltung dafür verantwortlich. Sie habe auch veranlasst, dass die Kreuze bereits einmal versetzt wurden. Zuerst hatten sie am Verbindungsgang zwischen Rantzau- und Burgfeldschule gestanden – am Tatort. Nach einigen Tagen seien die Kreuze vom Hausmeister – einem städtischen Angestellten – entfernt worden. Dieser, so berichtet Hinz, habe den Hinterbliebenen dann die neue Stelle am Parkplatz zugewiesen. Vermeintlich außerhalb des Schulgeländes. Der Schulleiter habe ihm gegenüber befürwortet, die Kreuze stehen zu lassen, beteuert Hinz.

Von einem Missverständnis spricht dagegen Schulleiter Falkenhagen. „Ich hatte nichts dagegen, dass die Kreuze begrenzt für eine gewisse Zeit stehen bleiben.“ Bis Ende Juni, das seien dann zwei Monate. Seinetwegen hätten sie für diese Zeit auch am Ort des Geschehens stehen bleiben können. Den Parkplatz – der ebenfalls zum Schulgelände gehöre – halte er für ungeeignet, da dies der Hauptzugang zur Schule sei. Anders wäre es, wenn jemand im schulischen Umfeld zu Tode komme – wie etwa bei Opfern des Amoklaufes in Winnenden oder für die toten Schüler aus Haltern nach dem Flugzeugabsturz. „Dann muss es sicherlich eine Trauerstätte auf dem Schulgelände geben“, so Falkenhagen.

„Das soll auch ein Mahnmal sein für die Jugendlichen“, argumentiert dagegen Henners Vater. Sein Sohn sei in einem Streit erstochen worden. „Einen Streit kann man auch mit Worten lösen. Das Leben ist kein Wegwerfartikel“, das könne man Schülern zur Gedenkstätte erzählen. Er verstehe nicht, warum diese dort nicht bleiben kann. „Wir würden sie auch pflegen“, sagt Hinz, der sich in der Sache auch schon an die Stadt gewandt habe, aber abgeblockt worden sei: Es gebe überhaupt nirgends in Bad Segeberg Kreuze im öffentlichen Raum, habe es geheißen. „Das stimmt aber nicht“, sagt Hinz und verweist auf ein Holzkreuz am Bahnübergang der Hamburger Straße – mutmaßlich Eigentum der Bahn.

Das letzte Wort im Fall der Trauerstätte für Henner hat die Stadt als Verwalterin des Schulverbands, Eigentümer des Schulgeländes. „Eine abstrakte Norm gibt es zum Aufstellen solcher Kreuze nicht“, sagt Bauamtsleiterin Antje Langethal im LN-Gespräch. Jeder habe Verständnis für die Trauer von Angehörigen nach einem solchen Unglück. „Für die akute Trauerphase belassen wir solche Trauerstätten auch.“ Damit die Hinterbliebenen eine private Trauerstätte schaffen könnten. „Dies gewähren wir auch eine Zeit lang.“ Sonst würde es schwierig, wollte jeder seinem persönlichen Trauerbedürfnis in der Öffentlichkeit nachkommen.

An Straßen entschieden sich die zuständigen Stellen oft dazu, privat aufgestellte Kreuze für Unfalltote stehen zu lassen als Mahnung für eine angemessene Fahrweise, sagt Langethal. Die Gewaltsituation auf dem Schulgelände sei aber von außen auf das Gelände gebracht worden und nicht von den Schülern. Auch deshalb wolle man die Kreuze nicht dauerhaft dort stehen lassen, so Langethal.

Das will Hinz nicht akzeptieren und kündigt an: „Wir werden die Kreuze nicht wegräumen.“

 Nadine Materne

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