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Segeberg Tunnelstreit von Negernbötel eskaliert
Lokales Segeberg Tunnelstreit von Negernbötel eskaliert
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21:13 09.05.2017
Werner Kurpas ist empört: So wie auf dem gestellten Foto hatten Unbekannte im Tunnel Feldsteine gelegt. Ein Brocken beschädigte sein Auto. Quelle: Fotos: Glombik
Negernbötel

Über eine Sperrung des Tunnels für den Autoverkehr von Negernbötel unter der A 21 wird jetzt offensichtlich nicht mehr nur friedlich diskutiert. Jetzt müssen Autofahrer, die den extrem engen Tunnel durchfahren, gar mit kriminellen Anschlägen rechnen. Vor wenigen Tagen stieß Werner Kurpas mit seiner Mercedes A-Klasse gegen einen etwa 30 Kilogramm schweren Stein, den Unbekannte auf der Tunnel-Fahrbahn abgelegt hatten. Es entstand Sachschaden am Auto.

Der Tunnel-Weg ist nur für den landwirtschaftlichen Verkehr zugelassen, trotzdem nutzen ihn viele Autofahrer illegal als schnelle Abkürzung.

„Ich war geschockt!“ Der 84-Jährige hielt den Brocken im dunklen Tunnel – es war 20 Uhr – für eine große Plastik- oder Papiertüte. Er fuhr glücklicherweise nur sehr langsam in die Unterführung.

Plötzlich gab es einen lauten Rumms. Der Stein hatte die „Schürze“ des Fahrzeugs eingedrückt, blieb unter dem Auto hängen und wurde mitgeschleift. Kurpas: „Wenn ich mit hohem Tempo hineingefahren wäre, wie es andere Autofahrer hier oft machen, hätte es schlimm enden können.“ Achsenbruch, gegen Tunnelwand geschleudert, Fahrzeug in Brand geraten: Vor den Augen von Kurpas entwickeln sich einige lebensgefährliche Szenarien.

Das sei kein Dummer-Jungen-Streich. Der oder die Täter müssten mit Gefängnis rechnen, weil es sich bei dem Delikt um einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr handelt. Ähnlich, als wenn man Steine von der Autobahnbrücke werfe. Kurpas zeigte die Tat sofort bei der Polizeistation Wahlstedt an, ohne Hoffnung allerdings, dass die Täter erwischt werden. Am Sonntag kam dem früheren Bürgermeister von Negernbötel (1980 bis 1982) zu Ohren, dass inzwischen ein weiterer Stein aus dem Tunnel geräumt werden musste. Ein Landwirt hatte ihn rechtzeitig entdeckt, bevor er das Hindernis rammte. Zeugen, die den Steine-Schlepper gesehen haben, gibt es nicht.

Die Tunnel-Durchfahrt ist für den normalen Verkehr verboten, nur für landwirtschaftlichen Verkehr, Viehtrieb und Fußgänger sowie Radfahrer ist er offen. Werner Kurpas selbst ist, als zuständiger Jagdaufseher, die Tunnel-Durchfahrt erlaubt, erklärte er den LN.

Die gefährlichen Stein-Blockaden muss man vor dem Hintergrund beurteilen, da jetzt gerade im Dorf intensiv über eine generelle Sperrung der Tunneldurchfahrt für den Autoverkehr nachgedacht wird. Auch Bürgermeister Dieter Beuk hat keinen Verdacht. „Das ist nicht hinzunehmen, wenn dort Steine aus Hinterlist oder Bösartigkeit auf die Straße gelegt werden.“ In der Einwohnerversammlung (die LN berichteten) wurde angeregt, den Tunnel ganz zu sperren. Probeweise könnte dieser für ein oder zwei Wochen geschlossen werden, um festzustellen, ob die geschätzten 150 Fahrzeuge pro Tag statt durch den Tunnel nun über den Lehmberg fahren. Die Feuerwehr müsste dafür eine langfristige Tunnel-Übung bei den Behörden beantragen, so der Plan.

Lutz Hammerich vom SPD-Ortsverein Trave hält es hingegen für unzulässig, auch nur „zur Probe“ den Tunnel zu sperren. Den „Trick 17“, die Feuerwehr eine 14-tägige Übung mit einem Autowrack durchführen zu lassen, hält er für absurd. „Wenn ein Hindernis imTunnel ist, muss dieses schnell entfernt werden.“ Auch sei die Zahl von 150 Autos, die angeblich täglich den Tunnel nutzten, viel zu hoch angesetzt.

Straße entwidmen

Wenn die Negernböteler ihren Tunnel für den Autoverkehr sperren wollen, müsse die Gemeinde ein Verfahren zur Entwidmung der Straße einleiten, teilt die Kreisverkehrsaufsicht mit.

Dann würde man die Straße für den Autoverkehr schließen. Eine Straße nur vorübergehend – probeweise – zu entwidmen und später wieder gegebenenfalls für den Verkehr zu öffnen, sei ein hoher bürokratischer Aufwand.

Wolfgang Glombik

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