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Segeberg Unbekannte verwüsten "Schöpfungsgarten"
Lokales Segeberg Unbekannte verwüsten "Schöpfungsgarten"
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21:37 26.07.2017
„So sieht es hier mehrmals in der Woche aus“: Uve und Gundula Cornelssen, beide über 80, stehen vor den Trümmern ihrer Aufräumarbeit. Quelle: Lothar Kullack
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Bad Segeberg

Schon wieder Vandalismus im Schöpfungsgarten: „Das ist unglaublich, wie es hier aussieht. Unsere Ehrenamtlichen verlieren die Lust – wir Hauptamtlichen ebenso“, empört sich Michael Modrow, Leiter des benachbarten Kindergartens St. Marien.

Das Kleinod bei St. Marien ist für jedes Alter, auch für die Jugend gedacht. Aber die Zerstörungswut nimmt kein Ende.

Auf Initiative von Modrow und des inzwischen aus Bad Segeberg abgewanderten Pastors Kristian Lüders war der „Generationen- und Schöpfungsgarten“ 2009 entstanden. Inmitten der liebevollen und naturnahen Bepflanzung sollten hier, mitten in der Innenstadt und doch versteckt und ruhig gelegen, alle Menschen Entspannung finden, vom Schulkind bis zum Rentner. Für die Kleinen vom benachbarten Marienkindergarten war der Garten stets Anlaufpunkt, Flora und Fauna zu beobachten – seit drei Jahren sogar Bienen, die Imker Harald Jürgensen hier in zwei Völkern hält.

Der Garten war ein Anlaufpunkt für Kinder – doch welcher Erzieher mag mit Drei- bis Achtjährigen in ein Trümmerfeld aus geleerten Wodkaflaschen, Glasscherben, Dreck und Müll und einen Pavillon mit zum Teil obszön beschmierten Wänden gehen? „An den Pflanzen selbst hat sich zu unserer Zeit nur selten jemand zu schaffen gemacht. Aber es ist schlimm genug, was drumherum passiert“, sagt Gundula Cornelssen. Mit ihrem Mann Uve ist sie erst vor zwei Jahren aus Lübeck nach Bad Segeberg gezogen. Das Ehepaar hat sich rasch und gern zur ehrenamtlichen Helferschar von Rentnern eingefunden, die sich regelmäßig um den Schöpfungsgarten kümmern.

Doch auch den Pflanzen wurde in der Vergangenheit häufig zu Leibe gerückt. Sie wurden zertrampelt oder herausgerissen. „Kita-Gruppen haben hier immer wieder Gemüse gepflanzt – doch eine Ernte gab es nie“, sagt Modrow.

Unverständlich ist dem Kita-Leiter auch das „Problem“ der Sitzmöbel: Hausmeister Andreas Hellberg hatte für die nächtlichen Besucher eigens fünf Plastikstühle besorgt, damit nicht immer wieder in den Pavillon eingebrochen wird. Die Stühle aber wurden „abgefackelt“ und zerschlagen – übrig geblieben ist nur ein einziger.

„Natürlich ist dieser Garten auch für Jugendliche gedacht – aber nur für solche, die sich auch wie Gäste zu benehmen wissen“, sagt Modrow. Dass die Polizei bisher nicht viel ausrichten konnte, sieht der Kita-Chef ein: „Die Beamten können hier schließlich nicht jeden Abend herlaufen.“

Inzwischen sei es soweit, dass in der Kirchengemeinde – der das Gelände gehört – überlegt werde, den Schöpfungsgarten ganz einzustellen. Nur an Harald Jürgensens Bienenstöcken hat sich noch kein Randalierer vergriffen. Da besteht offenbar ausreichend Respekt.

Der Schöpfungsgarten, später „Generations- und Schöpfungsgarten“ genannt, entstand 2009 auf Anregung von Pastor Kristian Lüders und Kita-Leiter Michael Modrow. Vom Kindergartenkind bis zum Rentner sollten die Menschen hier innenstadtnah Entspannung finden.

Von den 50000 Euro Kosten kamen 22000 Euro aus EU-Mitteln.

Architekt Achim Kölbel schuf auf den 1400 Quadratmetern einen Garten mit Buchsbaumhecken und Beerensträuchern, Hochbeeten, Gemüse-, Blumen- und Kartoffelbeeten sowie einen kleinen Sumpf mit sternförmig angelegten Wegen, Nist- und Fledermauskästen, Mergelteichen und Ruhebänken und einem Pavillon. ark

 Lothar Hermann Kullack

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