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Segeberg Unter die Lupe genommen: Der Kalkberg, der aus Gips ist
Lokales Segeberg Unter die Lupe genommen: Der Kalkberg, der aus Gips ist
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20:18 14.09.2013
„Karren“ werden die Rinnen im Karstgestein genannt, die bei der Exkursion am Kalkberg unter die Lupe genommen wurden. Quelle: Fotos: Hiltrop

„Für viele ist das, was tief unter der Grasnarbe los ist das große Unbekannte — schade“, bedauert Umweltingenieur Rolf Konkel und wartet am Fuße des Kalkbergs auf die Geologen Kerstin Pfeiffer und Franziska Burmeister vom Geopark Nordisches Steinreich. Die haben soeben mit einer Gruppe aus gut 20 Leuten den Gipfel erklommen, denn an diesem Wochenende wird der Tag des Geotops begangen. Zum zwölften Mal laden die Experten geologische Laien und Hobbyforscher ein, um steinerner Erdgeschichte auf den Grund zu gehen, aber auch um dieses besondere Gebiet der Natur aus seinem Schattendasein zu rücken. Erstmals und in Kooperation mit dem Noctalis mitten in der Kreisstadt.

„Die Menschen denken bei Bad Segeberg an Winnetou und an Fledermäuse, aber nicht an Geologie“, bedauert Kerstin Pfeiffer, die sonst übers Jahr beispielsweise in Kiesgruben auf Exkursion geht. „Dabei ist der Kalkberg geohistorisch weltweit einzigartig“, schwärmt sie. Helgoland sei Erdmittelalter, aber Bad Segeberg, das sei Erdaltertum. „Sie stehen hier auf einem Stück Meer. Anderswo müsste man sehr tief graben, um an so einen Ort zu gelangen“, macht die Expertin ihren Zuhörern die Besonderheit deutlich und weckt die Neugier bei ihnen. Die Fachfrau berichtet vom Riesenkontinent Gondwana.

Sie erzählt von Kontinentenkollisionen und informiert über Klimawandel, der mit dem heutigen kaum zu vergleichen ist, denn er kostete einst über 90 Prozent der früheren Arten das Leben. Kerstin Pfeiffer thematisiert das Eindampfen des Zechsteinmeeres, das es vor vielen Millionen Jahren zwischen England und dem Baltikum gegeben hat. Sie beweist, dass der Berg aus Gips besteht und erklärt, weshalb der Kalkberg gar nicht aus Kalk sein konnte, was sicherlich auch Bad Segebergern im Detail gar nicht so bekannt sein dürfte und Gäste überrascht. Deutlich wird während der Exkursion vor allem, was für ein kurzer Moment, erdgeschichtlich gesehen, ein paar Millionen Jahre sein können. Und dass „unlebendige Natur“, wofür Steine oft angesehen werden, ganz schön lebendig sein kann.

Die Gruppe lernt, dass die tiefen Rinnen, die sich über den Berg ziehen, Karren genannt werden und Auswaschungen sind, die nun gespannt unter die Lupe genommen werden. Die Teilnehmer erfahren in gut eineinhalb Stunden, dass Gipsmörtel aus Bad Segeberg schon im 9. Jahrhundert als Baumaterial benutzt und wie er verarbeitet wurde. Dann geht es unter Führung von Norbert Biß in die Kalkberghöhlen, die im März 1913 entdeckt wurden.

Der Geopark Nordisches Steinreich lädt heute zur Exkursion „Von Walen und Meer“ nach Groß Pampau ein. Und am 22. September gibt es eine Schnupperexkursion bei Tensfeld. Mehr Infos unter www.geopark-nordisches-steinreich.de

Heike Hiltrop

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