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Segeberg Verein für Brandopfer feiert 25-jähriges Jubiläum
Lokales Segeberg Verein für Brandopfer feiert 25-jähriges Jubiläum
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14:47 17.11.2018
Paulinchen - Initiative für verletzte Kinder: Anneliese Stapelfeldt (links) ist zweite Bundesvorsitzende des Vereins Paulinchen, die mit Jutta Adomat die Bundesgeschäftsstelle des Vereins in Norderstedt leitet. Quelle: Burkhard Fuchs
Norderstedt

1993 aus einer Elterninitiative gegründet, feiert der Verein „Paulinchen – Hilfe für brandverletzte Kinder“ jetzt sein 25-jähriges Bestehen in Norderstedt. Aus ganz Deutschland erreichen den Verein, dessen Bundesgeschäftsstelle im Jahr 2008 von Nürnberg nach Norderstedt verlegt wurde, jedes Jahr rund 5000 Anfragen und Hilferufe von betroffenen Eltern, sagt die zweite Vorsitzende Anneliese Stapelfeld.

Insofern habe der Verein im Laufe der Jahre mehr als 100 000 Menschen und Institutionen mit Ratschlägen, Adressen und Ansprechpartnern von Spezialkliniken und Therapeuten, Präventionshilfen und Informationsmaterialien helfen können.

30 000 pro Jahr sind betroffen

„Der Bedarf ist nach wie vor groß“, sagt Anneliese Stapelfeldt. „Wir werden gebraucht.“ Immer noch verbrühen sich jedes Jahr rund 30 000 Kinder an heißem Wasser, verbrennen sich an der glühend heißen Herdplatte oder spielen mit dem Feuer. 6000 Kinder verletzen sich sogar so schwer, dass sie zum Teil monatelang stationär im Krankenhaus behandelt werden müssen. Wie vor sieben Jahren an Heiligabend das damals sieben Jahre alte Mädchen aus der Gemeinde Blunk, dessen Kleidung beim Krippenspiel in Bad Segeberg plötzlich Feuer fing. Sie trug schwere Hautverbrennungen an Kopf, Armen, Hals und Brust davon und musste lebensgefährlich verletzt ins künstliche Koma versetzt werden. Auch diesem Mädchen und ihren Eltern konnte der Verein mit Rat, Tat und Trost beistehen.

Der einzige Unterschied sei heute, dass die Opfer immer jünger würden, warnt die Leiterin der Paulinchen-Geschäftsstelle in Norderstedt. „80 Prozent der Opfer sind heute Kleinkinder unter fünf Jahren. Sie tragen das höchste Risiko, was Brandverletzungen angeht.“ Junge Eltern könnten deshalb nicht vorsichtig genug sein, sagt sie. „Die Reichweite und Schnelligkeit der Kinder wird oft unterschätzt.“ Schon eine nur 53 Grad heiße Tasse mit Tee oder Kaffee könnte zu gefährlichen Hautverletzungen führen.

Name nach Struwwelpeter-Geschichte

Der Name des Vereins rührt aus der verhängnisvollen Geschichte des Struwwelpeter-Märchens. „Paulinchen war allein zu Haus, die Eltern waren beide aus“, heißt es darin. „Da sah sie plötzlich vor sich stehen, ein Feuerzeug, nett anzusehen.“ Und später dann: „Verbrannt ist alles ganz und gar, das arme Kind mit Haut und Haar.“ Nach diesem Gedicht habe sich 1993 der Verein benannt, den zunächst zwei betroffene Familien gegründet haben, die sich darüber wunderten, dass es kaum professionelle Hilfe und kein Netzwerk für die Brandopfer gab. Das hat sich mit den heute 1350 Mitgliedern und der langjährigen Präventions- und Netzwerkarbeit des Vereins geändert. Er wirbt mit seinen Plakaten und Broschüren in den Praxen von Kinderärzten und in Kindergärten. Er vermittelt Ärzte, Therapeuten und Sanitätshäuser. Er organisiert Aufklärungsseminare, zu denen er Experten wie plastische Chirurgen, Psychologen und Heilpädagogen einlädt. Und er gestaltet Erholungsreisen für die betroffenen Kinder.

Viele Brandunfälle wären zu verhindern

Denn neben den sichtbaren Narben der Verbrennungen, die durch jahrelanges Tragen von Kompressionsverbänden nur abgemildert werden können, erleiden die Opfer oft auch seelische Belastungen durch die erlebten Traumata, die sie jahrelang beschäftigen können, weiß Anneliese Stapelfeldt. In der Pubertät holten die Jugendlichen diese schlimmen Erlebnisse regelmäßig wieder ein, weil sich diese Verletzungen für immer in ihre Haut eingebrannt haben und nie ganz verschwinden werden. „Eine Brandverletzung begleitet einen ein Leben lang“, weiß Anneliese Stapelfeldt.

Auch die Vereins-Vizechefin kam Mitte der 1990er Jahre als betroffene Mutter zu Paulinchen. Ihr Sohn Hendrik geriet mit seinem Faschingskostüm zu dicht an eine brennende Kerze und erlitt schwere Brandwunden. Der Junge ist längst erwachsen. „Nur die Narben bleiben“, sagt Mutter Stapelfeldt. Sie begreift die Arbeit von „Paulinchen“ vor allem als warnende Aufklärung an Eltern und Erziehungsberechtigte, aufzupassen und vorzubeugen. „60 Prozent der Brandunfälle könnten vermieden werden“, sagt sie. „Bei Grillunfällen mit Brennspiritus sind es sogar 100 Prozent.“

Von Burkhard Fuchs

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