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„Und wo bleibe ich?“ Wenn Mama in der Psychiatrie ist

Bad Segeberg „Und wo bleibe ich?“ Wenn Mama in der Psychiatrie ist

Neuer Film von Andrea Rothenburg thematisiert Situation und Gefühlslage von betroffenen Eltern und Kindern – Aktionstage in Bad Segeberg starten am 24. Juni.

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„Wo bist Du?“, der Streifen der Berliner Filmemacherin Andrea Rothenburg ist ab dem 26. Juni im Bad Segeberger CinePlanet 5 zu sehen.

Quelle: hfr

Bad Segeberg. „Verpflegt wird das Kind – aber wer kuschelt mit ihm? Wer erklärt dem Kind, was mit der Mama los ist? Wenn man nicht schon wahnsinnig ist, wird man es hier aus Sorge.“ Das, was eine Mutter in einem Gespräch in der Bad Segeberger Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen (KIS) sagt, betrifft viele – aber so richtig etwas mit Plan wird nicht getan für diese ebenso junge wie hilflose Klientel: Die Kinder von Eltern in der Psychiatrie. Ab dem 24. Juni gibt es Aktionstage zum Thema in Bad Segeberg und in Rickling.

Unter dem Motto „Und wo bleibe ich?“ findet im Psychiatrischen Zentrum Rickling eine Fachtagung zum Thema statt (13.30 bis 18.15 Uhr), bei der erstmals die Dokumentation „Wo bist Du?“ der Berliner Filmemacherin Andrea Rothenburg gezeigt wird, die ab 26. Juni im CinePlanet 5 zu sehen ist. Und am 25. Juni gibt es ab 14 Uhr ein „Come together“ betroffener Kinder und Eltern in der KIS.

Andrea Rothenburg hat nicht allein mit psychiatrie-erfahrenen Müttern gesprochen, die während ihrer stationären Unterbringung nicht wussten, was aus ihren Kindern werden soll. Sie interviewte auch Chefärzte und Klinikmitarbeiter, vor allem auch Kinder. Danach gründete sie mit der psychiatrie-erfahrenen Mutter Heike Korthals eine Kampagne für diese Kinder.

Denn die Kliniken reagieren höchst unterschiedlich auf die Kinder ihrer Patienten. Die eine Mutter durfte ihre Tochter nicht einmal zu Besuch mit aufs Zimmer nehmen, weil das Mädchen noch nicht volljährig war. „Dabei war ich noch nicht einmal in der geschlossenen Abteilung, und meine Tochter wollte doch nur wissen, wie ich untergebracht bin. Das war ihr wichtig.“ In anderen Kliniken wiederum gibt es Zuwendung für die Kinder – immer aber aufgrund von Einzelinitiativen eines Arztes oder der Schwestern. Andrea Rothenburg: „In Großstädten wie Hamburg oder Berlin gibt es Gruppen oder Initiativen – die sind aber stets auf sich selbst gestellt und auf Spenden angewiesen.“

Größere Kinder haben schnell heraus, dass es nicht nur körperliche Ursachen haben kann, wenn Mama „nicht funktioniert“. Doch auch kleinere Kinder sorgen sich: Was ist mit der Mutter? Wird sie wieder gesund? Ohne professionelle Hilfe sind die meisten Kinder mit einer solchen Situation überfordert – aber häufig auch davon, dass die Mutter (Väter in der Psychiatrie sind bei einer funktionierenden Betreuung durch die Mutter meist das kleinere Problem) für längere Zeit in der Klinik bleiben muss.

Bei sehr langwierigen Erkrankungen bleiben meist seelische Blessuren zurück. „Ich bin als Kind nie in den Arm genommen worden. Und niemand hat je zu mir gesagt ,Ich hab’ Dich lieb’“, erzählt zum Beispiel eine heute erwachsene Frau, deren Mutter für lange Zeit psychisch erkrankt war. Eine andere Mutter beschreibt, wie während ihrer Erkrankung die vierjährige Tochter gut bei Opa und Oma untergebracht war, sie sich aber als Mutter in der Psychiatrie schlecht und schuldig gefühlt habe.

Andrea Rothenburg (41) ist spezialisiert auf Psychiatrie-Filme, wie auch ihre Berliner Filmgesellschaft heißt. Ihr Umgang mit psychisch Kranken ist unverkrampft – vielleicht weil Ernst-Jürgen Rothenburg, ihr Vater, bis 2008 Chefarzt im Psychiatrischen Zentrum in Rickling war. Dort, im Maleratelier, drehte Rothenburg 2009 – nach vier Jahren Schauspielunterricht und Regiestudium – den Kurzfilm „Gebietsweise Nebel“. Seitdem hat sie Filme über das Borderline- Syndrom, über Alkoholismus und 2015 einen Streifen über drei Frauen gedreht, die sich von ihren psychischen Erkrankungen nicht haben unterkriegen lassen.

„Der Film über die Kinder psychiatrie-erfahrener Eltern hat noch ein schwarzes Loch“, sagt sie. „Wir haben ausschließlich Mädchen und Frauen, die vor der Kamera von ihren Gefühlen erzählen mochten.

Jungen sind doch genauso betroffen – reden aber nicht so offen über ihre Gefühle.“ Diese Lücke hofft sie, bis zur Uraufführung noch schließen zu können. „Sonst gibt es später einen zweiten Teil.“

Filmpremiere am 26. Juni

Freitag, 24. Juni, 13.30 bis 18.15 Uhr: Fachtag für Fachpublikum „Und wo bleibe ich?“ im Psychiatrischen Zentrum Rickling, Daldorfer Straße 2. Näheres unter ☎ 04328/

18279. Anmeldung unter pzr@landesverein.de

Sonnabend, 25. Juni, 14 bis 17 Uhr: „Come together“ – erkrankte Eltern, ihre Kinder und Interessierte sind zu einem Austausch eingeladen. Für die Kinder werden Aktivitäten wie Kinderschminken, Mal- und Kreativarbeiten, eine Spiel- und Bücherecke angeboten. KIS, Kontakt- und Informationsstelle, Lübecker Straße 14, Bad Segeberg.

Sonntag, 26. Juni, 15 Uhr: Premiere des Dokumentarfilms „Wo bist Du? – Kinder psychisch erkrankter Eltern im Fokus“, mit anschließender Diskussion; Kino CinePlanet 5, Bad Segeberg, Oldesloer Straße 34. Eintritt zehn Euro, ermäßigt acht Euro. Der Film wird auch am Montag, 27. Juni, und am 29. Juni jeweils ab 17.30 Uhr ohne Diskussion gezeigt. Kartenvorbestellungen unter www.cp5.de.

Lothar Hermann Kullack

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