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Urlaub zwischen Tipi und Lagerfeuer

Fahrenkrug Urlaub zwischen Tipi und Lagerfeuer

Kein Strom, kein Fernsehen, kein Luxus: Im Camp der Holstein-Cowboys kann man den Alltag hinter sich lassen.

In Plauderlaune: Trapper „Hacky“ alias Dirk (53, v. l.) aus Hamburg, der im wirklichen Leben als Hüttenwerker arbeitet, Irokese Gerald (54), der Lagerist aus Lübeck, und Sioux „Wolle“, Wolfgang aus Trappenkamp.

Fahrenkrug. Eine ansteckende Gelassenheit liegt über den hellen Leinenzelten hinter dem Reitstall Mohr. Männer und Frauen sitzen zusammen, Kinder spielen im Gras. Es wird viel gelacht. Auf einem offenen Feuer steht ein Kessel mit heißem Wasser. Im eisernen „Dutch Oven“ garen Bohnen. Ein Mann, gerade einmal mit einem kleinen, roten Stofflappen unterhalb der Hüfte bekleidet, schlendert grüßend vorbei, sein Hund flitzt an ihm vorbei, eine Siedlerin winkt. Ein typischer Tag im Camp der Holstein Cowboys.

LN-Bild

Kein Strom, kein Fernsehen, kein Luxus – Im Camp der Holstein-Cowboys kann man den Alltag hinter sich lassen.

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Zwei Wochen lang haben Siedler, Cowboys, Trapper und Indianer ihr Lager am Dorfrand von Fahrenkrug aufgeschlagen. Manche verbringen hier ihren Jahresurlaub, andere genießen ein paar freie Tage am Lagerfeuer, empfinden das Leben im Nordamerika des 18. und 19. Jahrhunderts nach, so realistisch wie sie glauben, dass es möglich ist – zumindest was die Ausstattung angeht.

„Die Ruhe und die Gemeinschaft sind das Schöne hier“, sagt Andreas Wicht. „Man ist absolut zeitlos, ohne Handy, ohne Uhr.“ Seine Frau Conny rückt den langen Baumwollrock zurecht, zupft an der Häkelstola und macht es sich auf einem Sitzmöbel, das nur entfernt einem Stuhl gleicht und mit einem Fell belegt ist, gemütlich. „Wir dürfen für diese Zeit Kind sein. Jeder von uns schlüpft in eine andere Identität.“ Andreas Wicht ist Cowboy. Das Lasso hängt am Zelteingang. Aber an den Füßen trägt er klobige Holzpantinen. „Genau die hatten sie damals an den Füßen! Die Cowboys haben damals keine Lederstiefel besessen. Das waren arme Viehhirten. Lederstiefel gab es lediglich vom Ranger geliehen, wenn geritten wurde“, räumt der 42-jährige Leezener dann doch mit romantisch verklärter Wild-West-Fantasie auf.

Obwohl im Camp der Holstein Cowboys, es ist das neunte, alles locker gesehen wird wird, legen sie und ihre Gäste viele Wert auf Authentizität. Auch für Besucher, die vorbeischauen. So wandern die Plastikdosen in Holzkisten, der Müll verschwindet in Jutesäcken und die PET-Wasserflasche wird mit einem Leinenbeutel verkleidet. „Im Zelt sieht es anders aus, da braucht man schon mal die Kühlbox oder die orthopädische Matratze und nachts nimmst du die Taschenlampe mit zum Klo.“

Kein Strom, kein fließend Wasser – es wird auf vieles aus dem Alltag verzichtet. „Es ist eine eigene schöne Welt. Meine Eltern hatten dieses Hobby schon in den 1970er Jahren“, sagt Irokese „Okwaho“, der eigentlich Oliver heißt und Tätowierer in Rostock ist. „Hier gibt es keinen Stress, keine bösen Worte“, ergänzt er. „Wir sind selbst das Tages- und das Abendprogramm“, ergänzt Siedlerin Andrea.

„Man ist raus aus allem, von der ersten Minute an“, unterstreicht ihr Mann Lutz und Trapper „Hacky“ ergänzt: „Man merkt auf wie viel man verzichten kann und das ist eine Menge.“

Das Wild-West-Lexikon für Greenhorns

Squaw ist eine böse Verunglimpfung und Beleidigung. Es leitet sich ab von „Otsiskwaw“, was in der Algonkin-Sprache der Mohawks die weiblichen Genitalien beschreibt. Die richtige Bezeichnung der weiblichen amerikanischen Ureinwohner ist Indianerin.

Rope nennen die amerikanischen Cowboys ihr Lasso mit der Schlinge, das sie zum Einfangen der Rinder benutzen.

Cowboy Tent , so bezeichnen die Viehhirten Amerikas ihr Zelt für die Nacht.

Walltent nennt man ein Hauszelt. Es dient den Siedlerfamilien als transportable Unterkunft. Der Unterschied zum Cowboy Tent liegt darin, dass es Seitenwände hat. Ursprünglich war ein Walltent ein reines Militärzelt.

Stagecoach war im Wilden Westen des 19. Jahrhunderts die Bezeichnung für eine Postkutsche.

Greenhorn kommt aus dem Englischen und meint den unwissenden Neuling. Eigentlich wird so das weiche Gehörn junger Tiere bezeichnet. hil

 Heike Hiltrop

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