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Segeberg Unterhaltsame Doku mit Schwächen
Lokales Segeberg Unterhaltsame Doku mit Schwächen
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20:32 06.07.2017
Bad Segeberg

90 Minuten Karl May – tragen die Segeberger Spiele eine solche (Spiel)Filmlänge? Ja, sie tragen es, kann man nach der Ausstrahlung des Dokumentarfilms „Als Winnetou in den Norden kam“ am vergangenen Mittwoch im NDR-Fernsehen sagen.

Angereichert mit Höhle und Höhlenkäfer, Noctalis und den Fledermäusen, Geschichte des Stadions als von Goebbels eingeweihte „Nordmark-Thingstätte“ war ein ebenso spannender wie unterhaltsamer Abend zu erleben. Die Anwohner kamen zu Wort („An manchen Tagen kommen wir eben nicht ’raus“), die Stadt- und Karl- May-Historiker Ekkehard Bartsch, Hans-Werner Baurycza und Peter Zastrow, und so manches aus dieser Doku war auch altgedienten Karl-May-Guckern neu. So etwa, dass einst im Frisiersalon Soltau ein Original Segeberger Brauner zum Schecken umfrisiert wurde – armes Pferd. Oder dass Jan Fedder schon im Jugendalter am Kalkberg drehte, dabei aber so stark Hamburgisch sprach, dass er nachsynchronisiert werden musste. Oder dass der große Max Schmeling, im Oktober 1945 Ringrichter bei Boxkämpfen am Kalkberg, sicherheitshalber im Polizeigewahrsam schlief, da die britischen Besatzer ihn als ehemaligen Kreta-Fallschirmjäger aus dem Zweiten Weltkrieg nicht verknusen konnten.

Interessant war auch die Gegenüberstellung der Produktionskosten: Von 25 000 Mark im Gründungsjahr 1952 bis 4,5 Millionen Euro, die heute pro Saison investiert werden. Dafür kann man zwei bis drei „Tatorte“ drehen – die Krimis aber werden nicht 72 Mal pro Saison aufgeführt und sie hatten auch nicht wie die Segeberger Spiele 11,5 Millionen Zuschauer in 3000 Vorstellungen. Zwei Dinge aber verwunderten dann doch sehr und sind eigentlich nur dadurch zu entschuldigen, dass die NDR-Redakteure eben nicht „von hier“ sind und manches nicht wissen können, wenn es ihnen niemand erzählt:

Nicolas König ist zugegebenermaßen seit vielem Jahren dabei, was mehrfach im NDR-Film groß herausgestellt wurde. In nur einer Szene ist dagegen kurz zu sehen (und das auch nur an der Seite von König) der eigentliche Langzeit-Star der Segeberger Karl- May-Geschichte: Joshy Peters spielt seit 25 Jahren mit und hat am Kalkfelsen – im Gegensatz zu König, der meist „nur“ die feindlichen Indianerhäuptlinge spielt – alle großen Westmann- Rollen verkörpert, von Old Shatterhand bis Old Surehand, und dazu noch die größten Bösewichter, die der sesshafte „Reiseschriftsteller“ aus Radebeul erdachte.

Noch unverzeihlicher aber ist, dass in dieser Karl-May-Historie ein Name gar nicht fiel: Klaus-Hagen Latwesen, erstmals in den 1970er Jahren Winnetou-Darsteller und später jener Intendant, der die Spiele durch die finanziell gefährlichen Zeiten führte und als Erster auf kurzweilige, actiongeladene Abenteuer setzte. So wie es der Film darstellte, gab es erst den finanziellen Einbruch . . .

und dann kam Pierre Brice, der große Retter. Macht sich gut so eine Aussage, ist aber historisch nicht richtig.

LN

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