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Untreue-Prozess: WZV-Chef steht zu seinem Mitarbeiter

Norderstedt Untreue-Prozess: WZV-Chef steht zu seinem Mitarbeiter

Fehlende Kontrolle im Kassenbetrieb – Verteidigung beantragt EDV-Gutachten.

Norderstedt. WZV-Verbandsvorsteher Jens Kretschmer hält zu seinem der gewerbsmäßigen Untreue angeklagten Mitarbeiter. Dass der leitende WZV-Angestellte über Monate hinweg 30000 Euro aus der Barkasse des Recyclinghofs Norderstedt genommen und die belastenden Stornobelege dann im Papierkorb daneben entsorgt haben soll: „Das passt nicht zu seinem Verhalten.“ Kretschmers Erklärung: „Die Belege müssen unter der Hand erstellt worden sein.“

 

LN-Bild

„Die Belege müssen unter der Hand erstellt worden sein.“Jens Kretschmer, WZV-Chef

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Diese Argumentation vertritt auch die Verteidigung. Eigentlich sollte es ein Leichtes sein, nachzuvollziehen, wann ein Mitarbeiter einen Bon an der Kasse storniert hat. Doch wie der sachverständige Zeuge Marco Schick gestern vor dem Schöffengericht in Norderstedt aussagte, war das elektronische Journal, das jeden Vorgang auf der Kasse dokumentiert, ausgeschaltet. „Das ist eine wichtige Kontrollfunktion“, so Schick, der von der Polizei beauftragt worden war, bei der Durchsuchung des Recyclinghofes im Oktober 2014 die Daten der Kasse zu sichern.

Doch wie aufschlussreich sind diese? Ja, die Stornobuchungen seien auffällig hoch – regelmäßig wurde ein Betrag von 650 Euro in der Kasse storniert. Normal sei eine Stornoquote bis zu drei Prozent.

Beim Recyclinghof lag diese zwischen 20 und 30 Prozent. Allerdings hatte bereits ein Wirtschaftprüfer nicht feststellen können, ob das Geld auch tatsächlich fehlt.

Laut Schick wurden die belastenden Bons auf der betreffenden Kasse erstellt. Aber ist es möglich, diese Belege im Nachhinein mit Zeitstempel und Belegnummer zu erstellen? „Sportlich“, nannte Schick dies. Denn die Belegnummern können seines Wissens nach nicht einfach verändert werden, und die Stornobelege waren die letzten des Tages, oft dreistellig nummeriert.

Sechs bis acht Stunden benötigte ein mit der Kasse vertrauter WZV-Mitarbeiter, um drei solcher Stornobons zu kopieren. „Das war schon aufwendig.“ Aber es funktioniert. Mit einem elektronischen Journal wäre solch eine Kopie, für die Dutzende fiktive Bons produziert werden müssten, aufgeflogen. Doch offenbar war es gängige Praxis, dieses „Logbuch“ nicht zu gebrauchen. Unpraktikabel, nannte es der Mitarbeiter. Binnen weniger Tage sei der Journal-Speicher voll gewesen, die Kasse blockiert.

Offenbar ist in Norderstedt im Bereich der Registrierkasse einiges schiefgelaufen. Das fängt beim Vier-Augen-Prinzip an. Der Angeklagte erledigte den „Kassensturz“ meist allein, die Mitarbeiter bekamen am nächsten Tag nur die Gesamtabrechnung zu sehen. Und mussten quasi per Bauchgefühl prüfen, ob die Einnahmen stimmen. „Indirektes Vier-Augen-Prinzip“ nannte Kretschmer das. Inzwischen laufe dies anders.

Der Angeklagte ist weiter in leitender Position, hat aber mit der Abrechnung nichts mehr zu tun – auf eigenen Wunsch, so Kretschmer, der große Stücke auf ihn hält: „Ich würde mir wünschen, dass ich mehr wie ihn hätte.“ Zudem habe der Angeklagte bereits 2014 vorgeschlagen, das Kassensystem umzustellen, damit alle Buchungen direkt in den Computer einlaufen. „Damit hätte er sich seine eigene Geldquelle abgeschnitten“, argumentierte der Verbandsvorsteher.

Verteidiger Gerald Goecke will nun durch einen auf elektronische Kassensysteme spezialisierten EDV-Experten klären lassen, ob es weitere, einfachere Wege gegeben haben könnte, die belastenden Stornobons zu erstellen. Außerdem fordert er ein kriminaltechnisches Gutachten zu den fehlenden Fingerabdrücken des Hauptbelastungszeugen auf den von ihm gesammelten Stornobelegen. Goeckes Vorwurf:

Der Zeuge muss die Abdrücke mutwillig entfernt haben, um zu vertuschen, dass sich auch keine Abdrücke seines Mandanten darauf befunden haben. Über die Anträge entscheidet das Gericht frühestens beim nächsten Verhandlungstag am 19. Juli.

Nadine Materne

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