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Segeberg Und in jeder Kurve klatscht der Regen
Lokales Segeberg Und in jeder Kurve klatscht der Regen
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18:10 17.10.2015
Norderstedt

Sie heißen „Hot Rods“ und sind ein Mittelding zwischen Gokart und Seifenkiste. Wer sich einmal in das enge Cockpit eingefädelt hat, der will nicht wieder ‘raus. Diese kleinen Giftzwerge zu chauffieren hat Suchtpotenzial.

Wie kommt man in diese türlosen Fahrzeuge? Auf den Sitz treten, mit den Händen links und rechts an der Karosserie abstützen, dann die Beine lang nach vorn recken und den Hintern langsam absenken.

Passt! Rechts ist Gas, links die Bremse. Ein Vorwärts- und ein Rückwärtsgang: Die Variomatik greift, sobald man Gas gibt: Und wie! Die Kiste hängt gierig am Gas. Immerhin treiben 13,6 PS sie an.

Spitze: 88 km/h. Stylische Sitzpolster, aber keine Federung, und die Windschutzscheibe ist ein Witz: Hier kriegst du das Fahrfeeling pur. Der Fahrtwind bläst dir ungehindert ins Gesicht. Wie im Rausch bretterst du durch die Gegend. Dir schießt das Adrenalin ins Blut. Du jauchzt vor Freude. Jede Querrille staucht dein Kreuz zusammen, Gullydeckeln und Schlaglöchern solltest du ausweichen, wenn du keinen Bandscheibenvorfall riskieren willst. Doch am Ende der Fahrt sagt jeder: Geile Karre!

Wie kommt man auf die Idee, so einen Winzling in den Straßenverkehr zu schicken, wo der Fahrer auf Reifenhöhe normaler Autos sitzt? Am Anfang war der Aufsitzrasenmäher. Erfinder Maik Wenckstern (54):

„Beim Mähen denkt man: Da müsste mehr Druck drauf sein.“ Soll heißen: Warum fährt das Ding nicht schneller? „Und wenn man sie schneller gemacht hat, möchte man ja gern im Gelände oder auf der Straße damit fahren.“ Zwei Jahre hat er mit seinem Bruder an den Fahrzeugen gearbeitet — bis alle Auflagen des TÜV erfüllt waren. Und die hatten es in sich, erinnert sich Wenckstern: „Gemacht wurden Schuss-, Feuer-, Zug-, Pfeil- und eine Bruchprobe an der Karosserie.“ Alles zusammen ist so was wie ein Crashtest. 2010 rollte der erste Wenckstern als „Sonderfahrzeug“ ohne Gurt-, aber mit Helmpflicht aus der Garage. Angelehnt an heißgemachte Oldtimer in den USA, den Hot Rods, wurden und werden die Vehikel gestaltet. Wencksterns Designvorlage war ein Ford Revolver Hot Rod von 1932.

Gebaut wird auch gern nach Kundenwunsch. „Da ist fast alles möglich“, sagt der Chef von mittlerweile 20 Mitarbeitern. Inzwischen rollen über 300 handgefertigte Wencksterns auf den Straßen, Kosten: ab 14500 Euro.

Mittlerweile gibt es in Europa 20 Mietstationen, unter anderem in Hamburg bei Strand Pauli in der Hafenstraße, wo sich motoraffine Menschen von den gestylten Karossen „anfixen“ lassen können.

Demnächst will Wenckstern Stationen in Dubai und Kapstadt eröffnen.

Wo die Dinger auch auftauchen, machen sie Furore. „Man kommt manchmal bei Grün nicht über die Ampel, weil sich sofort Trauben von Neugierigen um das Vehikel bilden. Man wird ständig fotografiert“, berichtet er. Besonders irre muss es sein, an der Ampel neben einem Lkw zu stehen oder einem Doppeldeckerbus. Da sitzt du niedriger als deren Reifen — und ihren Auspuff hast du ungefähr auf Nasenhöhe. Wenckstern: „Aber uns hat noch nie jemand übersehen, noch nie waren wir in einen Unfall verwickelt.“ Allerdings: Wer sich so ein Wägelchen mietet (meist sind es Gruppen), wird stets von einem Firmen-Guide begleitet. „Ich will meine Autos gern heil zurück“, sagt Wenckstern. „Sobald die Fahrer aus meinem Augenwinkel ‘raus sind, fahren die Rennen — das versuchen sie ja schon in der Gruppe.“

Alle Hot Rods sind Cabrios. „Wenckstern: „Mit Dach würden die total bescheuert aussehen.“ Und wenn‘s regnet? Pech! Vor allem, weil die Fahrzeuge auch keine Schutzbleche an den Rädern haben.

Wenckstern: „Bei Regen spritzt das Wasser ungefähr eineinhalb Meter hoch. Fährst du geradeaus, kriegt du das nicht ab, musst du aber um eine Kurve, duschst du dich von links oder von rechts. Da wirst du klitschnass. Aber wenn du erstmal nass bist, macht das einen Heidenspaß.“

Christian Spreer

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