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Verdacht auf Totschlag: 27-jähriger Segeberger in Haft

Bad Segeberg Verdacht auf Totschlag: 27-jähriger Segeberger in Haft

Nach dem Tod eines 25-Jährigen sucht die Polizei nach der Tatwaffe, einem Messer mit 50-Zentimeter-Klinge. In der Nacht zum 1. Mai eskalierte ein Streit zwischen zwei Gruppen. Der Tatverdächtiger schweigt vor Haftrichter.

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Der Tatverdächtige (2. von rechts), dem zuvor die Handschellen abgenommen worden waren, spricht mit Kriminalbeamten bei einer Tatortbegehung nahe der Schule am Burgfeld.

Quelle: DPA

Bad Segeberg. Kerzen flackern im Windhauch, Blumen liegen am Wegesrand. Ein Mädchen liegt schluchzend in den Armen ihres Freundes. „Warum steht denn dort ein Kreuz“, fragen zwei Grundschüler arglos. Zwischen der Schule am Burgfeld und der Franz-Claudius-Schule wurde in der Nacht zu Sonntag gegen 1.45 Uhr ein 25-Jähriger an einer Wegkreuzung schwerverletzt liegend aufgefunden, teilte die Polizei mit. Rettungskräfte versorgten ihn zunächst medizinisch vor Ort, versuchten ihn wiederzubeleben, er starb jedoch wenig später im Krankenhaus.

LN-Bild

Streit zwischen zwei Gruppen eskalierte in der Nacht zum 1. Mai — Tatverdächtiger schweigt vor Haftrichter — Polizei sucht nach der Tatwaffe, einem Messer mit 50-Zentimeter-Klinge.

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„Die gesuchte Waffe mit einer halben Meter langen Klinge hat einen auffälligen rot-goldenen Griff.“ Matthias Arends, Polizeisprecher

Tatverdächtiger ist polizeibekannt

Noch am Sonntag nahm die Polizei einen 27-Jährigen aus Bad Segeberg fest. Nach bisherigen Ermittlungen soll er auf das Opfer mit einem langen Messer — Klingenlänge etwa 40 bis 50 Zentimeter — eingestochen haben. Der Tatverdächtige sei zwar polizeibekannt, bisher aber nicht als Straftäter aufgefallen. Das Amtsgericht erließ gestern Haftbefehl wegen Verdachts des Totschlags, wie die Polizeidirektion Kiel mitteilte. Der mutmaßliche Täter schwieg zunächst zu den Vorwürfen. Die Ermittlungen der Mordkommission zu Hintergründen, Motiven und Abläufen der Tat dauerten an, hieß es.

Die Tatwaffe mit einem auffälligen rotgoldenen Griff, von der Länge her eher eine Machete, wird jetzt fieberhaft gesucht. Sie soll am Eichkamp, einer kleinen Seitenstraße der Ostlandstraße, unter einem Müllcontainer abgelegt worden sein, teilte die Kripo mit. Dort habe man das Messer aber nicht mehr aufgefunden. Entweder stimme die Aussage nicht, oder jemand anders habe zwischenzeitlich das Messer entdeckt und mitgenommen, sagte Polizeisprecher Matthias Arends den LN.

Die Mordkommission sucht außerdem ein silberfarbenes Klappmesser mit einer Klingenlänge von sechs bis sieben Zentimetern, das ebenfalls wichtig für die Tat gewesen sein könnte. Dieses Messer könnte im Bereich des Tatorts abgelegt oder weggeworfen worden sein. Ein kleiner Schulteich, gleich neben dem Tatort, war von der Bad Segeberger Feuerwehr noch in der Tatnacht leergepumpt worden, aber auch dort wurde kein Messer gefunden.

Sanitäter fühlten sich bedroht

Nach bisherigen Ermittlungen hat sich die Tat im Verlauf einer Auseinandersetzung zwischen zwei rivalisierenden Gruppen junger Erwachsener ereignet. Die Polizei widersprach der Darstellung, dass es sich dabei um feste Banden in Bad Segeberg handele, die sich schon länger bekriegten. Die beiden Cliquen seien am Rande der großen Maifeier am Abend häufiger aneinandergeraten und hätten sich beschimpft. Später stießen sie auf dem relativ einsamen Weg zwischen den Schulen aufeinander.

Nach LN-Informationen soll sich der Streit auch daran entzündet haben, dass ein Mädchen die Clique gewechselt hatte. Der Zwist darüber sei schließlich brutal eskaliert. Zu den beiden verfeindeten Lagern am Tatort gehörten insgesamt zwölf Personen, einer Gruppe gehörten nach Darstellung der Polizei auch zwei Frauen an. Noch bevor die Rettungskräfte an dem nachts relativ einsam gelegenen Tatort eintrafen, sollen auch schon Bekannte versucht haben, den jungen Mann wiederzubeleben. Die Polizei zeigte sich gestern erstaunt darüber, dass sich die Rettungskräfte des DRK am Tatort bedroht gefühlt hätten. „Es gab zuerst widersprüchliche Aussagen zum Einsatzort“, sagte dessen Leiter Ulf Möller. So seien zunächst mehrere Schulen angefahren worden, ehe feststand, dass es sich um jene Stelle an der Schule am Burgfeld handelte. Dort angekommen, sei der Rettungswagen von mehreren Personen mit Baseballschlägern und Holzlatten umringt worden, so Möller: „Die Kollegen sind nicht ausgestiegen.

Sie haben auf die Polizei gewartet.“ Von einer direkten Bedrohung der Kollegen wollte Möller nicht sprechen, aber: „Ich wäre in der Situation auch nicht ausgestiegen.“ Unklar sei, ob sich diese Personen der Lage des Schwerverletzten bewusst gewesen seien.

Noch am Sonntagmorgen hatte der Vater des Opfers in einem dramatischen Aufruf via Facebook gepostet: „Bitte helft mir den Mörder ausfindig zu machen.“ Der Aufruf wurde fast 4500 Mal geteilt. Am Sonntagnachmittag hatten Kripobeamte den mutmaßlichen Messerstecher zu einer Tatortbegehung gebracht. Ihm wurden während der Befragung die Handschellen abgenommen.

Von W. Glombik und H. Schwartz

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