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Urteil gegen Ex-Buchhalterin: 15 Monate auf Bewährung

Bad Segeberg Urteil gegen Ex-Buchhalterin: 15 Monate auf Bewährung

Angeklagte legt überraschend Geständnis ab / Deal mit Staatsanwaltschaft und Gericht.

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8000 Euro Schaden entstanden bei der Geschädigten, der Versorgungseinrichtung der Ärztekammer in Bad Segeberg.

Quelle: Mario Kohlmus

Bad Segeberg. Mit einem unerwarteten Geständnis konnte der Prozess gegen die ehemalige Buchhalterin der Versorgungseinrichtung (VE) der Ärztekammer, Vanessa G.

Aus dem

Amts-

gericht

(abgekürzte Namen geändert) gestern beendet werden. Das Amtsgericht verurteilte die 37-Jährige wegen gewerbsmäßigen Betrugs und Untreue in acht Fällen zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung.

Der zweite Prozesstag begann mit einer Verständigung. Hinter verschlossenen Türen verhandelten Staatsanwaltschaft, Gericht und die Verteidigung einen Strafrahmen von zwölf bis 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung für ein Geständnis. Wie berichtet, war Vanessa G. bis Anfang 2008 Buchhalterin bei der VE der Ärztekammer in Bad Segeberg und zuständig für die Immobilienverwaltung.

Auch sie hatte eine der Wohnungen gemietet. Offenbar steckte G. bereits 2006 in finanziellen Schwierigkeiten, konnte ihre Miete nicht zahlen. Im September des Jahres buchte sie fünf Monatsmieten eines anderen Mieters auf ihr Mieterkonto um. Damit das fehlende Geld nicht auffiel, manipulierte G. das Mieterkonto und löschte die Zahlungsforderung. Einer Kontrolle unterlag G. nicht.

Mit einem Nicken und knappen „Ja“-Antworten bestätigte die Angeklagte schließlich die Vorgänge. Genau wie die Aussagen der zwei Zeugen gestern. So erschien die ehemalige Vermieterin Petra K., in deren Wohnung G. etwa 2007 eingezogen war. Auch hier geriet G. in Zahlungsrückstand. Warum, blieb offen. „Das weiß ich nach zehn Jahren nicht mehr“, so die Angeklagte. Irgendwann, so K., habe G. ihr gesagt, dass sie sich nicht wundern solle, wenn die Mietzahlung von der Ärztekammer komme. Sie habe einen Hauskredit aufgenommen. In Wahrheit handelte es sich um Kautionsrückzahlungen von Mietern der VE, die G. umgeleitet hatte. Ihr damaliger Chef nickte die Zahlung trotz unterschiedlicher Namen der Kontobesitzer ab.

Auch Zeuge Hubert B., ein Handwerker, den G. öfter engagierte, wurde nicht stutzig. Für zwei Aufträge der VE überwies die Angeklagte den Rechnungsbetrag doppelt — und behielt dann die Rückzahlung für sich, die sie in bar von B. erhalten hatte — angeblich zum Schutz eines jüngeren Kollegen, der für die fehlerhafte Überweisung seinen Job hätte verlieren können. So finanzierte sich G. über einen Teil ihres Lebensunterhaltes, befand die Staatsanwältin. Die Schadenssumme sei mit 8000 Euro überschaubar, doch G.s Handeln „sehr bewusst“ und „zielgerichtet“. Für jeden der acht Fälle des gewerbsmäßigen Betrugs in Tateinheit mit Untreue legte sie sieben Monate Freiheitsstrafe zugrunde und beantragte eine Gesamtfreiheitsstrafe von 15 Monaten. Dem Antrag folgte Richterin Roggendorf. Wobei wegen der langen Verfahrensdauer drei Monate als verbüßt gelten. Durch G.s Geständnis konnte das Verfahren deutlich verkürzt werden, da die Taten nicht einfach zu durchschauen und viele Zeugen notwendig seien. Das wurde G. positiv angerechnet. Gegen G. sprach eine „gewisse Energie“ hinter den Taten. Aber: „Es wurde Ihnen auch verdammt leicht gemacht“, sagte Richterin Roggendorf in Bezug auf das Kontrollsystem.

„Ich werde das nie wieder machen“, beteuerte G. und sprach von einer „völligen Überlastung“ zum Tatzeitpunkt. Dabei wandte sie sich auch an ihre ehemaligen Kollegen im Gericht. Sie hätte sich von ihnen mehr Unterstützung gewünscht. Vieles sei falsch gelaufen in der Firma, und sie sei nicht die Einzige, die „gesundheitlich über die Klippe gesprungen“ sei. G., die sich in psychologischer Behandlung befindet, ist arbeitsunfähig und frühverrentet.

Von Nadine Materne

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