Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Segeberg Über 200 wollen Spender für Mike sein
Lokales Segeberg Über 200 wollen Spender für Mike sein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:13 15.04.2016
„Da muss geholfen werden“: Bonnie Schwarwich aus Wahlstedt ist mit Ehemann Sammy und den Kindern gekommen, um sich von Svenja Kay vom UKSH als Stammzellenspenderin typisieren zu lassen. Quelle: Fotos: Materne
Anzeige
Bad Segeberg/Hansühn

Die ersten 50 Blutproben von Schülern des Ausbildungszentrums Ergon in Bad Segeberg hatte das Typisierungsteam von der Uniklinik Kiel schon vor dem offiziellen Beginn der Aktion „Eine Stunde für Mike“ um 13 Uhr zusammen. 500 waren das Ziel für Organisatorin Sonja Otte gewesen, die einen Knochenmarkspender für Mike Strehl finden will. Knapp über 200 wurden es für den 18-Jährige aus Hansühn, der an Blutkrebs erkrankt ist.

Zur Galerie
Sonja Otte organisiert Typisierungsaktion für den 18-Jährigen in Bad Segeberg — Er leidet an Blutkrebs.

Mike macht gerade wieder einen Chemoblock durch. „Ich habe aufgehört zu zählen“, sagt er. Zumindest bekomme er die Medikamente aber gespritzt und kann danach nach Hause. An diesem Tag machen er und Mutter Simone nach der Behandlung im Kieler Uniklinikum einen Umweg über Bad Segeberg. Auch wenn die Chance minimal ist: „Ich hoffe natürlich, dass ein Spender für mich dabei ist. Aber es geht nicht nur um mich.“

Tatsächlich werden die Ergebnisse der Gewebeuntersuchung der an diesem Tag registrierten Stammzellenspender beim Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) gesammelt und mit Patienten wie Mike weltweit abgeglichen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob die Typisierung von der Deutschen Knochenmarkspender-Datei (DKMS) oder wie in diesem Fall vom Kieler Institut für Transfusionsmedizin des UKSH organisiert wird, erklärt Dr. Joanna Miller, Leiterin der Knochenmarkspenderdatei des UKSH. Normalerweise, so Miller, registriert das UKSH die Stammzellenspender über die Blutspende. Nur einige Male pro Jahr würden Typisierungsaktionen wie diese außerhalb der Klinik organisiert.

Nach und nach kommen potenzielle Stammzellenspender in den Spendenraum. Nils Schierbeck aus Groß Niendorf gehört zu den ersten, die am Tisch von Martin Schapke Platz nehmen. „Ein Mal registriert, brauchen Sie sich nie wieder typisieren lassen“, erklärt der Krankenpfleger, während der die Blutentnahme vorbereitet. „Bis zum 61. Lebensjahr bleibt man registriert.“

Spontan ist Amelie Hesker zusammen mit drei Freunden aus der Berufsschule zur Typisierung gekommen. „Wir hatten eine Freistunde und über Facebook von der Aktion erfahren.“ Eigentlich hat die 19-Jährige Angst vor Nadeln. Sie kann gar nicht hingucken, als ihr Svenja Kay vom UKSH in den Arm sticht. „Aber man will ja helfen.“ Das dachte sich auch Bonnie Scharwich aus Wahlstedt, die mit Ehemann und den vier Kindern zum Ergon gefahren sind. „Wir haben das in der Zeitung gelesen und auf Facebook. Uns war klar: Da muss geholfen werden.“

Auch wenn der große Ansturm an diesem Tag ausgeblieben ist, ist Organisatorin Svenja Otte zufrieden und begeistert über die Anteilnahme und Hilfe. Etwa die einer älteren Dame. „Sie ist zu mir gekommen und hat mir einen Briefumschlag übergeben mit 500 Euro.“ Von einer Sammlung beim Geburtstag statt Geschenken, um die Blutuntersuchungen zu finanzieren. „Ist das nicht süß?“ Da kommen auch Mikes Mutter Simone vor Rührung die Tränen. Mehr als 1000 Euro werden durch Spenden gesammelt. „Ich bin überwältigt“, sagt Ott. Auch wenn die 500 Spender nicht erreicht wurden, zu den über 200 Registrierten in Bad Segeberg kommen weitere 100 Spender, die sich an der Polizeischule in Eutin für Mike registriert lassen. Und dort wird noch bis nächste Woche typisiert.

Spenderdatei des UKSH

17 000 Stammzellenspender sind in der Knochenmarkspenderdatei des UKSH registriert. Scheinbar wenig angesichts der über sechs Millionen registrierten Spender der Deutschen Knochenmarkspenderdatei weltweit. „Aber wir sind stolz drauf“, so Dr. Joanna Miller, Leiterin der UKSH-Datei. Und für den Spender mache es keinen Unterschied, wo ein potenzieller Knochenmarkspender registriert wird. Die Vermittlung erfolge über die Zentrale Knochenmarkspenderdatei Deutschland.

29 Menschen aus der Knochenmarkspender-Datei des UKSH waren 2015 tatsächlich als Stammzellenspender für einen Blutkrebspatienten geeignet.

Erst dann folgt die eigentliche Spende.

Wer noch nicht typisiert ist, kann dies auch direkt beim Blutspenden im UKSH machen lassen — einfach vor Ort nachfragen und informieren.

Von Nadine Materne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige