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Segeberg Vater zerstückelte Sohn — bestreitet aber den Mord
Lokales Segeberg Vater zerstückelte Sohn — bestreitet aber den Mord
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09:16 08.01.2013
Die Ehefrau des Angeklagten und Nebenklägerin: Marlies V. mit Anwälten. Quelle: Kronlage

Dass Hans V. seinen toten Sohn zerstückelt hat, ist unbestritten. Der 63-Jährige gab das in der ersten Vernehmung durch die Kripo und auch gestern in einer schriftlichen Erklärung vor Gericht zu. Doch er will seinen Sohn nicht getötet haben. Das habe Henning selbst getan. Es sei ein Unfall gewesen. Der ehemalige Druckereiarbeiter und Hobby-Schweinebauer aus Sülfeld steht seit gestern wegen Mordes vor dem Kieler Landgericht; die 8. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jörg Brommann soll klären, was am 17. Juni dieses Jahres auf dem Bauernhof am Ortsrand geschah. Die Staatsanwaltschaft wirft Hans V. vor, seinen Sohn mit einem Feuerwerkskörper getötet zu haben.

Laut Anklage saß der 27-jährige Henning V. an jenem Vormittag in der Küche, hörte laute Nazi-Musik, stülpte sich einen Stahlhelm über und paradierte mit einem Luftgewehr auf und ab. Zum Ärger des Vaters. Henning war zu dem Zeitpunkt stark betrunken. Eine spätere Blutprobe ergab 2,46 Promille. Der Vater soll dann seinem am Küchentisch eingeschlafenen Sohn einen angezündeten Feuerwerkskörper in den Mund geschoben haben. Er explodierte. Die Leiche habe der Angeklagte zerteilt und in der Jauchegrube versenkt. Zwei Tage später habe die Schwester des Toten, Rebecca V. (28), die Körperteile ihres Bruders in der Grube entdeckt. So die Staatsanwaltschaft.

Nach Darstellung des Angeklagten in seiner schriftlichen Erklärung habe der Sohn sich den Feuerwerkskörper selbst in den Mund geschoben und ihn aufgefordert, diesen anzuzünden. Dabei könne nichts passieren, soll Henning versichert haben. Der Vater sei schließlich in sein Zimmer gegangen. Kurze Zeit später habe es kräftig gerummst, und er nahm an, dass sein Sohn den Feuerwerkskörper in der Küche gezündet habe. Als er nach ihm habe sehen wollen, habe er Henning leblos am Tisch sitzen sehen. Weil der Sohn tot war, habe er keinen Notarzt mehr gerufen.

Hans V. wollte dann, um der 28-jährigen Tochter den „Schock ihres Lebens“ zu ersparen, den Sohn fortschaffen. Doch die Leiche war zu schwer, gut 90 Kilogramm wog Henning. Da griff der Vater zu einem so genannten Fuchsschwanz und zerteilte den Körper: erst die Arme, dann die Beine, zuletzt den Rumpf. Er packte die Körperteile in Plastiktüten und entleerte sie in die Jauchegrube. Zwei Tage später, bei der Suche nach ihrem Bruder, entdeckte die Schwester die Körperteile in der Grube.

Eine gleichlautende Erklärung hat Hans V. bei der ersten Vernehmung durch die Polizei abgegeben. Das sagte gestern der Kripobeamte Achim Labbow (Lübeck) aus. In jener Vernehmung habe Hans V. die zerrüttete familiäre Struktur und schließlich die Eskalation auf dem Bauernhof seiner Frau angelastet. „Meine Frau ist an allem Schuld“, soll er gesagt haben. Auch daran, dass Henning, der jüngste der drei Kinder, ein starkes Alkoholproblem habe und nichts auf die Reihe bringe.

Das hörte sich Ehefrau — und Nebenklägerin — Marlies V. regungslos an. Sie war an jenem Tag, als ihre Tochter die Leichenteile in der Jauchegrube fand und sie anrief, sofort nach Sülfeld gefahren und hatte ihren Mann in die Fachklinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Bargfeld-Stegen einweisen lassen. Später kam Hans V. in die Ameos-Klinik nach Heiligenhafen. Fest steht, dass der 63-Jährige an Depressionen leidet und Medikamente einnimmt; er wurde als suizidgefährdet beschrieben. Auch am Tattag will er Antidepressiva genommen haben. Das sagte er in der polizeilichen Vernehmung: „Von jeder Sorte eine.“

Die Tat hat die Sülfelder entsetzt. Bei den Nachbarn galt Hans V. als unauffällig. Er hat über 30 Jahre in einer Ahrensburger Druckerei gearbeitet und später auf dem Hof in Sülfeld einige Schweine gehalten.

Umgänglich, aber auch aggressiv

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Sieben Zeugen aus dem beruflichen und privaten Umfeld des Toten und seines Vaters hat die Schwurgerichtskammer gestern gehört: den Ausbilder von Henning, seinen späteren Chef, der auch Berufskollege des Vaters war, den Ex-Schwiegersohn des Angeklagten, den besten — und wohl auch einzigen — Freund des Toten und die Schwester Rebecca.

Sie beschrieben den jungen Mann als eine zwar umgängliche, aber doch noch unreife, labile, wenig strukturierte Person mit deutlichem Alkoholproblem, rechtsradikaler Tendenz und latenter Gewaltbereitschaft. Er war nicht verlässlich, deshalb übernahm ihn sein Ausbilder nicht und deshalb löste sein späterer Chef im gegenseitigen Einvernehmen das Arbeitsverhältnis auf. Henning war gelernter Landmaschinentechniker und durchaus auch geschickt in der Landwirtschaft. Im nüchternen Zustand war er erträglich und umgänglich, das bestätigten die Zeugen. Doch wenn er sich „die Kante gab“, war er reizbar, aggressiv und schon mal gewalttätig. Auch den Vater soll er einmal getreten haben. Zwischen beiden habe kein schlechtes, aber auch kein inniges Verhältnis bestanden. Der Vater habe den Sohn bei der Arbeit immer kontrollieren wollen, schilderte der Ausbilder. Das habe Henning genervt. Aus Sicht der Tochter habe der Vater viel für Henning getan. „Gekocht, Wäsche gewaschen, alles erledigt“, zählte Rebecca auf. Sie will den Vater beschützen, zieht ihn als potenziellen Täter nicht in Betracht. Das ist vielmehr die Mutter, im übertragenen Sinn. „Marlies V.“, nennt Rebecca die Frau ihres Vaters. Das Wort „Mutter“ vermeidet sie, wählt die dritte Person. „Sie hat meinem Vater schlechtes Essen gekocht, die Kartoffeln waren schon sauer.“ Schließlich habe sie ihn rausgeworfen. Wenn Henning mit schmutziger Kleidung von der Arbeit gekommen sei, habe er sich selbst im Winter draußen, auch bei Schnee, umziehen müssen.

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Verhandlungstage: Es sind noch drei angesetzt, 9., 11. und 16. Januar.

Ursula Kronlage

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