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Segeberg Verletzter Habicht Opfer von Wilderern?
Lokales Segeberg Verletzter Habicht Opfer von Wilderern?
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22:18 06.09.2013
Der Habicht guckt noch etwas unsicher aus seiner Transportkiste. Im Wildpark Eekholt wurde er operiert — eine Kralle musste amputiert werden — und gepflegt. Gestern wurde der Greif wieder ausgewildert. Quelle: Fotos: Rose/*hil

Tierschützer und Jäger sind gleichermaßen entsetzt: ein im Rieshorner Gehölz ausgelegtes so genanntes Tellereisen, hat in dem Waldstück bei Heidmühlen einen Habicht so schwer verletzt, dass ihm eine Mittelkralle amputiert werden musste. „Das Tier hatte Glück im Unglück“, sagte Cheftierpfleger André Rose vom Wildpark Eekholt den LN. Er hat den Greifvogel einige Tage lang aufgepäppelt.

„Er hätte unter Umständen auch das ganze Bein verlieren oder zu Tode kommen können“, so Rose. Gestern wurde das Tier, dem es inzwischen wieder so gut geht, dass es allein zurechtkommen kann, ausgewildert. „So ein Eisen kann schwerste Verletzungen verursachen“, ist Rose bestürzt darüber, dass im Kreis Segeberg mit seinem großen Forst offenbar jemand unterwegs ist, der sich der Konsequenzen und der Gefahren solcher Instrumente anscheinend nicht bewusst ist, oder schlimmer, sie in Kauf nimmt. Nicht ohne Grund sei es verboten, solche Totschlagfallen zu benutzen. „Oft verenden Tiere in diesen Eisen, wie sie aus alten Trapper-Filmen vielen bekannt sein dürften, qualvoll. Und was wäre, wenn sich daran Spaziergänger verletzt hätten?“, André Rose kann nur fassungslos den Kopf schütteln.

Eine Spaziergängerin hatte den Habicht am vergangenen Sonnabend, 31. August, in lebensgefährlichen Situation entdeckt und sofort zum Tierarzt gebracht. „Eine knappe Stunde dauerte die Operation, um die Kralle zu amputieren“, berichtet Petra Zsivanovits, Spezialistin für Vogelheilkunde. Seit sie in Wahlstedt praktiziere, sei es das erste Mal, dass sie einen Vogel mit Tellerfallen-Verletzung behandelt habe. Sie hofft, dass es eine Ausnahme bleiben wird.

Das hoffen auch André Rose und Matthias Sandrock, der Förster vom Revier Glashütte, das ganz in der Nähe des Fallen-Fundorts liegt. „So etwas habe ich bisher noch nicht erlebt“, sagte Sandrock bestürzt über dieses unverantwortliche und gefährliche Verhalten. Ob jemand die gefährliche Falle ausgelegt hat, der einfach mal sehen wollte, wie so ein Eisen funktioniert, oder ob ein Wilddieb auf Beutezug im Kreis Segeberg unterwegs ist, ist unbekannt. Die Polizei hat jedoch die Ermittlungen wegen Jagdwilderei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz aufgenommen.

Ermittlungen wegen Jagdwilderei und Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz — Polizei erbittet Zeugenhinweise
Tellereisen sind zum Fang von Tieren sowohl nach dem Deutschen Jagdgesetz als auch nach EU-Recht verboten, dennoch sind sie, beispielsweise im Internet, frei verkäuflich. Geraten Tiere in diese Fallen, sind sie in den seltensten Fällen sofort tot sondern verenden meist qualvoll. Bei Jägern, die waidgerecht jagen, sind diese Fallen unabhängig von ihrem Verbot deshalb geächtet. Der Umwelttrupp der Polizei warnt jetzt eindringlich vor Tellereisen.

Die Polizei ermittelt nach Auskunft von Sabine Zurlo, Sprecherin der Polizeidirektion Bad Segeberg, in mehrere Richtungen. „Aufgrund des Aufstellens der Falle beziehungsweise durch das Fangen und massive Verletzen des Habichts“ gebe es konkrete Anhaltspunkte für den Anfangsverdacht von Straftaten insbesondere der Jagdwilderei sowie nach dem Tierschutzgesetz.

„Hinweise auf einen Tatverdächtigen konnten bisher nicht erlangt werden. Der Sachverhalt wurde durch die Jägerschaft des Gemeindejagdbezirkes Heidmühlen zur Anzeige gebracht. Die Jäger zeigten sich sehr empört und betroffen über diese Form des unwaidmännischen Verhaltens, vor allem weil nicht auszuschließen sei, dass neben Wildtieren auch Personen und insbesondere Kinder oder auch Hunde in derartige Fallen gelangen können.“ Das betreffende Waldstück werde insbesondere von Spaziergängern zum Hundeauslauf stark frequentiert.


Hinweise zu dem Vorfall erbittet die Polizei unter Telefon 0 45 51/88 40.

Heike Hiltrop

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