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Segeberg Vergewaltigungsprozess: Freispruch wegen zu vieler Zweifel
Lokales Segeberg Vergewaltigungsprozess: Freispruch wegen zu vieler Zweifel
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21:02 19.02.2016

Es blieben zu viele Zweifel an der Darstellung des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers, objektivierbare Beweise fehlten hingegen, führte Richterin Claudia Naumann in der Urteilsbegründung aus, ein Freispruch sei daher die logische Konsequenz. Wie berichtet, hatte die junge Frau ihren damaligen Freund beschuldigt, sie Ende Juni 2014 in dessen Norderstedter Wohnung nach zunächst einvernehmlichem Sex geschlagen, gewürgt und brutal vergewaltigt zu haben.

Die junge Frau hatte sich am Morgen nach der mutmaßlichen Tat ihrer Schwester anvertraut, die den Eltern von den angeblichen Vorfällen berichtete. Diese hatten die Polizei eingeschaltet, wogegen sich die als Nebenklägerin auftretende junge Frau zunächst gesperrt hatte. Unter anderem, weil der Angeklagte gedroht haben soll, ihr und ihrer Familie etwas anzutun. Der Angeklagte hatte am letzten Prozesstag in einer Vernehmung wie schon zuvor betont, dass er seiner Freundin nie Gewalt angetan habe. Serena B. sei es gewesen, die in der Beziehung extrem geklammert und ihn ständig mit Handynachrichten bombardiert habe. Das sei ihm alles zu viel geworden. Er habe die Beziehung beenden wollen, womit die junge Frau nicht zurecht gekommen sei.

Ein von der Verteidigung beantragtes Glaubwürdigkeitsgutachten des mutmaßlichen Opfers, dessen Aussage die Polizei für glaubwürdig hielt, wurde vom Gericht als nicht erforderlich abgelehnt.

Das Gericht würdigte die Aussage der Nebenklägerin als konstant und in weiten Teilen stimmig: Es habe an dem angeblichen Tatabend ein Besuch vom Bruder des Angeklagten gegeben, man habe Vodka-Mischungen getrunken, später, als das Paar allein gewesen sei, habe einvernehmlicher Sex stattgefunden.

Nach Darstellung der Nebenklägerin habe die spätere brutale Vergewaltigung bei ihr heftige Blutungen ausgelöst. Die von einem Sachverständigen der Gerichtsmedizin analysierten Toilettenpapierreste wiesen allerdings überwiegend Menstruationsblut auf, gemischt mit venösem Blut, was bei einer Regelblutung laut Sachverständigem normal sei. Bei der nach der Tat vorgenommenen ärztlichen Untersuchung waren bei der jungen Frau keine Verletzungen festgestellt worden. Zweifel an der Darstellung der Nebenklägerin hatte das Gericht auch deshalb, weil die junge Frau nach der angeblichen brutalen Tat bei dem Angeklagten blieb und die Nacht mit ihm gemeinsam im Bett verbrachte.

Als irritierend sah es das Gericht auch an, dass die junge Frau per Handy nach der angeblichen Tat liebevolle Nachrichten an ihren vermeintlichen Peiniger schrieb, wie sie selbst im Prozess zugegeben hatte. Die Richterin beschrieb die Nebenklägerin als junge Frau, die sich „stark emotional in eine Beziehung verstricke und an dieser festhalte, auch wenn ihr Gewalt angetan wird“. „Es ist nicht auszuschließen, dass Serena B. nicht mit dem Ende der Beziehung klarkam und den Angeklagten deshalb zu Unrecht beschuldigte“, sagte die Richterin. Zumindest bestünden starke Zweifel an ihrer Darstellung, die zugunsten des Angeklagten zu werten seien.

mka

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