Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg „Paul“ sorgt für Trinkwasser in Uganda
Lokales Segeberg „Paul“ sorgt für Trinkwasser in Uganda
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:06 09.10.2018
Hermann Hauprich, Hartmut Weidmann, Henry Möller, Karlheinz Steiner, Iris Weidtmann, Gerd Peukert (unten, v. li.) Holger Bonkowski, Bernd Schulz-Christen und Hans Jürgen Römmelbein (oben, v. li.) vor dem Gestell, das in Uganda die Trinkwassertanks tragen soll. Quelle: Petra Dreu
Hamdorf/Bad Oldesloe

 Sitzt, passt und hat Luft: Zur Probe hat eine Hand voll Männer mitten in Hamdorf eine Aufbereitungsanlage für Regenwasser zusammengebaut, die voraussichtlich Ende Oktober in einem 20-Fuß-Container auf große Fahrt nach Uganda verschifft wird. Anfang 2019 wird ein Teil der fleißigen Helfer auf eigene Kosten ins Flugzeug steigen und die Anlage für die Hilfsorganisation „Tabitha Global Care Germany“ in dem 6218 Kilometer entfernten Kawolokota, einem kleinen Dorf 70 Kilometer von der Hauptstadt Kampala entfernt, aufbauen.

Mit dabei wird Iris Weidtmann aus Hamdorf sein, die dem kleinen Ort bereits im April diesen Jahres einen Besuch abgestattet hat. „Frauen habe es dort besonders schwer. Stirbt ihr Mann, werden sie von den Familien verstoßen. Ihnen bleibt nur das Leben auf der Straße. Um solchen Frauen eine Unterkunft geben zu können, haben mein Mann und ich 10000 Euro für ein Doppelhaus gespendet. Ich bin hingefahren, um nachzusehen, was aus unserem Geld geworden ist“, erzählt Iris Weidtmann, die sich als Mitglied der Freikirche „Gemeinde Gottes“ noch gut an Reinhard Berle erinnern kann, der bis 1991 Pastor in Bad Segeberg war und später die Hilfsorganisation „Tabitha Global Care“ gegründet hat.

Die Vorbereitungen für das Trinkwasserprojekt in Uganda laufen bereits auf Hochtouren. Am 15. Oktober soll der Container verschifft werden.

Was sie in Kawolokota gesehen hat, hat sie zum Teil gefreut, zum anderen Teil aber auch erschüttert. „In unserem Haus lebt in der einen Hälfte eine Großmutter mit ihren Enkeln, in der anderen eine Frau mit ihren Kindern. Die Dankbarkeit, nicht mehr aus der Straße leben müssen, ist grenzenlos“, erzählt Iris Weidtmann. Inzwischen stehen in der Siedlung „Tabitha Village“ mehrere Wohn- und Gemeinschaftshäuser, ein Kindergarten, eine Vorschule und auch ein Nähzentrum. Iris Weidtmann hat aber auch die bittere Armut des Landes gesehen und weiß, wie schwierig es ist, sauberes Trinkwasser zu bekommen.

„Der nächste Brunnen ist 1,5 Kilometer entfernt. Das Wasser muss zu Fuß geholt werden. Man hat versucht, in der Siedlung selbst nach Wasser zu suchen. 90 Meter tief ist gebohrt worden. Auf Grundwasser aber ist man leider nicht gestoßen“, bedauert Iris Weidtmann, die mit ihren Erzählungen den Ehrgeiz des Oldesloer Verfahrenstechnikers Gerd Peukert geweckt hat, der sich gemeinsam mit Hermann Hauprich (Trier), Hartmut Weidtmann (Hamdorf), Henry Möller (Wahlstedt), Karlheinz Steiner (Schackendorf), Holger Bonkowski (Krems II), Bernd Schulz-Christen und Hans-Jürgen Römmelbein (beide Bad Segeberg) an die Arbeit gemacht hat, um das Wasserproblem von Kawolokota zu lösen.

Tabitha Global Care

„Tabitha Global Care“ ist ein gemeinnütziger Verein, der mit verschiedenen Projekten in Afrika Hilfe zur Selbsthilfe leistet. Dazu gehört das dörfliche Entwicklungsprojekt für benachteiligte Familien in Kawolokota/ Uganda. Erster Vorsitzender ist Reinhard Berle, der bis 1991 in Bad Segeberg Pastor der Freikirche „Gemeinde Gottes“ war. Wer mehr über das Projekt erfahren oder es unterstützen möchte, erhält nähere Infos bei Iris Weidtmann unter Telefon 04551/84690 oder im Internet unter www.tabithaglobalcare.com.

„In Uganda regnet es oft. Wenn man das Regenwasser auffangen könnte, hätte man schon viel erreicht“, erzählt Gerd Peukert. So einfach, wie es sich anhört, ist das in dem afrikanischen Land jedoch nicht. „Durch die Wärme verkeimt das Wasser viel zu schnell. Darin kann man vielleicht Wäsche waschen, als Trinkwasser aber ist es absolut nicht geeignet“, so Peukert. Rat holte er sich bei Leuten, die schon oft in die Krisenregionen dieser Welt gerufen worden sind, um dort eine Trinkwasserversorgung aufzubauen, dem Technischen Hilfswerk in Itzehoe.

Die Ratschläge der Fachleute setzte Gerd Peukert in die Tat um. Er konstruierte ein Gestell, das zwei Wassertanks mit zusammen 40000 Liter Inhalt tragen soll. Gespeist werden die Tanks mit dem Regenwasser, das von den Dächern der neuen Häuser aufgefangen wird. Eine Solarpumpe sorgt dafür, dass rund 1000 Liter in einen Zwischenspeicher gepumpt werden. Von dort aus sickert das Wasser dem Gesetz der Schwerkraft folgend durch einen tragbaren Wasserfilter, der einst im Auftrag der Bundesstiftung Umwelt von Professor Frechen an der Universität Kassel für Katastrophenfälle entwickelt wurde. Der tragbare Filter hat sogar einen Namen: Portable Aqua Unit for lifesaving, kurz „Paul“ genannt. Eine 25 Meter lange Leitung ermöglich dann die Wasserentnahme über eine öffentliche Zapfstelle. Gerd Peukert: „Ganz unkontrolliert wird das nicht abgegeben. Es wird so etwas wie ein Wasserkontor gegründet werden, der darauf achtet, dass jeder nicht mehr als drei Liter pro Tag bekommt.“

Petra Dreu

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Schärfere Kontrollen bei der Müllabfuhr: Alle Tonnen im Kreis sollen ab 2020 mit Chips ausgestattet werden. Dadurch fliegen „schwarze“ Behälter auf. Hauptausschuss muss noch zustimmen. Zudem sollen alle 34 Papiercontainer-Stellplätze aufgegeben werden.

09.10.2018

Er hat länger gedauert und teuer geworden ist er auch, der erste Schritt zur Marktplatz-Sanierung. Immerhin konnte Wahlstedts Verwaltung die gute Stube der Stadt nun offiziell freigeben.

09.10.2018

Wegen des Einsatzes eines Rettungshubschraubers nach einem Unfall auf der A7 bei Neumünster ist die Autobahn in Fahrtrichtung Norden kurze Zeit gesperrt worden.

09.10.2018