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Segeberg Zu wenig Regen für Pilze
Lokales Segeberg Zu wenig Regen für Pilze
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19:39 17.10.2018
Für Pilzsammler ist die Saison 2018 eine echte Achterbahnfahrt. Lediglich ein paar kahle Kremplinge finden sich bei einem Ausflug durch den Wald mit Pilz-Coach Monika Weber (73) aus Kaltenkirchen. Quelle: Heike Hiltrop
Bad Segeberg/Ahrensburg

Das Laub unter den Füßen raschelt wie Seidenpapier, Äste brechen knackend unter jedem Schritt: „Man merkt gleich, dass das hier alles trocken ist, dabei dachte ich es ist eine gute Stelle“, sagt Pilz-Coach Monika Weber. „So wie dieses Jahr war’s noch nie“, ergänzt sie und schaut in den leeren Korb. Lediglich ein paar „Kahle Kremplinge“ kann der geschulte Blick der Naturführerin am Waldboden entdecken – und die sind giftig. „Da, ein Ziegenbart, auch klebriges Hörnchen genannt“, sagt sie und zeigt auf ein winziges orangefarbenes Fädchen: „Doll ist der auch nicht, die sind sonst mehr als doppelt so groß.“ Die Pilzsaison in diesem Jahr läuft schlecht – zu trocken, zu warm. Steinpilze, Maronen und andere Köstlichkeiten gibt der Wald im Segebergischen normalerweise her, doch derzeit ist die Ausbeute mehr als mickrig.

Ziegenbart: Für Pilzsammler ist die Saison 2018 eine echte Achterbahnfahrt. Pilz-Suche mit Monika Weber. Quelle: Heike Hiltrop

„Wenn es mal geregnet hat und man wartet ein paar Tage, dann hat man mit Glück den Korb voll, aber so wie es jetzt ist, wird das schwierig“, umreißt Monika Weber die Achterbahnfahrt, die die Pilzsammler in diesem Jahr mitmachen. „Wir haben auch schon ein paar Steinpilze und Maronen gefunden, aber nicht so wie sonst.“

Flemming Hamester hat eine riesige Krause Glucke gefunden. Quelle: Bettina Albrod

Ein echter Glückspilz ist dagegen Flemming Hamester, der mit einem Riesenexemplar der schmackhaften Pilzart „Krause Glucke" im Beimoorwald bei Ahrensburg nach Hause stiefelt. Die ist in dieser Saison so ziemlich die einzige Pilzsorte, die man finden kann. Da der Niederschlag bislang fehlte, haben sich nur einige wenige Sorten nach oben gewagt, die es wie der Hallimasch, die „Krause Glucke“ oder der Falsche Pfifferling warm und trocken mögen. Der Rest lässt sich nicht blicken, ergänzt Pilzexperte Ingo Hartung.

Ausbeute nach zwei Stunden im Beimoorwald. Quelle: Bettina Albrod

Was den einen frustriert, erleichtert den anderen. Denn weniger Pilze, das bedeutet auch weniger Pilzvergiftungen: „Trotzdem haben wir jeden Tag eine Hand voll Meldungen“, sagt Professor Andreas Schaper, einer der Leiter des Giftinformationszentrums Nord (GIZ-Nord) in Göttingen. Es ist für Schleswig-Holstein, Hamburg, Bremen und Niedersachsen zuständig. Knapp 100 Anrufe gingen im September ein. Zum Vergleich: 2017 waren es zur gleichen Zeit 175 Fälle, die beim GIZ-Nord eingegangen waren. „Es reicht auch nicht aus, sich Bücher oder Apps zu besorgen“, mahnt Schaper. Nur wer einen Kursus bei einem Mykologen mache minimiere das Risiko einen Speise- mit einem Giftpilz zu verwechseln, ist er sicher.

Hier gibt es die Pilzinfos

Pilz-Exkursionen sind sehr beliebt. Die nächsten, für die es noch Plätze gibt, unternimmt Naturführerin Monika Weber am 2. November ab 14 Uhr. Treffpunkt: Kaltenkirchen, Penny-Parkplatz an der Kieler Straße 57. Anmeldungen per E-Mail sind an das Postfach rausindienatur-weber@gmx.de möglich. Der Giftnotruf vom Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein ist unter der Nummer: 05 51/19 240 erreichbar. Weitere Infos gibt es auch über die Deutsche Gesellschaft für Mykologie. Der Verein hilft auch bei Pilzbestimmung weiter.

Dagmar Dettloff-Scheff ist so eine Pilzsachverständige. Als Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Mykologie, also der Pilzkunde, bei der auch Monika Weber geprüft wurde, steht sie hilfesuchend zur Seite. Die Barkerin sieht die derzeitige Situation differenziert: „Champignons auf den Wiesen hat es massenhaft gegeben.“ Sie sieht dagegen starke Verzögerungen durch das Wetter: „Das was wir sonst Ende Juli, Anfang August hatten, das haben wir jetzt und die Saison kann durchaus bis in den November gehen“, zeigt sie sich verhalten optimistisch, dass noch was kommen kann.

Mit dem Regen kommen auch die Pilze

„Es braucht nur ein paar Tage Regen, dann sind sie da“, ist auch Monika Weber sicher, dass Marone, Steinpilz und Co. sprießen werden, wenn es denn endlich mal regnet. Lediglich etwa 200 der 5000 in Schleswig-Holstein vorkommenden Pilzarten seien essbar, ergänzt die Naturführerin und warnt: „Lieber stehen lassen, wenn man sich nicht wirklich ganz sicher ist. Und: Finger weg von weißen Pilzen im Wald.“ Denn immer wieder komme es zu Verwechslungen von Champignons mit dem hoch giftigen Knollenblätterpilzen.

Heike Hiltrop und Bettina Albrod

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