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Segeberg Untreue: Zwölf Monate Haft auf Bewährung
Lokales Segeberg Untreue: Zwölf Monate Haft auf Bewährung
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12:53 12.01.2017
Bad Segeberg

Er hat vor allem das Vertrauen seiner Familie missbraucht: Als Buchhalter Marek P. (Name geändert) in der Firma seines Stiefvaters, ein kleines Unternehmen im Bad Segeberger Umland, hatte er vollen Zugang zu Privat- und Geschäftskonten. In einer finanziellen Notlage, vornehmlich im Frühjahr 2011, nutzte P. dies vielfach aus, wie er gestern vor Gericht beschämt zugab. Am Ende zeigte sich das Schöffengericht in Bad Segeberg gnädig und verurteilte den 34-Jährigen wegen Untreue in 21 Fällen zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung.

Damit blieb das Gericht unter Vorsitz von Richterin Sabine Roggendorf unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die wegen gewerbsmäßiger Untreue auf zwei Jahre plädiert hatte.

Angeklagt waren ursprünglich mehr als 100 Taten: In Dutzenden Fällen hatte sich P. privat über die Tankkarte der Firma bedient. Diese Fälle wurden jedoch eingestellt, da die Mutter des Angeklagten als Firmenbeteiligte den Zugang gewährte – ohne Wissen des Geschäftsführers. „Sie wollte ihrem Sohn etwas Gutes tun“, so Roggendorf. Der hatte sich durch Spielschulden bei illegalen Pokerrunden in die Bredouille gebracht. Dubiose Gläubiger saßen ihm im Nacken. Zu weit ging P. allerdings, als er sich etwa 15000 Euro zu verschiedenen Gelegenheiten als Lohnzuzahlung überwies. In einer Zeit, in der es dem Familienunternehmen nicht gut gegangen sei, tadelte Richterin Roggendorf:. „Andere gehen in Kurzarbeit und Sie zahlen sich das Doppelte aus.“

„Der Tatbestand ist erfüllt“, stellte Roggendorf in fest. Eine Gewerbsmäßigkeit wollte das Gericht jedoch nicht erkennen. Die sehr „straffe Strafzusammenführung“ von nur zwölf Monaten begründete die Richterin unter anderem damit, dass der Familienfrieden offenbar wieder hergestellt sei. Sogar der geschädigte Stiefvater einen Abschluss wünsche. Zudem habe P. selbst die Notbremse gezogen und gekündigt. Mit dem Wissen, dass der Betrug dann auffallen würde. Auch liege der Fall bereits einige Zeit zurück, so Roggendorf. Außerdem sei P. dabei, den Schaden wiedergutzumachen.

 Nadine Materne

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