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Segeberg Untreue: Die Frage nach den Stornobelegen
Lokales Segeberg Untreue: Die Frage nach den Stornobelegen
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21:46 24.05.2016

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass regelmäßig und regulär exakt 650 Euro im täglichen Betrieb des Recyclinghofes Norderstedt storniert werden müssen?

„Gegen Null“, sagte gestern vor dem Norderstedter Schöffengericht ein vom Wege-Zweckverband (WZV) beauftragter Wirtschaftsprüfer aus. Er war bestellt worden, nachdem ein Mitarbeiter der Müll-Annahmestelle des Recyclinghofes monatelang auffällige Stornobelege aus dem Papierkorb gefischt, an die Staatsanwaltschaft übergeben und schließlich die Polizei den Hof und weitere Räume des WZV durchsucht hatte. Auf fast 30400 Euro summieren sich die Stornobeträge, die der Leiter des Recyclinghofes laut Anklage veruntreut haben soll.

Doch ist das Geld wirklich verschwunden? Das kann der Wirtschaftsprüfer im Nachhinein nicht feststellen. Aber auch nicht das Gegenteil, wie er auf Nachfrage von Richter Matthias Lohmann am zweiten Prozesstag aussagte. Dass aber regelmäßig genau 650 Euro in der Registrierkasse storniert werden müssen, weil sich ein Mitarbeiter vertippt hat oder der Kunde doch mit Karte statt bar bezahlt, komme in den täglichen Prozessen nicht vor, betonte der Zeuge. Der Betrag sei viel zu hoch. Die durchschnittlichen Entsorgungskosten der Kunden lägen zwischen zwei und sechs Euro. Auffällig sei bei der Überprüfung auch gewesen, dass immer wieder dieselben Müllfraktionen storniert wurden.

Die Verteidigung ist überzeugt davon, dass die belastenden Storno-Belege manipuliert und im Nachhinein erstellt wurden und der Hauptbelastungszeuge Manfred K. (Name geändert) eine Intrige gegen seinen Mandanten führe. Er werde alles daran setzen, Rechtszweifel aufkommen zu lassen, erklärte Rechtsanwalt Gerald Goecke.

Dass die verdächtigen Stornobelege gefälscht sind, ließ sich gestern nicht beweisen. Die Belege aus der Registrierkasse seien plausibel nummeriert und passten mit anderen Belegen der täglichen Abrechnungen zusammen, so der Wirtschaftsprüfer. Die Kassenabrechnung erstellte in der Regel der Angeklagte. Dass die Stornozettel mit einer Ersatz-Registrierkasse gedruckt sein könnten, lasse sich nicht nachvollziehen. Zudem passen die Zeitstempel auf den Bons mit den Fahrten des Angeklagten nach Norderstedt zusammen, über die er Buch führte. Diese Auffälligkeit habe der Beschuldigte nach der Durchsuchung gegenüber der Polizei eingeräumt, bezeugte ein Beamter vor Gericht. „Er hat aber vehement bestritten, damit etwas zu tun zu haben.“ Vor Gericht schweigt der 40-Jährige weiter zu den Vorwürfen, die sich zwischen Februar und Oktober 2014 ereignet haben sollen, lässt seinen Anwalt reden. Ob denn auch die Möglichkeit geprüft worden sei, dass die Registrierkasse selbst manipuliert werden könnte, per Computer zum Beispiel, wollte Goecke vom Wirtschaftsprüfer wissen. Der verneinte. Das sei nicht sein Auftrag gewesen.

Auch lieferte Goecke ein mögliches Motiv, warum der Hauptbelastungszeuge K. Groll gegen seinen Mandanten hegen könnte: Nach dem Neubau des Recyclinghofes verlor K. seine Position als Anlagenleiter an den Angeklagten, wurde nicht mal dessen Stellvertreter. Auch soll K. im Umgang mit dem Chef einen „beklemmten“ Eindruck machen, so eine Kollegin.

Mit weiteren Zeugen, darunter WZV-Chef Jens Kretschmer, wird der Prozess am 1. Juli fortgesetzt.

Nadine Materne

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